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Macht und Ohnmacht in der vermarkteten Welt

Jürgen Häusler

Donald Trump – nicht zuletzt auch ein im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubender Marketingerfolg – zwingt die Großen der Markenwelt in die Knie. Scheinbar spielerisch, kurz und knapp via Twitter. So entscheidet er offensichtlich, wo zukünftig Automobile -und andere Ikonen der modernen Konsumgesellschaft - produziert werden.

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Markenartikel werden zukünftig wohl dort produziert, wo Mr. Trump will – auch wenn deren Konsum teu(r)er werden dürfte. Ein medial allgegenwärtiges Schauspiel. Aufgeführt wird: Nationale politische Machtfülle stellt die Ohnmacht der vermeintlichen globalen Power Brands bloß. Hingerissen davon sind vor allem euphorisierte, selbstbewusste – wenn auch als ahnungslos belächelte und gescholtene – politische Konsumenten.

Verführung der Marketinggewalten

Bis vor kurzem dominierte noch ein ganz anderes Stück die Weltbühnen. Weltweit attraktive Marken schufen und bedienten gleichzeitig ohne Beachtung nationaler Grenzen den sich ausbreitenden Welteinheitsgeschmack. Stets flexible und letztlich undurchschaubare globale Produktionsketten machten nationale Herkunftsbezeichnungen zu wirkungsvollen Hirngespinsten des Marketings. Politische Einflussversuche von Nationalstaaten zugunsten etwa von sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit prallten hilflos ab an der alles beherrschenden Marktmacht der Markenkonzerne, die so den Alltag der Menschheit totalitär gestalteten. Der Konsument quälte sich herum mit dem Paradox der (Schein-)Wahl und wurde bereitwillig geführt und frohgemut verführt von Marketinggewalten.

Die Kraft des Fiktionalen

Wenn man am Erfolg an der Theaterkasse interessiert ist, dann erübrigt sich im direkten Vergleich die Frage nach dem unterschiedlichen Realitätsgehalt der beiden Aufführungen. Relevant sind dann einzig die Attraktivität der jeweiligen Stories, die Begeisterungsfähigkeit der jeweiligen Inszenierungen, die Hoffnungen und Träume, die jeweils durch die Erzählungen geweckt werden können. Es zählt nicht der meist komplexe, oft irritierende, häufig triste und daher für viele Zeitgenossen immer abschreckende Wahrheitsgehalt. Es gewinnt die überschäumende und blendende Kraft des Fiktionalen. Die Leistungsmerkmale des politischen „Produkts“ treten in den Hintergrund. Die erfolgreichere Vermarktung beherrscht die politische (Welt-)Bühne.

„Simple is powerful“

Unter dem Label „Trump“ hat das Stück gewonnen, das unbeeindruckt vom politisch-ökonomischen Weltgeschehen nationale politische Macht zelebriert, das kurzerhand die vermeintlich Mächtigen zu Komparsen degradiert und das die von Experten vielzitierten Zwänge des Produktions-, Vermarktungs- und Konsumalltags in der globalisierten Welt schlicht zur umstandslos ab- oder umbaubaren Attrappe erklärt. Das Skript „sells“: Nostalgie ist „in“ angesichts ansonsten erschreckender Zukunftsaussichten. „Simple is powerful“ – wenn ansonsten alles komplex und schwierig erscheint. Allmachtsphantasien wecken Hoffnungen bei den ansonsten Verdammten dieser Welt. So entstand ein Kassenschlager. Ein durchschlagender politischer Vermarktungserfolg in Zeiten einer grenzenlos wuchernden vermarkteten Welt. Begünstigt ist der Erfolg allerdings auch dadurch, dass ein attraktive(re)s alternatives Stück nicht auf dem Spielplan stand. Dieses Versagen ist nicht nur Hillary Clinton anzukreiden.

In der Folge ist auch ein internationaler Blockbuster, „The Trumpets“ mit nationalen Untertiteln wie Fidesz, Front National oder Alternative für Deutschland, nicht auszuschließen.

 

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