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Proptech – nach Fintech der nächste Hype?

In der Immobilienbranche ist mächtig was los: In Großstädten steigen Wohnungsnot und Wohnungspreise, Gesetzesänderungen werden beschlossen und durch wachsendes Misstrauen in andere Geldanlagen möchten plötzlich alle in Immobilien investieren. Momentan entstehen etliche Proptech-Unternehmen, deren Gründer den Immobilienbereich grundlegend verändern möchten. Kommt nach dem Fintech-Boom jetzt der Proptech-Boom?

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Besonders im Hinblick auf die Immobilienvermarktung verspricht eine große Zielgruppe zunächst gute Möglichkeiten für Proptechs. Pro Jahr sind etwa 7,5 Millionen Menschen in Deutschland auf Wohnungssuche. Gerade die junge Generation, die besonders offen gegenüber digitalen Angeboten ist, zieht recht häufig um. Durch Zuwanderung wird der Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum künftig nicht abnehmen. Zudem haben Hausverwaltungen, Makler und die Wohnungssuche an sich ein negatives Image. Viele Abläufe in der Immobilienvermarktung wirken verstaubt und beruhen auf viel Papierkram, sie schreien geradezu danach, endlich digitalisiert zu werden – eine große Chance für Proptech-Unternehmen.

Auch die Zahlen stimmen optimistisch – Proptech wächst

2015 wurden weltweit 1,7 Milliarden Dollar in Proptechs investiert, der Immobiliendiensteister Catella schätzt, dass es dieses Jahr 2,3 Milliarden Dollar sein werden. Diese Werte ähneln den Fintech-Investment-Zahlen von 2010 (1,7 Milliarden) und 2011 (2,5 Milliarden Dollar; Accenture). In Fintechs wurden 2015 bereits 22,2 Milliarden Dollar investiert, der Investitionswert des ersten Quartals 2016 war mit 5,3 Milliarden Dollar stolze 67 Prozent höher als im Vorjahr.

Initiativen mehrerer deutscher Proptech-Unternehmen

2015 wurden 75 Prozent der Investments in Proptech-Unternehmen in den USA getätigt, in Europa waren es nur 4 Prozent. Die Proptech-Szene in den USA und China ist nicht nur in Sachen Investments wesentlich weiter als in Deutschland. Auch bietet sie dort mehr Vielfalt – was allerdings ein Hinweis sein könnte, dass diese in ein paar Jahren auch hierzulande zu erwarten ist. Erste Initiativen mehrerer deutscher Proptech-Unternehmen sind ebenfalls ein Zeichen dafür, dass die Proptech-Branche sich festigen wird. Fintechs haben sich bereits auf europäischer Ebene zur European Fintech Alliance zusammengeschlossen, um bei regulatorischen und politischen Fragen mitreden zu können. In Deutschland ist zudem der Bundesverband Crowdfunding entstanden, mitgegründet von vielen Fintechs.

Gegen den großen Proptech-Boom

Es gibt auch einige Argumente gegen den großen Proptech-Boom. Die Vermarktung und Verwaltung von Immobilien ist nicht komplett digitalisierbar, Innovation ist nur bis zu einem gewissen Grad umsetzbar. Online-Mietverträge oder Matching-Plattformen, die Mieter und Vermieter “verkuppeln”, sind angenehme Hilfsmittel, die in Zukunft einige Abläufe beschleunigen werden. Tools wie Virtual-Reality-Wohnungsbesichtigungen sind nette Spielereien. Sie können allerdings nicht das Gefühl ersetzen, das potentielle Mieter oder Käufer beim ersten Betreten der Wohnung haben, in der sie erwägen, viele Jahre ihres Lebens zu verbringen.

Das größte Problem der Szene: Deutsche Proptechs beschränken sich zu häufig darauf, bestehende Leistungen ins digitale Zeitalter übersetzen zu wollen – meistens die eines Immobilienmaklers. Vielleicht liegt es daran, dass einige Proptech-Unternehmen nach sehr kurzer Zeit am Markt schon wieder verschwunden sind, beispielsweise das Makler-Start-up Vendomo von Rocket Internet.

Fazit

Fintechs erschaffen im Gegensatz zu Proptechs echte Innovationen, die kein analoges Pendant kennen und von denen die Branche sowie Verbraucher profitieren. Ein gutes Beispiel dafür sind Crowdinvesting-Plattformen, auf denen Privatanleger kleine Beträge in Immobilien investieren können, die im Schwarm dem Investment eines Großanlegers gleichen. Nach Ablauf einer kurzen Laufzeit bekommt jeder Crowdinvestor seine Anlage zuzüglich einer vergleichsweise hohen Rendite zurück. Dieser Ablauf wäre in der “alten Welt” undenkbar. Insbesondere die deutsche Proptech-Szene steckt noch in den Kinderschuhen. Im Bereich Fintech geht es schon wesentlich professioneller und deutlich vielseitiger zu, hier entstehen disruptive Geschäftsmodelle. Es ist nicht davon auszugehen, dass Fintechs in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren werden. Und Proptechs werden ihnen vorerst nicht das Wasser reichen können.

Zum Autor: Simon Brunke ist Vorstand des Fintech-Start-ups Exporo. Die führende deutsche Immobilien-Crowdinvesting-Plattform aus Hamburg wurde 2014 gegründet und ermöglicht Investments ab 500 Euro mit kurzen Laufzeiten (i.d.R. 18-36 Monaten) und Renditen von bis zu sieben Prozent. Exporo wurde 2014 von Dr. Björn Maronde, Tim Bütecke, Julian Oertzen und Simon Brunke gegründet.

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