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Reality Check: Social-Media-App Instagram erwägt eine neue bargeldlose Bezahl-Methode

Über den Foto-Dienst Instagram sollen in Zukunft auch direkte Zahlungen möglich sein. Damit folgt die 2010 erschienene App einem Weg, der sich schon länger abzeichnet. Das Potential der vielen Millionen Nutzer soll verstärkt für den E-Commerce genutzt werden. Aktuell testet Instagram eine direkt in die App integrierte Bezahlfunktion. Wie weit ist diese Funktion bereit und was bedeutet sie für Händler?

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Von Gastautor Roger Niederer, Head Merchant Services von SIX Payment Services

Bereits 2016 wurden sogenannte „Shopable Tags“ bei Instagram eingeführt. Allerdings führen diese einen kaufwilligen Nutzer noch in den Onlineshop eines Anbieters. Dieser Schritt könnte zukünftig entfallen. 

Check 1: Jeder kann nun alle Produkte über Instagram bezahlen

Bislang wurde das neue Bezahl-Feature nur bei einigen ausgewählten Nutzern in Großbritannien und den USA aktiviert. Außerdem will sich Instagram, zumindest vorerst, auf bestimmte Sektoren konzentrieren. So gehört zu den wenigen Unternehmen, die die Bezahlfunktion bereits anbieten, die Reservierungsplattform Resy. Aber auch Kino-Tickets sollen demnächst über Instagram reserviert und direkt bezahlt werden können. Es ist anzunehmen, dass sich die Bezahlfunktion in Zukunft flächendeckend durchsetzen wird. Denn auch die „Shopable Tags“ wurden zunächst für ein begrenztes Marken-Portfolio eingeführt und sind nun ein wichtiger Bestandteil der App.

Check 2: Wie läuft der Bezahlvorgang ab und wie verdient Instagram daran?

Um die Payment-Funktion zu verwenden müssen Instagram-Nutzer eine Kredit- oder Debitkarte hinterlegen und eine PIN-Nummer definieren. Dadurch lassen sich Zahlungen direkt in der App abwickeln. Bisher werden Nutzer, die einen Kauf-Button anklicken, über einen integrierten Browser auf den Onlineshop eines Unternehmens geleitet. Dort müssen sie sich wie gewohnt anmelden oder gegebenenfalls neu registrieren, was natürlich alles Zeit kostet. Die neue Funktion dürfte den Bezahlvorgang deutlich verkürzen. Noch ist nicht klar, ob der Dienst Händler zur Kasse bitten möchte. Das Angebot würde sich vermutlich auch ohne Gebühr für den Anbieter lohnen, schließlich kann man davon ausgehen, dass Unternehmen verstärkt Werbung auf der Plattform schalten werden, wenn ein Direktkauf möglich ist.

Check 3: Wie wirkt sich die Neuerung auf den deutschen Markt aus?

Instagram hatte hierzulande im letzten Jahr etwa 15 Millionen monatliche Nutzer, das heißt fast jeder fünfte Deutsche verwendete die App. Damit bietet Instagram ein enormes Potential für den E-Commerce, das man nicht unbeachtet lassen sollte. Interessant wird das auch vor allem, wenn man das große Netz von Influencern betrachtet, das auf Instagram über die Jahre entstanden ist. Über die Plattform lassen sich damit auch heute schon sehr gezielt Kunden ansprechen. Mit der neuen Bezahlfunktion könnte das Shopping nun noch intuitiver werden und die Customer Journey bequemer gestalten werden. Denn zu viele Klicks und Weiterleitungen beinträchtigen die Kundenerfahrung erwiesenermaßen, nicht umsonst führte Amazon schon vor längerer Zeit das One-Click-Payment ein.

Fazit: Die Welt des Geldes wird immer komplexer

Instagrams Schritt zu einer eigenen Bezahlfunktion muss man im Kontext einer allgemeinen Entwicklung sehen. Unsere Welt vernetzt sich immer mehr, alle möglichen Geräte sind mittlerweile online und das „Internet of Things (IoT)“ ist schon zu einem festen Begriff geworden. Gleichzeitig verändert sich damit aber auch das Onlineshopping und Bezahlverhalten. Händler sollten sich darauf einstellen, dass der Bezahlvorgang vielfältiger wird, von EC- und Kreditkarten über Sofortüberweisungen und Lastschriftverfahren bis hin zu Apps. Mit einem erfahrenen Payment Service Provider, der all diese Zahlungsarten integriert, ist der Einzelhandel gut aufgestellt für eine digitale Zukunft.

Zum Autor: Roger Niederer ist seit 2015 Head Merchant Services beim Schweizer Zahlungsverkehrsdienstleister SIX Payment Services und verantwortet das europaweite Händlergeschäft. Zuvor war er zwei Jahre CEO von SIX Payment Services Austria (ehemals PayLife Bank) und sechs Jahre lang Head Operations. Roger Niederer hält einen Master in Corporate Finance.

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