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Opel vor schweren Zeiten: „Der Vertrieb läuft in die falsche Richtung und das ist eine große Gefahr für die Sanierung“

Ferdinand Dudenhöffer über Opels Optimierungen, Entlassungen und Marketingmaßnahmen

Die Ausgangssituation für die Sanierung von Opel/Vauxhall durch den französischen PSA-Konzern waren ursprünglich vom europäischen Automarkt günstig. Allerdings zeigt sich mehr und mehr, dass Opel den Rückenwind des Marktes nicht nutzen kann und deutliche Marktanteile und im steigenden Markt sogar Verkäufe verliert. Tavares macht scheinbar den Fehler, dass er zu viele Dinge zu schnell ändert .

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Von Ferdinand Dudenhöffer

Es läuft nicht rund bei Opel. Der Marktanteil ist auf mittlerweile 5,8 Prozent abgerutscht. Betrug im ersten Quartal 2017 der Opel-Marktanteil in Europa, definiert als EU und EFTA, noch 6,5 Prozent ist er in diesem Jahr auf 5,8 Prozent geschmolzen.

Dabei agiert PSA und Opel deutlich unglücklich im Markt. Aufgrund der Kündigung der Händlerverträge muß mit einem weiteren Rückgang der Verkäufe gerechnet werden, denn gekündigte Händler sind alles andere als motiviert, um die Verkaufszahlen zu steigern. Zum zweiten hat Opel seine Werbeausgaben im Zuge der Sanierung deutlich gekappt. Ohne Werbung wird es schwer, seinen Marktanteil zu halten.

Einzige Modellneuerung in diesem Jahr

Neue Produkte, die mehr Schwung in den Verkauf bringen können sind ebenfalls in den nächsten 18 Monaten kaum zu erwarten. Einzige echte Modellneuerung ist in diesem Jahr der Opel Combo, in den letzten Jahren knapp 1000-mal pro Jahr verkauft wurde. Das entspricht 0,4 Prozent aller Opel-Verkäufe in Deutschland. Ein Modell, das am Markt Wirkung zeigt, sieht anders aus. Wichtige Imageträger wie der Opel Adam sollen mittelfristig auslaufen, Nachfolger sind nicht geplant. Im Gegenzug sind die Wettbewerber wie etwa Ford in ein paar Wochen mit dem neuen Focus im Markt, der Fiesta ist seit letzten Jahr neu im Markt und Opel muß nach bis mindestens 2019 auf den Corsa-Nachfolger warten. Die

Neuen Hoffnungsträger Opel Crossland X und Opel Grandland

Beide tun sich im deutschen Automarkt schwer. Grandland X und Crossland X sind Zwillinge zu PSA-Modellen und stehen damit im Wettbewerb zu Modellen von Peugeot und Citroen, sprich kannibalisieren sich zum Teil. So ist der wichtigere Crossland X in großen Teilen identisch zum Citroen C3 Aircross und Peugeot 2008. Gerade mal 9,3 Prozent aller verkauften Opel Neuwagen waren im ersten Quartal, 2018 Crossland X und nur 7,6 Prozent Grandland X. Dagegen hat sich der alte Mokka mit 7.020 Exemplaren im ersten Quartal  deutlich besser verkauft und stellte 12,2 Prozent der Opel Verkäufe.

Gefahr für Sanierung: Vertrieb läuft in falsche Richtung

Der Vertrieb läuft in die falsche Richtung und das ist eine große Gefahr für die Sanierung. Setzt sich dieser Trend fort, und derzeit ist nichts erkennbar, was den Trend stoppen könnte, hat der Sanierungsplan ein Problem. Dabei hat PSA-Chef Tavares mit seinem Frontalangriff auf gleich mehrere Feldern das Vertriebsrisiko verschärft: Ein Produktloch der nächsten 18 Monate, gleichzeitig Kündigung des gesamten Händlernetzes, wenig beobachtbaren Erfolg bei den neuen Zwillingsmodellen, Kappung der Werbeausgaben sind die Risiken, die Tavares durch seinen hohen Druck ausgelöst hat. Tavares spielt mit sehr hohem Einsatz und damit mit sehr hohen Risiken.

Da 2020 Gewinne geschrieben werden sollen, steigt der Druck bei Abbau auf die Überkapazitäten und Beschäftigten. In so einer Situation ist es leicht möglich, dass ein Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird und die beiden deutsche Opel-Werke Eichennach und Kaiserslautern in eine äußerst bedrohliche Lage kommen. Tavares hat bei den Opel-Werken im Ausland die Weichen auf grün gestellt, die Investitionspläne sind am Laufen. Der bedrohliche Rückgang der Opel-Verkäufe und der große Marktanteilsverlust erhöhen in dieser Gemengelage zusätzlich den Druck auf die deutschen Werke. Sollte in Eisennach der nach Einschätzung der IG-Metall geplante Abbau von 800 Mitarbeitern umgesetzt werden und nur noch ein Modell produziert werden, bedeutet das im Autogeschäft die schleichende Schließung des Werkes. Das Schicksal von Opel-Bochum würde sich wiederholen. Die Risiken des risikoreichen Spiels von Tavares müssen dann die Beschäftigten bezahlen.

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Kommentare

  1. Ein bisschen Heimatkunde schadet nicht: Das Opel-Werk in Thüringen liegt in Eisenach…
    Könnt ihr ja mal richtig schreiben: Eisenach…

  2. Tavares macht zu schnell – neue Modelle sind in den nächsten 18 Monaten nicht zu erwarten….
    (vier Modelle gibst es schon, Corsa kommt in dieser Zeit).
    Marktanteil von 6,7 auf 5,8 % abgerutscht??? Opel hatte schon mal 17 % Marktanteil!!!
    Opel ist die Marke, die 17 – 18 Jahre Verluste schrieb – weil ….. PSA hat sich in ein paar Jahren saniert und wollte Opel mit ins Boot nehmen. Aber anscheinend will man bei Opel nur kassieren – früher von GM, jetzt PSA? Früher erhielt man Fiat-Technik (oder Gemeinschaftsentwicklungen) heute nutzt man PSA-Technik. Ich weiss nicht was in Rüsselsheim entwickelt wird und wurde? Viel kann es nicht sein oder anscheinend war es nicht konkurrenzfähig; oder wollte die Politik… Jedenfalls häufen sich die Meldungen, die zumeist sehr dümmlich sind. Wer ist so dumm zu glauben, dass Opel es alleine schaffen könnte?

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