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Neue TLDs bieten Chancen für Markeninhaber

Ab dem Jahr 2012 wird es möglich sein, neue Top-Level-Domains (TLDs) in unbegrenzter Anzahl zu registrieren. Eine TLD bezeichnet den „Bereich oberster Ebene“ einer Internetadresse, das ist der Bestandteil der Domain, der nach dem Punkt erscheint, zum Beispiel .com, .de oder .eu. Der Web-Verwalter Icann hat das neue TLD-Programm unlängst verabschiedet. Künftig können demnach jegliche Begriffe, darunter Marken beschreibende Worte wie .presse oder .hotel sowie geografische Bezeichnungen wie .berlin oder .bayern, als URL-Endungen angemeldet werden.

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von Tobias Malte Müller

Die neuen Domains haben allerdings ihren Preis: Mit der Anmeldung ist eine Gebühr in Höhe von 185 000 US-Dollar fällig und für die Aufrechterhaltung der TLD sind Jahresgebühren in Höhe von 25 000 US-Dollar zu zahlen. Die Gesamtkosten lassen sich derzeit noch nicht abschließend beziffern. Der Zeitplan sieht vor, dass es zunächst nur zwischen dem 12. Januar und dem 12. April 2012 möglich sein wird, einen Antrag auf Registrierung einer neuen TLD zu stellen. In Zukunft soll es weitere Anmeldephasen geben. Die Anträge werden sodann in einem Bericht veröffentlicht. Binnen 90 Tagen nach der Veröffentlichung können Dritte dem Antrag widersprechen, etwa dann, wenn sie der Meinung sind, dass die beantragte TLD ihre Rechte verletzt. Entscheiden wird ein Schiedsgericht. Im November 2012 sollen die vorläufigen Prüfungsergebnisse veröffentlicht werden, sodass die neuen TLDs ab dem Jahr 2013 einsatzbereit sein werden.

Mit Einführung der neuen TLDs werden auch die Second-Level-Domains (SLDs), die Bestandteile vor dem Punkt in der URL, massiv ansteigen. Sollten die Erwartungen von Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) zutreffen, wird es zukünftig Hunderte neuer TLDs mit unbegrenzten SLDs geben. Es ist ja gerade erklärter Sinn und Zweck der neuen Internetadressen, die aus attraktiven generischen Begriffen oder geografischen Bezeichnungen bestehen, unter diesen neuen TLDs auch SLDs an Interessenten zu vergeben.

Die Herausforderungen für Markeninhaber steigen somit. Sie müssen sich zunächst fragen, ob sie proaktiv die zentralen SLDs unter den relevanten neuen TLDs selbst registrieren. Darüber hinaus müssen die neuen Register aber auch regelmäßig überwacht werden, um nicht zu übersehen, wenn zukünftig ein unbefugter Dritter eine SLD, welche die Markenrechte verletzt, unter dieser TLD registriert. Für Unternehmen wird dies die Kosten der Markenüberwachung und Markenverteidigung im Internet erhöhen.

Bei aller berechtigten Kritik bietet das neue TLD-System aber auch Chancen: Unternehmen könnten ihre Produkte etwa unter www.products.brand ins Netz stellen, weitere Unterseiten könnten beispielsweise unter www.jobs.brand, www.service.brand oder www.shop.brand abrufbar sein. Weltweit agierende Konzerne und Unternehmen können ihre spezifischen Länderseiten unter www.germany.brand oder www.brazil.brand einstellen. Und: Denjenigen Unternehmen ist eine weltweite Aufmerksamkeit garantiert, die ihre neue TLD in der ersten Antragsphase erhalten.

Dr. Tobias Malte Müller ist Partner der Rechtsanwaltskanzlei Wirsing Hass Meinhold und verantwortlich für den Bereich Marken, Domains und Designs. Er ist Schiedsrichter für Domainstreitigkeiten und verfolgt die Diskussionen um die Einführung der neuen TLDs seit Jahren.

www.icann.org

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