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OWM-Umfrage zu 2019 zeigt: Digital-Gläubigkeit der Werbetreibenden ist ungebrochen

OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz: Bei Werbeausgaben wird der Rotstift zuerst angesetzt

Es gibt zurzeit wieder ein gemischtes Bild, was die Aussichten für den Werbemarkt für 2019 betrifft. Die aktuelle Umfrage unter Mitglieder der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) hält schlechte Nachrichten für die klassischen Gattungen Print und TV bereit: Neue Digital-Formate sind mal wieder der Liebling der Stunde.

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Eine kommende Abkühlung der Konjunktur wirft bei der Umfrage unter den OWM-Mitgliedern ihre Schatten voraus. Noch 22 Prozent der Befragten rechnen für 2019 mit steigenden Werbe-Budgets, im Vorjahr waren das noch 46%. Stiefkinder bei der Umfrage sind einmal mehr die klassischen Mediengattungen Print und TV. Bei Print ist man ja Kummer gewohnt und versucht seit einiger Zeit, mit Image-Aktionen (wie zuletzt der etwas hilflos wirkenden Agenda für “True Media”) die eigene Bedeutung zur Rettung der Welt, mindestens aber der Demokratie unter Zuhilfenahme von preiswerten Frauenzeitschriften zu beschwören (verkürzte und leicht zugespitzte Darstellung). Sonderlich gefruchtet haben solche Aktionen bislang nicht. Auch die aktuelle OWM-Umfrage watscht Print ab. Nur 9 Prozent der Befragten wollen ihre Werbe-Ausgaben in Print erhöhen, 54 Prozent wollen sie senken.

Der Abstieg der TV-Werbung

Für die TV-Manager sind solche Zahlen noch ein wenig ungewohnt. Allerdings schlägt sich die Zurückhaltung bei der Einbuchung von TV-Spots mittlerweile auch deutlich in den Bilanzen nieder, zuletzt bei den Neun-Monats-Zahlen der RTL Group. Die Fernsehbranche erlebt hier das, was Print schon durchgemacht hat: Zuerst sinken die Reichweiten, dann irgendwann auch die Werbe-Einnahmen. So wie sich Print jahrelang an den dubiosen Ergebnissen von Reichenweiten-Studien wie der Media Analyse festgeklammert hat, die den Zeitungen und Zeitschriften bei sinkenden Auflagen immer weiter steigende oder stabile Reichweiten attestierten, konnten TV-Manager lange noch auf stabile oder steigende Werbeerlöse trotz sinkender Einschaltquoten verweisen. Aber irgendwann ist damit halt Schluss und sinkende Real-Reichweiten schlagen sich in sinkenden Werbe-Erlösen nieder. Laut OWM-Umfrage wollen 16 Prozent der Befragten kommendes Jahr ihre Ausgaben für TV-Werbung erhöhen, 35 Prozent senken. Das ist noch nicht ganz so dramatisch wie bei Print, man befindet sich aber auf einem ähnlichen Weg, der nach unten führt.

Ähnlich wie in der Print-Branche haben die TV-Konzerne darum fast schon hektisch begonnen, ihre Digitalisierungs-Bemühungen zu intensivieren. Im Fall der RTL Group trägt das Früchte, wenn auch nicht in allen Märkten (Deutschland ist hier besonders schwierig. Dass TVnow Netflix oder Amazon hierzulande etwas entgegensetzen kann, glaubt eigentlich kein Mensch, in den Niederlanden läuft es mit Videoland für RTL besser).

Neu abgefragt wurde diesmal Influencer Marketing

Die digitalen Werbeformate sind bei der OWM-Umfrage einmal mehr die Darlings. Bei Mobile Video geben 78 Prozent an, mehr investieren zu wollen, bei Online Video 69 Prozent. Bei Mobile Display wollen 40 Prozent mehr investieren, 23 Prozent allerdings auch weniger. Online-Display ist der Loser unter den Digital-Werbeformaten. Nur 18 Prozent wollen hier mehr investieren, 32 Prozent wollen ihre Ausgaben hier senken. Unverändert beliebt: Search (47 Prozent wollen mehr ausgeben) und Social (59 Prozent wollen mehr ausgeben). Neu abgefragt wurde diesmal Influencer Marketing. 60 Prozent wollen hier ihre Spendings erhöhen, 10 Prozent wollen sie senken.

Natürlich ist es fraglich, ob die Euphorie gerade für Social und Influencer Marketing gerechtfertigt ist. Der Verdacht liegt nahe, dass bei einer solchen Umfrage auch der Reiz des Neuen den einen oder anderen zu einer Antwort verleitet, die am Ende vielleicht nicht hunderprozentig von der Realität gedeckt ist. Andererseits muss man festhalten, dass vor allem Search und Social im Vergleich zu Print und TV den unschlagbaren Vorteil totaler Transparenz und Zielgruppenkontrolle haben. Werbung via Facebook und Google ist einfach irrsinnig effizient. Außerdem hatten TV und vor allem Print gemessen an ihren Reichweiten in der Vergangenheit einen überproportional großen Anteil am Gesamt-Werbekuchen. Dieser Vorsprung schmilzt nun ab. Natürlich hat Print-Werbung nach wie vor eine Berechtigung und selbstverständlich bietet Print (zumindest in Teilen) das vielleicht hochwertigste und seriöseste Umfeld für Top-Marken. Der Markt für solche High-End Image-Werbung ist aber viel, viel kleiner als der Massenmarkt, der zunehmend von den digitalen Effizienzmaschinen abgedeckt wird. Print wird auf Dauer mit deutlich weniger Werbe-Erlösen leben müssen.

Neue digitale Werbeformate

Aufgeschlossen zeigen sich die Werbetreibenden in der OWM-Umfrage neuen digitalen Werbeformen gegenüber. Adressable TV wird mit 92 Prozent der mit Abstand größte Bedeutungszuwachs zugesprochen – diese Werbeform befindet sich aber freilich in absoluten Zahlen gemessen noch auf Mikro-Niveau. Ob der nervige “Red Button” wirklich ein Werbeumatz-Bringer ist – man darf skeptisch sein. Ebenfalls im Kommen: Video (70 Prozent), Digital Out-of-Home (68 Prozent), Location Based Marketing (66 Prozent) und, man höre, Digital Audio (66 Prozent). Vielleicht bleibt beim Mode-Medium Podcast kommendes Jahr der eine oder andere Werbe-Euro mehr hängen. Auch mittlere Sicht dürften die neuen digitalen Werbeformen aber aus ihrer Nischenrolle nicht herauskommen.

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