Suche

Werbeanzeige

Location Based Services zwischen Interesse und Befürchtungen

Location Based Services, einer der großen Hoffnungen der Telekommunikationsbranche, sind für viele Verbraucher noch böhmische Dörfer. Das förderte unsere Befragung für den aktuellen Monat August zu Tage.

Werbeanzeige

Denn stellt man Verbrauchern dieses Konzept zunächst relativ abstrakt vor, so können sich nur 40 Prozent vorstellen, solche Dienste zu nutzen. Ein Drittel würde es eher nicht nutzen und rund 30 Prozent wissen offensichtlich gar nichts damit anzufangen. Keine guten Aussichten für die UTMS-belastete Branche.

Erst als wir den Befragten anhand von konkreten Beispielen erklärten, daß es sich bei Location Based Services (LBS) um ortsbezogen abrufbare Informationen, die mit Hilfe eines Mobiltelefons empfangen werden können, handelt, wuchs die Akzeptanz auf 80 Prozent sprunghaft an, wie in der Grafik zu sehen ist. Kein Wunder, denn die Möglichkeit lokale Informationen zu in der in der Nähe befindlichen Geschäften, Geldautomaten, Apotheken oder Restaurants automatisch empfangen oder gezielt abrufen zu können, reizt die Nutzer dann doch. Bei der konkreten Nachfrage bildeten sich zudem deutliche Nutzungspräferenzen aus. So scheint ein Stadtführer per Handy, aber auch das Auffinden der nächstgelegenen Schnäppchen-Möglichkeiten, Notdienst-Apotheken und Geldautomaten für viele Menschen sehr attraktiv zu sein.

Interessanterweise ist gerade die Gruppe der kaufkräftigen 40-49 Jährigen wesentlich uninteressierter an Location Based Services als alle anderen Altersgruppen. In dieser Altersgruppen sagen 40 Prozent (im Vergleich zu 19%) der Befragten, daß sie diese Dienste nicht nutzen wollen. Ist dies möglicherweise ein Ausdruck geringerer Technikaffinität und dem Lebensgefühl, auch ohne Handy noch zurecht kommen zu können oder zu wollen?

Am meisten interessieren mich Informationen über …

Obwohl Aufklärung Not tut, zeitigt sie leider auch Negativeffekte. So zeigte sich beim vertieften Nachfragen, daß mit dem wachsenden Interesse auch Ängste und Befürchtungen frei werden. Denn mehr als die Hälfte der Befragten sieht Probleme beim Datenschutz auf die Betreiber zukommen. Auch stößt der unaufgeforderte Empfang von lokalen Informationen im Sinne von Werbemails auf geringe Akzeptanz.
Dass bei der Einführung der Handy-Technologie vor allen Dingen der Nutzen und weniger die Technik im Mittelpunkt stand, zeigt ein anderes Beispiel. Denn wir fragten die Teilnehmer, ob sie ihr Handy abschaffen würden, wenn durch LBS ihr Aufenthaltsort immer bestimmbar sei. Überraschendes Ergebnis: Insgesamt 40 Prozent würden das Handy aus ihrem Alltag verbannen. Den Befragten ist offensichtlich nicht klar, daß diese Standortbestimmung bereits heute möglich und für die Einbuchung in die Funkzellen auch notwendig ist. Erst beim Einsatz von Location Based Services wird den Nutzern plötzlich bewußt, daß diese Standortinformation gesammelt und genutzt wird. Auch hierbei zeigt sich deutlich, dass die Kenntnis solcher technischen Zusammenhänge nicht bildungs-, sondern altersabhängig ist.

Noch etwas haben die Telekommunikationsanbieter zu bewältigen: Lediglich 11 Prozent der Befragten würden ihren Netzanbieter wechseln, um Location Based Services in Anspruch nehmen zu können. Das heißt, das Angebot dieser Dienste reicht zumindest mit Stand von heute noch nicht, um dem Wettbewerber Kunden abzujagen.

Pro`s und Con`s

Unsere Befragung zeigt: Es herrscht noch ein Informationsdefizit. Die Telekommunikationsbranche hat es wieder mal verabsäumt, den Nutzen für Verbraucher klar herauszustellen und damit ein Interesse zu wecken, daß sich monetär auszahlt. Dabei gründen sich die Hoffnungen auf den Location Based Services: Anbieter möchten das Handy als Werbekanal nutzen. Zudem kann der Abruf von Informationen auch mal Geld kosten (das wäre dann endlich mal ein „Pay for Content“-Modell, auf das die Online-Welt neidisch sein könnte) und natürlich möchten die Telekommunikationsunternehmen über Durchleitungsgebühren endlich ihre UTMS-Lizenzen refinanzieren.

Dass neue Technologien breite Akzeptanz finden können, beweist der Einzug des Handys in unseren Alltag: Hier stand immer der Nutzen im Vordergrund, weniger die Technik. Verbraucherinformation ist daher gefordert. Denn der Schritt zu Location Based Services ist kleiner, als aus Konsumentensicht vermutet.

Emind@emnid befragte zwischen dem 22. Mai und dem 29. Juli 2002 insgesamt 623 Internetnutzer. Die Untersuchung wurde im TNS EMNID-Onlinepanel durchgeführt. Sowohl beim Panelaufbau als auch bei der Auswahl der Teilnehmer an dieser Befragung wurde dafür Sorge getragen, daß die Struktur der Befragten der aller deutschen Onliner entspricht. Die Ergebnisse sind somit repräsentativ für alle Internetnutzer in Deutschland.

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage Januar 2002

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage Februar 2002

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage März 2002

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage April 2002

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage Mai 2002

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage Juni 2002

>Zur Emnid-Exklusiv-Umfrage Juli 2002

http://www.emind.emnid.de


Autor: Carsten Theisen, Director Emind@emnid
E-Mail: carsten.theisen@emnid.tnsofres.com

Emind@emnid ist die Internetforschung von TNS EMNID, einem der führenden Markt-, Media- und Meinungsforschungsunternehmen Deutschlands. Neben der Durchführung von Onlinebefragungen hat sich eMind@emnid auf Forschung rund um das Netz, die Motive für dessen Nutzung und Nichtnutzung sowie Nutzer-und Nichtnutzerstrukturen spezialisiert.

Kommunikation

Büro-Buddies und Karriere-Kumpel: Die Hälfte der Deutschen findet im Job Freunde fürs Leben

Viele Deutsche verbringen sehr viel Zeit mit Kolleginnen und Kollegen: Eine 40-Stunden Woche, und nach Feierabend gerne noch ein gemeinsames Getränk im Kollegenkreis. Die Hälfte der Berufstätigen in Deutschland hat im Büro bereits Freundschaften fürs Leben geschlossen. Immerhin jeder Zehnte pflegt sogar eine eheähnliche Vertrauensbeziehung am Arbeitsplatz. mehr…

Werbeanzeige

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

Facebook testet Abo-Modell bei Instant Articles – aber Apple blockt das Vorhaben auf dem iPhone

Interessenskonflikt von zwei Tech- und Internet-Titanen: Facebook startet wie angekündigt im Oktober Tests…

Zehn Beispiele für intelligente Software, die unsere Arbeit erleichtern wird

Macht künstliche Intelligenz uns die Arbeit leichter? Laut einer Umfrage von TNS Infratest…

WeChat-Expertin: „Ich warne davor zu behaupten, dass WeChat im Westen gescheitert sei“

Janette Lajara hat mehrere Jahre in China gelebt und dort für OSK das…

Werbeanzeige

Werbeanzeige