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Peking als Weltbühne für Produkt-Neuheiten

Die Peking Auto Show, die morgen startet, spiegelt mit den Premieren der Hersteller die Bedeutung des Gastgeberlandes. China wird seinen Vorsprung in den nächsten Jahren als weltgrößter Automarkt weiter ausbauen und dieses Selbstverständnis der Chinesen wird auch zu spüren sein. Die westlichen Autobauer müssen ihre Geschäftsmodelle mit reinen Joint-Venture Produktionswerken überdenken und anpassen. Wer sein Unternehmen für die Chinesen öffnet und nicht nur Produktionsanlagen betreibt, sichert seine Zukunft.

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Von Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer

Noch vor ein paar Jahren waren die Verhältnisse klar: In Detroit beginnt das Autojahr auf dem Terrain von General Motors (GM), Ford und Chrysler, im neutralen Genf stellen die Autobauer ihre Frühjahrsmodelle vor, die Frankfurter IAA ist die Domäne der Deutschen und die schwächelnde Tokio Motor Show und der Pariser Autosalon stellen für Japaner und Franzosen die Bühne. Mittlerweile hat sich das Bild gründlich gewandelt: Peking und Shanghai sind zum Mekka für die Neuvorstellungen geworden. Denn China ist zum absolut wichtigsten Automarkt avanciert und die Autobauer sind auf das Wohlwollen der chinesischen Kundschaft angewiesen.

So hat die Marke VW-Pkw im letzten Jahr 42 Prozent ihrer weltweiten Fahrzeuge in China an Kunden ausgeliefert, bei Audi waren es 37 Prozent. Der Volkswagen-Konzern als Ganzes ist zu 34 Prozent von den chinesischen Kunden abhängig, GM zu 33 Prozent, Hyundai zu 22 Prozent und die BMW AG zu 19 Prozent. Dabei gilt die Devise: Tendenz der China-Anteile bei allen weiter steigend.

Neue Modellreihen in der Oberklasse

Peking und Shanghai, die im jährlichen Wechsel die zentrale Automesse in China ausrichten, sind für die Premiummarken nicht mehr wegzudenken. In keinem Winkel der Welt wachsen Premium- und Luxusfahrzeugverkäufe so schnell wie in China. Zwar konkurriert noch bei Autobauern wie Mercedes oder BMW die USA um den Titel „verkaufsstärkster Markt“, aber auch für diese Autobauer wird China bald zum Non-Plus-Ultra. Daher zeigt BMW in Peking den Ausblick auf sein neues BMW 7er Modell, das erst 2016 im Verkauf steht, und enthüllt gleichzeitig die neue BMW 9er Reihe.

Nirgends boomen die Luxusfahrzeugverkäufe stärker als in China, also werden hier die neusten Luxusgefährte als Weltpremiere präsentiert. Bugatti stellt mit dem Veyron „Black Bess“ für 2,15 Millionen Euro eine chinesische Sondervariante seines Veyron vor, Bentley zeigt eine Plug-In Hybrid Studie, die ab 2016 mit dem neuen Bentley SUV in den Markt rollt. Mercedes enthüllt die Erweiterung seiner Modellreihen mit der MLC-Studie, Audi ein SUV-Coupé mit seinem neuen Q4, ebenfalls eine neue Modellreihe.

Peugeot-Citroën, die sich mit der Marke DS als Premiumhersteller positionieren wollen, zeigen die Studie des großen SUV DS X7, ein Auto exklusiv für China, sowie die Sportlimousine DS5 LSR. Lexus feiert die Weltpremiere seines Kompakt-SUV NX und stellt direkt die Vollhybridversion NX 300h ins Rampenlicht. Peugeot enthüllt eine 340 PS Plug-In Hybrid Studie mit dem Namen Exalt. Natürlich sind neben all den Novitäten der Premium- und Luxusanbieter auch die Massenhersteller mit neuen Modellen in Peking vertreten, aber den Premium-Autobauern gehört die große Aufmerksamkeit.

Chinesische Autobauer wenig erfolgreich

Auch die bisher wenig erfolgreichen chinesischen Autobauer zeigen Neues, wie etwa Chery seine Linousine Arrizo 5, den Kompakt SUV Troggo 5, Brilliance die SUVStudie mit Namen V3, BYD den Hybrid-SUV Tang super, Haval den großen SUV H9, JAC den kompakt SUV Heyue 300 S30, das Elektroauto iEV5 und die Limousine Refine A6, Guangzhou den Auto GA6Baojun den Baojun 610. Ein Großteil der chinesischen Marken ist in Europa nahezu unbekannt. Bisher verlief die Entwicklung der chinesischen Autobauer in China enttäuschend. Die großen Verlierer in China sind die Chinesen. Im wachsenden Markt büßen die chinesischen Autobauer fortgesetzt Marktanteile ein und besitzen in Summe per März 2014 lediglich 38 Prozent Marktanteil am Gesamtmarkt mit einer weiter fallenden Tendenz. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die bisherige Politik der chinesischen Regierung, über Joint-Ventures mit westlichen Autobauern Know-how ins Land zu holen und eine eigene Autoindustrie aufzubauen, gescheitert ist.

China könnte Elektromobilität zum Durchbruch helfen

Nach 16,3 Millionen Pkw-Verkäufen und einem Weltmarktanteil von 24,1 Prozent im Jahr 2013 werden in China nach unserer CAR-Prognose in diesem Jahr 18 Millionen Pkw verkauft werden – ein Plus von 10,5 Prozent. Im Jahr 2000 war China mit 614.000 Pkw-Verkäufen etwa auf Augenhöhe von Holland in der Autowelt. Im Durchschnitt ist der Pkw-Markt in China in den letzten 13 Jahren um jährlich fast unglaubliche 29 Prozent gewachsen. Zwar sind die Raten geschrumpft, aber von zehn Prozent Wachstum im Jahr können andere fast nur träumen. Hohes Wirtschaftswachstum ist ein Treiber für die weiter wachsende Automobilnachfrage in China, die bis zum Jahr 2050 das Volumen von 50 Millionen Pkw-Verkäufen pro Jahr erreichen kann – vorausgesetzt, die Umweltprobleme lassen sich in China lösen.

Und was in Deutschland vor dem Scheitern steht, die Elektromobilität, könnte in China seine Chance haben. Die Umweltprobleme in den Großstädten China bilden den Rahmen. Was allerdings fehlt, ist die Infrastruktur für diesen Rahmen. Ohne öffentliches Ladesäulennetz lässt sich Elektromobilität in Großstädten nicht umsetzen. Und daran hapert es in den Großstädten Chinas noch gewaltig. Doch die Zentralregierung in Peking als auch die Kantone sind bemüht, der Elektromobilität eine Bühne zu geben. Das zeigen die Subventionen, die für den Kauf von Elektroautos ausgelobt werden. Die Zentralregierung gibt 57.000 Yuan (6.700 Euro) Unterstützung für die Zulassung von Elektroautos – in Peking kommen noch mal 6.700 Euro lokale Hilfen hinzu, in Shenzhen sogar 7.000 Euro. In Shanghai sind 4.700 Euro örtlicher Zuschuss in Planung.

Die Voraussetzungen für Elektroautos sind damit in China deutlich besser als etwa in Deutschland und das lässt hoffen, dass in drei bis fünf Jahren ein größerer Teil der Fahrzeuge in den chinesischen Innenstädten als Elektroautos oder Plug-In Hybride verkauft werden. Im optimistischen Szenario gehen wir davon aus, dass um das Jahr 2020 in China jährlich um die drei Millionen Elektroautos und Plug-In Hybride verkauft werden. Das wäre dann etwas mehr als ein Prozent aller Pkw-Neuwagenverkäufe.

Über den Autor:
Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

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