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Radikaler Umbau bei der GfK geplant: US-Investor will Teile an IBM auslagern, weltweit könnten 6000 Jobs wegfallen

Vorstandschef Peter Feld hat schmerzvolle Pläne für das GfK-Personal

Es könnte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK härter treffen, als bisher erwartet. Nach aktuellen Informationen der „Nürnberger Nachrichten“ will der US-Investor Teile des Instituts an den IT-Konzern IBM auslagern und Unternehmensbereiche verkaufen. Weltweit könnte dieser Schritt einen Abbau von 6000 Stellen nach sich ziehen. 

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Die Pläne des US-Investors KKR, der vor einem Jahr in das Marktforschungsinstitut GfK eingestiegen war, scheinen radikaler als bisher bekannt. So will die Tageszeitung „Nürnberger Nachrichten” aus Arbeitnehmerkreisen erfahren haben, dass der von KKR installierte neue Vorstandschef Peter Feld plant, Teile des Nürnberger Instituts an das Technologieunternehmen IBM auszulagern. Der Vertrag liege bereits zur Unterzeichnung vor. Zudem sollen vier Marktforschungsbereiche verkauft werden.

Offiziell bestätigte der Vorstand, dass 600 der rund 2300 Stellen in Deutschland abgebaut und 17 der 23 Standorte geschlossen werden sollen. Damit bleiben neben der Zentrale in Nürnberg die größeren Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Haßloch bestehen. In diesem Zusammenhang verweist die GfK gegenüber absatzwirtschaft auch auf die bereits 2017 angekündigten Kostensenkungen in Deutschland von insgesamt etwa 20 Prozent. Damals kündigte der Vorstand an, umgehend in den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern des Unternehmens zu treten, um die Auswirkungen auf die Belegschaft zu diskutieren und sozialverträgliche Lösungen zu sondieren. „Wir haben bereits im Sommer vergangenen Jahres umfassend über unser umfangreiches Transformations- und Investitionsprogramm intern wie extern informiert und unsere Mitarbeiter nicht nur auf der letzten Betriebsversammlung in Nürnberg sowie in weiteren internen Rundschreiben nochmals im Detail über den aktuellsten Stand in Kenntnis gesetzt. An den dort aufgezeigten Zielen halten wir nach wie vor unverändert fest. Wir sind bei deren Umsetzung auf einem guten Weg. Sobald es hierbei konkrete oder weitere Fortschritte gibt, werden wir diese natürlich erneut kommunizieren“, sagt Kai Hummel, Vice President (Communications & Public Affairs) bei der GfK gegenüber absatzwirtschaft.

Weltweit dramatischer Personalabbau erwartet 

Aufgrund der drohenden Auslagerung sowie des Verkaufs von Marktforschungsbereichen geht die Arbeitnehmervertretung von einem äußerst schmerzvollen Personalabbau aus. So befürchte die Vertretung, dass von den weltweit 13.000 Beschäftigten nur noch 7000 übrig bleiben werden. Für Deutschland gehen die Beschäftigten von einer Halbierung der Belegschaft aus. Erst im Oktober vergangenen Jahres hatte die GfK angekündigt, sein Telefonlabor im schweizerischen Hergiswil bis März 2018 zu schließen, was einem Abbau von 77 Stellen entspricht. Als Grund gab das Institut gegenüber der „Luzerner Zeitung“ an, dass Kunden vermehrt von Telefon- auf Onlinebefragungen umstellen. So seien rund 50.000 weniger Telefoninterviews durchgeführt worden.

GfK hat Digitalisierung verpasst

Die GfK beklagt schon länger die Folgen der Digitalisierung: So eröffne insbesondere die steigende Zahl von Start-ups einen Preiskampf. Die jungen Unternehmen würden mit Onlineumfragen oft schneller und preisgünstiger Marktforschungsdaten liefern können als klassische Marktforscher. Die GfK-Umsätze seien daher in den vergangenen Jahren eingebrochen, hieß es Ende 2017 in einer Meldung der dpa. Diese Entwicklung habe die GfK schließlich dazu veranlasst, den Finanzinvestor KKR ins Boot zu holen, der die GfK SE seitdem quasi komplett in der Hand hat und sogar von der Börse nahm. Aus der einstigen Führungsriege ist nur ein alter Kopf übrig: David Krajice, der den Bereich GfK Research leitet. Die anderen acht Mitglieder des Managements, das sich „Executive Leadership Team” nennt, sind Neulinge. Viele von ihnen waren zuvor beim Besteckhersteller WMF tätig – auch Peter Feld, der Vorstandsvorsitzender der WMF Group war.

Peter Feld klagt ebenfalls über die Digitalisierung: „GfK ist zu komplex geworden und hat wichtige Trends – gerade in der Digitalisierung – verpasst, die auch kundenseitig in den vergangenen Jahren zu Veränderungen und neuen Anforderungen geführt haben. Wir müssen jetzt unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken und GfK digitalisieren, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Ab sofort richten wir alle Aktivitäten auf unsere Kunden aus – ohne Kompromisse“, sagte der CEO der GfK anlässlich des im Sommer vergangenen Jahres veröffentlichten Transformations- und Investitionsprogramms. Dieses sieht unter anderem eine Beschleunigung der Digitalisierung vor. Zur Finanzierung des Programms will die GfK,  „in den nächsten zwei Jahren weltweit rund 200 Millionen Euro an Kostensynergien” erzielen.

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Kommentare

  1. Welch Zufall: ein IBM Manager wechselt als CEO zur GfK. Er runinert das Unternehmen, wird von Hof gejagt, GfK wird von US Investoren übernommen, dann jetzt quasi abewickelt. Aber der GfK CEO Matthias Hartmann, kommt wie Phönix aus der Asche wird CEO IBM Deutschland und bringt gleich die Übernahme von Teilen der GfK zu IBM. Der, der alle seine Ziele bei GfK verfehlt hat, besonders das der Digitalisierung, soll jetzt bei IBM eben die Digitalisierung voran treiben, oder, lautet sein IBM -Ziel, wie bei GfK, auch nur IBM Deutschland abwickeln?

  2. KKR zieht als Investor immer dieselben Schritte durch. Zuletzt bei WMF.
    Das jeweilige Unternehmen wird als rückständig und unrentabel eingestuft. Dementsprechend sind auch die immer gleichen Maßnahmen.
    Die sogenannten Transformationen und Investitionen richten sich dann genau am Vertrag aus „zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, zwischen Bundesrepublik DE und USA“ novelliert anno 2006.
    Zu verdanken der SPD und dem damaligen Bundeskanzler Schröder. Aufsetzend auf diesen Vertag generiert dieser nicht nur immense Steuerersparnisse und Rückzahlungen von DE an die Investoren, sondern sichert diesen auch sämtliche Schürfrechte u.v.m. TTIP lässt grüßen.
    Als Insider habe ich in der WMF die CEO von KKR kennen gelernt. Transformieren, absahnen, Rücklagen aufbrauchen, dann boots trapping und sqeece out. Ein infaustes Spiel ohne jegliche Empathie! Bravo Herr Feld.

  3. „Digitalisierung der Marktforschung“ meint fast immer Absenkung der Forschungsstandards:Junge Unternehmen, die „mit Onlineumfragen oft schneller und preisgünstiger Marktforschungsdaten liefern können als klassische Marktforscher“, liefern in der Regel Ergebnisse aus Online-Access-Panels, die per se nicht repräsentativ sein können, weil es keine Zufallsauswahl gibt. Auf „Repräsentativität hingewichten“ verbessert den Bias der Selbstrekrutierung der Befragten nicht. Auch etablierte Unternehmen, die sich gegen die Konkurrenz wehren wollten, sitzen inzwischen in dieser Spirale nach unten fest.

    In Zeiten der prinzipiellen Kostenreduzierung bei maximalem Gewinn interessieren notwendige Forschungsstandards niemanden mehr, und schon gar nicht Finanzinvestoren. Ein wesenlicher Anteil der Forschungskosten war und ist immer die dringend notwendige Qualitätskontrolle und -sicherung, wie nicht zuletzt die Spiegel-Reportage gezeigt hat. Man darf sicher sein, dass Investoren und einer branchenfremden Führungsriege Qualitätssicherung im Gegensatz zur Kostensenkung herzlich egal ist – auch, weil sie von der Bedeutung dieser Maßnahmen für die Marktforschung keinerlei Ahnung haben.

    Ziel der Marktforschungsbranche muss sein, den Kunden zu vermitteln, dass Qualität zwar Geld kostet, falsche Ergebnisse, auf die man sich verlässt, letztlich aber wesentlich teurer sind. Selbst wenn sie wollte: Die GfK alleine kann das nicht leisten.

  4. Warum über Inhalte diskutieren, die ein Unternehmen angeblich nach vorne bringen.

    Bei Investoren wie z. B. KKR geht es niemals um die Firmen und deren Interessen.
    Es ist auch völlig egal, welches Unternehmen gekauft wird, Hauptsache es eignet sich für die geplanten steuerlichen Transaktionen.

    Keiner sollte sich einbilden, dass das was vordergründig geplant wird, nur im Geringsten etwas mit dem tun hat, was hinter den Kulissen minutiös eingefädelt und in die Wege geleitet wird.

    Für eine angebliche Neuausrichtung eines Unternehmens bleibt vom Kauf bis zur Abstoßung eines Investitionsobjekts überhaupt keine Zeit.
    Es geht einzig und allein darum in ca. 4-5 Jahren soviel Gewinn wie möglich zu erzielen.
    Diesen ausschließlich über die Steuerschlupflöcher, die wir als BRD möglich gemacht haben.
    Zudem haben die Investoren ihren Sitz in Steueroasen, was noch mehr Gewinnmaximierung zulässt.

    Für die wirtschaftlich optimierte Ausrichtung am Markt des gekauften „Opfers“ werden Transformationspläne entwickelt, welche die gesamte Struktur des Unternehmens umkrempeln und damit völlig unübersichtlich und handlungsunfähig machen.
    Eine perfekte Ablenkung vom eigentlichen Vorhaben.

    Geschäftsleitung und Betriebsrat werden mit fast unüberwindlichen betrieblichen und personellen Regulationen beschäftigt, um das Schlimmste zu verhüten.
    Am Ende bleiben viele Arbeitsplätze auf der Strecke, ein Unternehmen ohne Rücklagen, das nun wieder auf einen „geeigneten“ Investor wartet.

    Ein wirtschaftliches Desaster, für das jeder deutsche Steuerzahler zur Kasse gebeten wird.

    Was für eine Posse!

    Warum lassen wir uns das nur gefallen und warum kümmert sich unsere Regierung nicht um diesen zerstörerischen Ausverkauf?

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