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Kurz vor der IAA: Sind die Zeiten der stabilen Automärkte vorbei?

Der weltweite Automarkt wird auch im Jahr 2017 ein spürbares Wachstum von 2,6 Prozent zeigen und auf 85,3 Millionen Pkw-Verkäufe anwachsen. Negative Effekte wie der Brexit und Rückgang des englischen Automarkts oder der leichte Rückgang in USA werden durch deutliche positive Impulse in anderen Märkten klar überkompensiert. Doch die Branche und somit auch die IAA stecken in einer Vertrauenskrise.

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Es gibt gute Nachrichten im Vorfeld der IAA – wie die steigende Nachfrage am SUV. Und schlechte Nachrichten: Dieselkrise in Deutschland mit zu erwartenden Fahrverboten, hohem Wertberichtigungsbedarf im Autohandel und bei den Autobanken durch junge Diesel-Gebrauchtwagen. Der weltweite Automarkt wird im aber Jahr 2017 trotzdem ein spürbares Wachstum von 2,6 Prozent hinlegen und auf 85,3 Millionen Pkw-Verkäufe anwachsen. Den größten Einbruch unter den 30 größten Automärkten der Welt erlebt derzeit die Türkei. So sind im ersten Halbjahr 2017 die Pkw-Verkäufe in der Türkei um 10 Prozent auf 305.924 Neuwagen zurückgegangen. Die Autobauer gehen durch eine der größten Vertrauenskrisen. Zur IAA ist das vermengt mit jeder Menge IAA-Absagen von Autobauern.

Tesla kommt nicht zur IAA

Das vermutlich wichtigste Auto des Jahres 2017 – das neue Tesla Model S – steht nicht auf der IAA. Tesla ist ebenso wenig auf der IAA wie Automarken Alfa Romeo, DS, Fiat, Infiniti, Jeep, Maserati, Mitsubishi, Nissan, Peugeot und Volvo. Das Konzept der klassischen Automessen zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen. Regionale Messen, wie die Leipziger AMI, wurden eingestellt. Die Neuigkeiten der IAA wurden von den Herstellern vor der IAA vorgestellt, wie etwa der T-Roc von VW, und stehen fast zeitgleich beim Autohandel. Wochen vor der IAA laufen nicht nur bei YouTube die neuen Modelle in Videos rauf und runter. Es wird Zeit, neue Messekonzepte zu entwickeln bevor es zu spät sein könnte. Während Computer-Messen wie die Gamescom in Köln boomt, machen sich Besucher auf Automessen rar. Eine Chance für die IAA wäre lückenlose Aufklärung gewesen zum Diesel. Warum haben ausgerechnet Premiumhersteller NOx-Abgaswerte im normalen Fahrbetrieb so lange unterschritten? Wie wirken Software-updates bei Euro 6 Diesel? Gibt es Nebenwirkungen, und wenn ja welche? Warum hat das Kraftfahrtbundesamt über Jahre versagt? In Krisenzeiten ist ehrliche und aufrichtige Information das wichtigste Mittel, um Vertrauen zurück zu gewinnen. So wie es aussieht verspielt die IAA diese Chance.

Das Ende des Verbrennungsmotors?

Die Branche steht vor riesigen Veränderungen. Während sich in Deutschland die Berliner Regierungsparteien schwer tun, an das Ende des Verbrennungsmotors zu denken, läuft in anderen Ländern der Umgestaltungsprozess. China, der mit Abstand wichtigste Automarkt der Welt gibt die Schlagzahl vor. In den ersten sieben Monaten wurden in China 251.000 Elektroautos verkauft, davon 204.000 rein batterie-elektrische Fahrzeuge. Bis zum Jahresende rechnet man mit 600.000 Elektroautos. Wird im nächsten Jahr die E-Autoquote von 8 Prozent eingeführt, steigt die Zahl der Elektroauto-Verkäufe in China 2018 auf zwei Millionen Fahrzeuge, im Jahre 2019 auf 2,7 Millionen und 2020 bei dann 12 Prozent Elektroauto-Quote auf 3,4 Millionen Neuwagen als Elektroautos. Das hohe Veränderungstempo spürt man an den Modell-Neuerungen, die etwa der chinesische Autobauer Chery in Frankfurt zeigt. Der größte Elektroautobauer der Welt, BYD mit 227.000 verkauften Elektroautos im ersten Halbjahr 2017 ist allerdings nicht in Frankfurt. Der zweite große Schub zu Elektroautos geht von Tesla mit seinem Model 3 aus. Für 2018 plant Tesla 500.000 Elektroauto-Verkäufe. Nach 47.077 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr 2017 wird die Zahl von 100.000 neuen Tesla Modellen im Jahr 2017 deutlich übertroffen werden.

Die deutschen Autobauer zeigen auf der IAA ihre Elektroautos, die allerdings mit Tesla-Reichweiten vor 2018 nicht zu kaufen sein werden. Und bis der auf der IAA gezeigte BMW 3er als reines Elektroauto und die EQ-Modelle von Mercedes im Markt sind, wird es 2020 werden. Deutschland und die deutschen Autobauer müssen sich sputen, den Anschluss zu halten. Das Festhalten der Spitzenpolitiker bei CDU/CSU und SPD an der konventionellen Antriebstechnik birgt die hohe Gefahr, den Abstand Deutschlands zu der Zukunft der Mobilität größer werden zu lassen.

Deutschland: Abwrack-Marketing erzeugen Zusatzverkäufe

In Deutschland gehen wir durch einen Sonder-Effekt der Umwelt- und Abwrackprämien von 100.000 Zusatzverkäufen aus. Insbesondere der VW-Konzern wird nach unserer Einschätzung durch die hohen Prämien – sprich Rabatte – Verkaufszuwächse gegenüber den letzten Monaten erzielen. Bei Anrechnung der Abwrackprämien für alte Diesel kann etwa der Einstiegs-Golf bei VW zum Preis von weniger als 10.000 Euro – sprich mit einem Rabatt von 44 Prozent gegenüber dem Listenpreis – gekauft werden. Das gab es wirklich noch nie im deutschen Automarkt. Da die Zahl alter Diesel beschränkt ist, bleibt der Sondereffekt für das Jahr 2017 auf etwa 70.000 bis 100.000 zusätzliche Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2017 limitiert. Der Sonder-Effekt ist neu in unserer Prognose und war natürlich in früheren Prognosen nicht vorhanden. Mit Ausnahme einiger kleiner Importeure sind alle Autohersteller im Abwrack-Marketing.

Positive Zahlen in den Märkten Brasilien und Russland

Positiv auf den Weltautomarkt wirken sich auch die Rückkehr von Brasilien und Russland zu wieder steigend Pkw-Verkäufen aus. Russland leidet zwar immer noch und ist noch deutlich von seinen früheren Verkäufen von knapp 3 Millionen Neuwagen des Jahre 2007 entfernt, aber der schmerzliche Abwärtsspirale scheint gebremst. Sollte der Wirtschaftsprozess in Russland weiter in Gang kommen, wird der Markt in den nächsten Jahren wieder auf seinen früheren Wachstumskurs einschwenken. Russland hat ein Potential von 5 Millionen Autoverkäufen – also ganz erhebliches Steigerungspotential über die nächsten 10 Jahre, wenn eben die politische und wirtschaftliche Entwicklung in den richtigen Bahnen verläuft.

Europa fortgesetzt auf Wachstumsspur

 

Eine klare Botschaft zur IAA lautet: Die europäischen Automärke in Europa bleiben auf Wachstumsspur. In West-Europa legen die Südländer weiter zu und bleiben auf dem Erholungsweg nach der Euro-Krise. Deutschland schiebt mit dem Sondereffekt der Abwrackprämien zusätzlich an. Da kann der Rückgang in England gut verdaut werden. Das höchste Wachstumstempo zeigen die neuen EU-Staaten in Ost-Europa. Niedrige Motorisierung und gutes Wirtschaftswachstum wirken wie ein Turbo im Autogeschäft. Daher kann bei den Pkw-Neuzulassungen mit einer Steigerung um mehr als 10 Prozent auf 1,267 Millionen Fahrzeuge gerechnet werden.

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