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Obama führt im US-Wahlkampf auf Youtube

Widersprüchliche Aussagen, rassistische Bemerkungen, doppeldeutige Zitate - was sich früher versendet hat, ist heute millionenfach auf Youtube zu sehen. Das hat den Wahlkampf verändert. Doch Youtube dient nicht nur der Dokumentation. Die Plattform ist elementarer Teil der US-Wahlkampfkampagnen. Einerseits von den Parteien selbst, andererseits von Anhängern, die mit ihren Spots oder Antispots oft erfolgreicher sind als das professionelle Wahlkampfmanagement.

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Von Anne-Kathrin Keller

Der US-Wahlkampf ohne Youtube ist heute unvorstellbar. Bei den vorletzten Wahlen im Jahr 2004 gab es Youtube noch nicht. 2008 entdeckten Obamaanhänger die Videoplattform und machten sie zu einem der wichtigsten Social-Media-Werkzeuge des amerikanischen Wahlkampfs. Bei der aktuellen Wahl hat Youtube einen eigenen Election-Channel eingerichtet. Auf diesem werden etwa die Fernsehduelle live übertragen und die Berichterstattung in anderen Medien begleitet.

Youtube-Nutzer können auf dem „YouTube Election Hub“ alle Video-Botschaften der Kandidaten und Parteien abrufen. Der Kanal erhebt den Anspruch, alle relevanten Informationen zusammenzufassen. Die Berichterstattung soll dort bis zum Wahltag am 6. November begleitet werden. Kooperationspartner wie ABC News, Al Jazeera English und The New York Times beliefern das Election Hub mit Inhalten.

Dass Google – zu dem Youtube inzwischen gehört – den Wahlkampf so intensiv begleitet, ist Teil einer generellen Entwicklung des US-Wahlkampf-Marketings. Traditionelle Medien wie TV, Radio und Printprodukte werden mehr und mehr vernachlässigt und durch Social-Media-Kanäle ersetzt. Die Vorteile: Der Nutzer bekommt eine Berichterstattung, die unabhängig von Zeit und Ort auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist, und Reden und Botschaften müssen nicht mehr auf ein Format passend zugeschnitten werden. Alle Inhalte können in voller Länge gezeigt werden.


US-Wahlkampf auf absatzwirtschaft.de


Bis zu den US-Wahlen am 6. November nehmen wir die relevanten Vermarktungskanäle der Präsidentschaftskandidaten auf absatzwirtschaft.de unter die Lupe. In der vergangenen Woche erschienen:
Wie der Kanal TV den US-Wahlkampf bestimmt


Für die Kampagnenmacher hat es den Nutzen, dass sie näher an ihren Anhängern sind. Sie bekommen durch Kommentare und Klickzahlen eine direkte Rückmeldung. Zudem können die Inhalte leichter verteilt und deutlich mehr Nutzer erreicht werden.

Welcher Kandidat sich auf Youtube wie vermarktet

Absolut gesehen führt Barack Obama bei Youtube deutlich vor seinem Herausforderer. Im Monat September hat Mitt Romney gerade einmal 43 Videos bei Youtube hochgeladen. Der amtierende Präsident hat 152 Videos gepostet. Das sind fünf pro Tag.

Ein Großteil der Youtube-Spots sind sogenannte Angriffsspots. Gemeint sind Videoclips, die nicht nur die eigenen Anliegen verkaufen, sondern vor allem den politischen Gegner ins Visier nehmen. Der Hohenheimer Kommunikationswissenschaftler Jan Kercher hat das Youtube-Verhalten von Obama und Romney genau untersucht. Obama führt nicht nur in Bezug auf die veröffentlichen Clips, sondern auch bei den Angriffsspots. Über 40 solcher Spots hat Obama im September veröffentlicht. Bei Romney waren es 35.

Neben den Youtube-Kanälen von Obama und Romney veröffentlichen die jeweiligen Parteien der Kandidaten zusätzlich Videos. Hier verfolgen beide Kandidaten eine unterschiedliche Strategie. Obama veröffentlicht fast alles auf seinem eigenen Profil – insbesondere die Angriffsspots. Romney hingegen hat einen anderen Marketingansatz. Er präsentiert sich auf seinem Kanal als harmlos und lässt seine Partei auf ihrem Kanal die Angriffsspots posten.

Amateure erfolgreicher als Kampagnenmacher

Der Großteil der Youtube-Werbespots wird nicht von den PR-Profis der Präsidentschaftskandidaten produziert, sondern von Amateuren. Das bekannteste Beispiel ist das Obama Girl, alias Wahlkämpferin Amber Lee Ettinger. Im vergangene Wahlkampf wurde ihr Liedchen „Ich bin in Obama verknallt“ auf Youtube mehr als zehn Millionen Mal angeklickt.


Klickstar im sozialen Netz


Kein Youtube-Video, aber einen der größten viralen Video-Klickerfolge dieses Wahlkampfes haben die Macher von College Humor hervorgebracht. Ihr Video „Mitt Romney Style“ ist eine Parodie des derzeitigen Charterfolges Gagnam Style des südkoreanischen Sängers Psy:
http://www.collegehumor.com/video/6830834/mitt-romney-style-gangnam-style-parody


Auch im aktuellen Wahlkampf bestimmen Videos von privaten Nutzern die Schlacht ums Weiße Haus. Sie greifen Versprecher, Fehler oder Ungenauigkeiten der Kandidaten auf und machen daraus Clips, die millionenfach geklickt werden. Beliebtes Opfer ist dabei Mitt Romney. Kaum äußerte er sich bei einer Wahlveranstaltung im geschlossenen Rahmen über Sozialschmarotzer, landete seine Rede auf Youtube. Kaum gab er im letzten TV-Duell seine geografischen Unkenntnisse preis, indem er Syrien zum Nachbarland des Irans machte, arbeiteten Obamafans an einer Videoparodie.

Trotz des „Youtube“-Hypes in den USA gibt es noch kaum Erkenntnisse darüber, wie sich Online-Kampagnen auf die tatsächliche Wahlentscheidung auswirken. Wahlentscheidend sind die Kampagnen scheinbar nicht. Dafür ist die Youtube-Gemeinde zu jung und in der Summe zu wenig politisch engagiert.

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