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Medienbericht: Facebook gibt Werbekunden Einblicke in die Gefühlswelt von Heranwachsenden

Facebook soll Gefühlslagen von Heranwachsenden analysiert und Werbekunden zur Verfügung gestellt haben

Facebook soll laut einem Medienbericht in Australien die Gefühlslagen von Teenagern und Schülern analysiert und Anzeigenkunden präsentiert haben. Laut dem Bericht der Zeitung The Australien sei Facebook dabei in der Lage zu ermitteln, ob sich jemand zum Beispiel "gestresst", "nervös", "als Versager" oder "niedergeschlagen" fühlt. Dass Facebook schwierige Gefühlslagen von jungen Leuten kennt und eventuell für Werbezwecke ausnutzen könnte, löste ein Welle der Kritik aus.

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Laut dem Bericht der Zeitung The Australian (Paid Content) soll die entsprechende Präsentation von Facebook-Top-Managern in Australien für einen großen Anzeigenkunden, eine Bank, erstellt worden sein. In der Präsentation sei die Rede davon, dass Facebook über die Daten von 1,9 Mio. Highschool-Besuchern, 1,5 Mio. Studenten und drei Mio. jungen Arbeitern und Angestellten besitze. Laut der Präsentation sei es Facebook auch möglich, Stimmungsschwankungen bei den jungen Leuten quasi in Echtzeit zu ermitteln.

Facebook dementiert Gefühls-Analyse

Dass das weltgrößte Social Network die besonders empfindliche Gefühlswelt von Heranwachsenden scannt und entsprechende Analysen Anzeigenkunden zur Verfügung stellt, ist eine beunruhigende und verstörende Vorstellung. Zumal Facebook auf die Veröffentlichung widersprüchlich reagiert hat. Zunächst hieß es, Facebook entschuldige sich für den Vorgang, werde eine Untersuchung einleiten und eventuell disziplinarische Maßnahmen ergreifen. Später bezeichnete Facebook den Artikel von The Australien als „irreführend“ und erklärte, es würde keine Tools anbieten, mit denen Menschen auf Basis ihrer Gefühlslage angesprochen werden. Die Dokumente, die The Australian vorliegen würden, seien Teil einer Untersuchung, die Marketern helfen soll zu verstehen, wie sich Menschen ausdrücken (hier geht es zur Original-Stellungnahme von Facebook). Außerdem seien bei der Präsentation keine Daten von echten Nutzern verwendet worden, sondern nur fiktive Beispiele, erklärte eine Facebook-Sprecherin gegenüber MEEDIA. In der Stellungnahme gibt Facebook allerdings auch zu, dass die Untersuchung nicht nach den offiziellen Untersuchungsrichtlinien von Facebook durchgeführt worden sei, was nunmehr untersucht würde. Ob es ähnliche Untersuchungen auch in anderen Ländern gibt, wollte Facebook laut einem Bericht des Guardian nicht kommentieren.

Anonymisierung ist  A & O

Dass der gewaltige Datenschatz die große Stärke Facebooks bei der Anzeigenvermarktung ist, ist unstrittig. Der Social-Network-Gigant „weiß“ so einiges über seine Nutzer, ihre Vorlieben, ihre Hobbies, Alter, Lebenssituation, Freunde etc. Kritikern hält Facebook immer entgegen, dass die Daten ja anonymisiert und aggregiert verwendet würden. Der einzelne Nutzer bleibe verborgen. So können Kunden beispielsweise buchen, dass sie nur junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren mit einer Vorliebe für Sportwagen ansprechen wollen. So weit, so normal. Würde diese Art der Werbeansprache nun aber auf Gefühle ausgeweitet, wäre das eine neue Qualität und hochproblematisch. Zumal bei emotional oft instabilen Heranwachsenden. Welche Wirkung hätte eine gezielte werbliche Ansprache von emotional instabilen Jugendlichen? Für welche Produkte soll da überhaupt geworben werden?

Vertrauensverlust vorprogrammiert

Die Geschichte erinnert entfernt an den Skandal aus dem Jahr 2014, als herauskam, dass Facebook mit gezielt positiven oder negativen Postings in der Timeline die Gefühle von fast 700.000 ausgewählten Nutzern manipuliert hat. Facebook entschuldigte sich und versprach, die Richtlinien für Forschungen zu überarbeiten. Es ist zu hoffen, dass auch diesmal Lehren aus der berechtigten Empörung gezogen werden. Dass solche ethischen mehr als fragwürdigen Praktiken erst durch Medien aufdeckt werden, ist allerdings besorgniserregend und stärkt nicht eben das Vertrauen in Facebook.

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