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Pinterest-Gründer Evan Sharp: „Wir sind kein Social Network“

© Evan Sharp auf der Online Marketing Rockstars-Konferenz: "Wir verstehen Deutschland noch nicht."

Evan Sharp, Mitgründer von Pinterest, braucht lokale und regionale Partner in Deutschland, um den Wert des Dienstes an die Kunden zu bringen. Denn während das Portal in den USA floriert, wird es hierzulande noch stiefmütterlich behandelt. Sein Hauptaugenmerk legt der Gründer trotzdem auf Produkt- und Designqualität.

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Mit Spannung erwartete das Publikum der Rockstars Evan Sharp. Denn einerseits ist Pinterest eines der schnellst wachsenden Websites im Netz, andererseits hat die Plattform im deutschen Markt noch wenig Fuß gefasst und ist nach anfänglicher Euphorie 2014 inzwischen bei vielen Marketers wieder vom Rader verschwunden.

Gründlichkeit und Sorgfalt vor Geschwindigkeit

Tatsächlich reichten schon die ersten Sätze von Sharp, um klar zu machen, dass dieses Unternehmen doch etwas anders tickt, als viele andere erfolgreiche Startups. In einer ruhigen, bedachten Art konnte Evans schnell klar machen, dass der Fokus bei ihm – er leitet die kreative Produktentwicklung von Pinterest – viel stärker auf der Qualität und dem Design der Anwendung liegt, als auf der schnellen Feature-Entwicklung.

Sharp kann sich das leisten, weil er wie Facebook und Co. nur die Infrastruktur baut – die Inhalte kommen von Usern. Den Vergleich mit Facebook scheut er allerdings. „Obwohl wir oft als Social Network eingeordnet werden: Wir sind keines. Man kann uns eher mit der Onlinesuche vergleichen. Die Grundidee des Dienstes war nicht die Vernetzung von Nutzern, sondern eher Inspiration und Entdeckung neuer Inhalte. Wir sind ein visuelles Bookmarking-Tool.“

Das ergebe für Marketer eine interessante Perspektive in Sachen Customer Journey. „Während es in den sozialen Netzwerken um Dinge geht, die gerade passieren oder bereits passiert sind, geht es unseren Nutzern um Dinge, die in der Zukunft liegen, die sie planen. Hier können Marken sehr schön andocken und Entscheidungshilfen bieten“. So nutzen laut Sharp viele Lehrer den Dienst, um Unterrichtspläne zu erstellen und zu speichern. Reisegruppen nutzen den Dienst zur gemeinschaftlichen Planung ihrer Besuchsziele.

 „Wir haben Deutschland noch nicht verstanden“

Trotz dieser unbestrittenen Qualitäten – in den USA ist Pinterest nach Facebook und Google inzwischen drittgrößter Trafficbringer – ist der Dienst in Deutschland noch nicht abgehoben. Sharp redet das auch nicht schön: „Wir haben Deutschland und Frankreich noch nicht verstanden. Seit August gibt es ein Büro in Berlin und wir glauben stark daran, dass wir lokale und regionale Partner brauchen, um den Wert des Dienstes für die Kunden klar zu machen.“ Der Wachstumsfokus liege aktuell auf den größten Kulturmetropolen der Welt. Berlin, Paris, Tokio, Singapur oder HongKong sind für Sharp kulturelle Impulsgeber für die Regionen. „Wir glauben, dass wir uns auch mit Büros in den Städten verankern müssen, um den Spirit zu spüren, aber auch um Pinterest als Marke lokal zu verankern. Da denken wir langfristig“.

Ob „langfristig“ aufgeht, entscheiden am Ende die User und die ihnen folgende Werbeindustrie. Letzten Sommer hat Pinterest mit den Promoted Pins eine erste direkte Werbemöglichkeit geschaffen, geht damit aber sehr zaghaft um. Nur eine Handvoll US-Unternehmen darf bislang davon profitieren. „Schätzungsweise die Hälfte aller 30 Milliarden Pins kommen von Firmen, aber kaum ein User nimmt das wirklich als Werbung war“, so Sharp.

Fokus auf Mobile

Auf Nachfrage wies Sharp zurück, dass man an einem BuyIt-Button arbeite. Vor zwei Jahren hatte es bereits Experimente in diese Richtung gegeben allerdings zog sich Pinterest einigen Ärger zu, als man die Produkte plötzlich nicht mehr direkt sondern über Affiliates verlinkte und denen Provisionen zuschusterte. „Wir haben erkannt, dass Affiliate-Links nicht die beste Lösung für die Nutzer sind. Oftmals pflegen Affiliates diese Links auch nicht“.

Aktuell richtet Pinterest die meiste Energie auf das Thema Mobile. „80 Prozent unseres Traffics kommt inzwischen vom Smartphone“, so Evans. Den Tool-Charakter von Pinterest unterstreicht Sharp aber auch hier: „Bei uns werden Inspirationen gespeichert, um sie später nutzen zu können. Es geht also um digital aber auch um die reale Handlung. Das spannendste Thema ist für uns also, dass User zum Beispiel auf dem Desktop Sachen recherchieren wie Kochrezepte oder Bastelanleitungen. Dann nutzen sie aber das mobile Gerät zum Abrufen und zwar genau dort, wo sie die Handlung ausführen wollen. Das geht bis hin zu Anleitungen für Fitnessübungen“.

Einige Kampagnen gab es bereits und zumindest im Fashion-Bereich ist die Plattform auch heute schon ein wichtiger Traffic-Lieferant. Es bleibt spannend zu beobachten, ob Pinterest auch in Deutschland mehr Marktkraft entwickeln wird.

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