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Mercedes Chef Zetsche: Dem Auto das Trinken und Rauchen abgewöhnen

Zum Geburtstag des Automobils hielt Daimler-Boss Dr. Dieter Zetsche auf dem internationalen Car-Symposium in Bochum einen Impulsvortrag über die Zukunft des Automobils und die Marke Mercedes-Benz. Exklusiv bei absatzwirtschaft.de bieten wir Auszüge der Rede mit Markt-, Marketing- und Markenbezug.

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Am 29. Januar 1886 schrieb der deutsche Ingenieur Carl Friedrich Benz Geschichte. Er baute das erste Fahrzeug mit Benzinmotor. Eine Revolution. Genau 127 Jahre später ist die Faszination Auto so groß wie nie – allerdings soll heute die Pferdestärke von einem Elektromotor kommen, verschiedene Akteure arbeiten gemeinsam an Zukunftslösungen und die Fahrer sind intelligent vernetzt. In seiner Geburtstagsrede für das Automobil betrachtet Zetsche in Bochum zunächst den Ist-Zustand der Autobranche und nahm dann vorallem die zukünftigen Entwicklungen in den Blick.

Geburtstage seien gute Anlässe, um zwei Fragen zu stellen, sagt Dr. Dieter Zetsche zu Beginn seiner Rede auf dem Car-Symposium in Bochum: Wie geht’s dem Geburtstagskind heute? Und was wünschen wir ihm für die Zukunft? Zunächst zum Ist-Zustand: Das Automobil sei gleichzeitig Sehnsuchts- und Kultobjekt, persönliche Unabhängigkeitserklärung, Identifikationsmöglichkeit, Statussymbol, Technologieträger, Wohlstandsmotor und Jobmaschine.

„Über die gesellschaftliche Relevanz des Automobils sind wir uns also einig. Auf die Frage nach der wirtschaftlichen Lage der Autoindustrie gibt es derzeit aber verschiedene Antworten – je nachdem, welchen Hersteller man fragt und welchen Teil der Welt man betrachtet. Der globale Pkw-Markt hat 2012 zwar um vier Prozent zugelegt. Aber das Wachstum ist ungleichmäßig verteilt. In Europa herrscht alles andere als Goldgräberstimmung. Wer in diesen Tagen die Nachrichten über den europäischen Automobilmarkt liest, der erlebt ein Déjà-vu. Man sieht ähnliche Schlagzeilen wie im Herbst 2008 – Absatzeinbruch, Produktionskürzungen, Preiskampf.“

Wobei – so ergänzt Zetsche gingen die Meinungen in Sachen Rabattschlacht auseinander – je nachdem, ob man in Duisburg oder in Wolfsburg fragt.

„Tatsache ist jedenfalls, dass der europäische Pkw-Markt 2012 um acht Prozent geschrumpft und damit auf das Niveau von 1995 zurückgefallen ist. Der deutsche Markt ist zwar robuster. Aber auch hierzulande ist die Zahl der Neuzulassungen 2012 um drei Prozent gesunken. Damit wird klar: Die strukturelle Schwäche der europäischen Märkte lässt sich nicht wegdiskutieren. Die beste Antwort darauf ist ebenso klar: eine globale Aufstellung.“

Gerade China sei entscheidend, darum habe Daimler die Verantwortung für diesen Einzelmarkt direkt im Vorstand verankert.

„Wer hierzulande Arbeitsplätze sichern will, muss wachsen – und das geht derzeit vor allem außerhalb Europas.“

Auch bei Mercedes seien die kräftigsten Wachstumsimpulse aus anderen Teilen der Welt gekommen. In der NAFTA-Region sei das Unternehmen um elf Prozent gewachsen, in Japan um 25 Prozent, in Russland um fast 30 Prozent zugelegt. Insgesamt habe es 2012 einen neuen Absatzrekord verzeichnet. 2013 dürften die Automobilmärkte um rund drei Prozent zulegen, schätzt Zetsche.

Zukunft der Automobilindustrie

Voraussichtlich wachse der Weltautomobilmarkt bis 2020 analog zur Weltbevölkerung um über 50 Prozent. Mercedes will dann beim Absatz die Nummer eins im Premium-Segment sein. Das bedeute aber auch eine Veränderung des Automobils.

„Je mehr Menschen ein Auto wollen, desto umweltverträglicher muss jedes einzelne werden. Die jüngsten Bilder vom Smog über Peking belegen das nur einmal mehr – auch wenn das Auto nur zu einem geringen Teil dafür verantwortlich ist. Die CO2-Emissionen unserer Mercedes-Benz-Flotte in Europa lagen 2012 bei 140 Gramm pro Kilometer. Bis 2016 schaffen wir 125 Gramm.“

Effiziente Verbrennungsmotoren seien dabei der wirksamste Hebel zur Emissionssenkung im Straßenverkehr. Deshalb sei es verwunderlich, dass der effiziente Dieselmotor in Teilen der Welt noch immer ein Imageproblem habe. Gerade in Flächenstaaten wie den USA, wäre der Diesel für manche Kunden eine gute Alternative. Würde nur ein Drittel der amerikanischen Autofahrer auf saubere Dieselfahrzeuge umsteigen, könnten jeden Tag etwa 270.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

„Die Diesel-Quote bei den neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den USA beträgt gerade mal drei Prozent. Zum Vergleich: Bei uns in Westeuropa sind es deutlich über fünfzig Prozent. Es scheint fast leichter zu sein, einen Vegetarier für ein T-Bone-Steak zu begeistern als einen Amerikaner für einen Diesel.“

Neben hocheffizienten Verbrennern setze Mercedes beim Thema Verbrauchssenkung auf Hybrid-Antriebe.

„Auf lange Sicht wünschen wir uns aber, dass sich das Auto das Trinken und Rauchen ganz abgewöhnt. Das bedeutet: Wir wollen den Durchbruch am Markt für Batterie und Brennstoffzelle.“

Das Premium-Segment werde zu den Haupttreibern dieser Veränderung zählen, führt Zetsche aus, da sowohl die Kaufkraft von Premium-Kunden als auch die Entwicklungskompetenz von Premium-Herstellern gebraucht werde, um wegweisende grüne Technologien auf den Markt zu bringen.

„Die Alltagstauglichkeit von Brennstoffzellen-Fahrzeugen haben wir wiederholt bewiesen. Neben der technischen Reife gilt es jetzt, die Marktreife zu fördern, indem wir die Kräfte bündeln. Dazu braucht die Automobilindustrie noch mehr Teamgeist.“

Daimler arbeitet bereits mit Nissan bei der Brennstoffzelle zusammen. Ford sei als dritter Partner an Bord. So könne Know-how gebündelt und Entwicklungskosten geteilt werden.

„Außerdem treiben wir die Kommerzialisierung der Brennstoffzellen-Technologie voran. Denn für eine groß angelegte Markteinführung müssen die Kosten runter. Zusammen mit Nissan und Ford erreichen wir von Beginn an viel höhere Volumina und damit große Skaleneffekte. Wenn Partner mit Sitz in Japan, Deutschland und den USA auf der Basis gemeinsamer Standards zusammenarbeiten, ermöglicht das auf Komponentenebene auch bei den Lieferanten Synergieeffekte.“

Digitalisierung des Autos

Zetsches letzter Geburtstagswunsch an das Auto betrifft die digitale Entwicklung. In der Verbindung von Mobilität und Internet stecke enormes Potenzial und biete neue Mobilitätskonzepte. Das Carsharing-Programm car2go habe die Zahl seiner Kunden im letzten Jahr mehr als vervierfacht – auf 275.000 Kunden in 18 Städten.

„Carsharing bleibt ein Wachstumsgeschäft: Allein in Europa könnte die Zahl der Carsharing-Nutzer bis 2020 von heute 700.000 auf dann 15 Millionen ansteigen. Wir wollen mit car2go bereits binnen der nächsten 24 Monate die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro knacken.“

Car2go sei allerdings erst der Anfang. Mit Daimler Mobility Services habe das Unternehmen eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, um das Geschäft mit Mobilitätsdiensten auszubauen.

Das Automobil sei auch nach 127 eine Erfolgstory. Es werde in den kommenden Jahren allerdings eine ganze Reihe tiefgreifender Veränderungen kommen. In erster Linie gehe es dabei um technologische Fragen, um die Märkte, die Produktion, die Kunden, um neue Wettbewerber und neue Partner, fasst Zetsche die Herausforderungen der Automobilindustrie zum Ende seiner Rede zusammen.

(garb/ak)

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