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Reality-Check: Bargeldlos, kontaktlos, sinnlos? Mobile Payment in Deutschland

Im Supermarkt kurz das Smartphone gezückt um zu bezahlen, anstatt Scheine und Münzen zählen oder eine PIN eingeben, das soll sich nun auch in Deutschland durchsetzen. Noch in diesem Jahr will Apple Pay hierzulande an den Start gehen. Google Pay ist in Deutschland verfügbar – zumindest in der Theorie. Funktioniert die Anwendung in Deutschland und wollen sich die Deutschen überhaupt mit Mobile Payment anfreunden?

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Von Gastautor Roger Niederer, Head Merchant Services von SIX Payment Services

Check 1: Wie funktionieren die Systeme genau?

Zumindest zurzeit ist nur die App von Google in Deutschland verfügbar und ausschließlich für Android. Die Anwendung aus dem Store herunterladen reicht aber noch nicht zum kontaktlosen Shoppen, zunächst müssen in der App Kreditkartendaten hinterlegt werden. Bisher funktioniert Google Pay mit den Karten: Comdirect-Visa, Commerzbank-Mastercard, Commerzbank-Visa und N26-Mastercard. Außerdem wird die virtuelle Kreditkarte Boon unterstützt. Die Landesbank Baden-Württemberg sowie Revolut haben eine zukünftige Kooperation bereits angekündigt. Neben dem reinen Bezahlen bietet Google die Funktion an, Kundenkarten in der App zu hinterlegen. Zusätzliche Gebühren erhebt Google nicht, es fallen aber die normalen Entgelte der Kreditkarten an. Verdienen wird das Unternehmen nur indirekt an seinem Payment-Angebot: Sind einmal Kreditkartendaten bei Google hinterlegt kaufen Kunden auch mehr im eigenen Store ein – das dürfte zumindest die Hoffnung des Internetriesen sein. Auch Apple setzt auf eine Kooperation mit Banken und Kreditkartenanbietern, unter anderem möchte sich die Deutsche Bank beteiligen.

Check 2: Eine Kreditkarte ist für die Nutzung zwingend erforderlich?

Aktuell unterstützen EC-Karten die von Google verwendeten Sicherheitsfeatures noch nicht vollumfänglich. So zum Beispiel Tokenization, bei diesem kryptographischen Verfahren werden anstelle der sensiblen Kreditkarteninformationen zufällige Zahlenreihen, sogenannte Token, zwischen Kunden und Händler übertragen. Die Gültigkeit eines Tokens fragt das Bezahlsystem auf einem externen Server ab. Kein Verkäufer erhält so jemals die tatsächlichen Kreditkartendaten eines Kunden. In den USA lässt sich Google Pay aber bereits mit zahlreichen anderen Bezahlsystemen, wie PayPal kombinieren. Bei Apple spricht einiges dafür, dass die App nur mit Kreditkarten funktionieren wird.

Check 3: Wo ist der Service verfügbar?

Bisher ist die Liste der Google-Pay-Partner in Deutschland relativ überschaubar. Allerdings finden sich darunter große Namen, wie Media Markt, Aldi und die McDonald‘s. Ob zukünftig noch weitere Unternehmen einsteigen, wird vom Erfolg der bisherigen Teilnehmer mit Google Pay und der Akzeptanz der Kunden abhängen. Welche Einzelhändler mit Apple Pay kooperieren werden lässt sich aktuell noch nicht sagen.

Check 4: Im Bargeld-Land Deutschland haben Konzepte wie Google und Apple Pay keine Chance?

Die Deutschen sind dafür bekannt, dass sie immer noch besonderen Wert auf Bargeld legen. Tatsächlich wird hierzulande auch immer noch mehr mit Scheinen und Münzen bezahlt, als in den europäischen Nachbarländern. Doch auch in Deutschland kommt Bewegung ins Payment-Geschäft. Zwischen 2008 und 2017 sank bei der Altersgruppe 18 – 24 Jahre der Anteil an Barzahlungen von 69 auf 44 Prozent, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Bundesbank. Lediglich in der Altersgruppe der über 65-Jährigen konnte das Bargeld auch 2017 mit 58 Prozent seine vorherrschende Stellung halten. Die Smartphone-affine jüngere Generation wird zunehmend auch kontaktlos mit dem Handy bezahlen wollen, ebenso wie Besucher, die solche Bezahlmethoden längst aus ihren Heimatländern gewohnt sind

Fazit

Ob sich nun Google und Apple Pay in Deutschland etablieren können, oder ob andere Anbieter den Markt übernehmen, fest steht, die Welt des Bezahlens wird sich verändern. Wenn sie in Zukunft nicht auf der Strecke bleiben wollen sollten sich auch deutsche Händler schon heute darauf vorbereiten. Das ist auch kein großer Aufwand: Mit der Hilfe eines erfahrenen Service-Providers gelingt die Integration verschiedener bargeldloser Bezahlverfahren ins eigene Geschäftsmodell ganz einfach. Um das immer reibungslosere Shopping-Erlebnis zu realisieren, das sich die Kunden wünschen, kommt man nicht umhin, auch den Bezahlvorgang zu automatisieren. Potential dafür gibt es zur Genüge. Nicht nur das Smartphone, sondern jedes der vernetzten Geräte, die uns umgeben kann im Sinne eines Internet of Payments auch als Zahlungsmittel genutzt werden.

Zum Autor: Roger Niederer ist seit 2015 Head Merchant Services beim Schweizer Zahlungsverkehrsdienstleister SIX Payment Services und verantwortet das europaweite Händlergeschäft. Zuvor war er zwei Jahre CEO von SIX Payment Services Austria (ehemals PayLife Bank) und sechs Jahre lang Head Operations. Roger Niederer hält einen Master in Corporate Finance.

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