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Kunden sind wichtiger als Frauen

Das Thema "Mehr Frauen ins Management" wird in fast jeder Agenda diskutiert. Da will auch die Politik nicht zurücktreten. Selbst kleine Regionalkabinette schwingen sich zu großen Forderungen auf.

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So will der Hamburger Senat SPD geführt über den Bundesrat eine Frauenquote für börsennotierte, mitbestimmte Aktiengesellschaften einführen. Zu 40 Prozent soll der Aufsichtsrat mit Frauen besetzt sein. Warum gerade 40 und nicht 50 Prozent erschließt sich ebenso wenig wie die Gründe für eine Frauenquote. Denn letztendlich wären Kunden dort viel wertvoller.

Die Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen ist selbst unter Frauen sehr umstritten. Zudem kenne ich Personen, die einen Aufsichtsrat zu besetzen hatten und aus Überzeugung eine Frau suchten. Sie fanden mit hohem Screeningaufwand einige mit hoher, entsprechender Kompetenz, doch diese lehnten ab. Sie hatten schon andere Aussichts-, Beirats- oder Vorstandverpflichtungen und fühlten sich nicht mehr in der Lage, weitere Mandate zu übernehmen. Dieser Markt ist auch ohne Gesetz zurzeit ein Verkäufermarkt.

Ökonomen nennen die Quote „Beimischungszwang“

Beimischungszwang hat in der Regel mit der Unternehmensleistung wenig zu tun, um die es ja wohl besonders gehen sollte. Jede Quote führt zur Frage nach einer anderen Quote: So kennen wir in den USA an bestimmten Stellen eine Rassenquote. Auch ein Religionsproporz wie bei Parteien ist denkbar, denn der Islam gehört möglicherweise doch zu Deutschland. In Indien sind Kasten quotiert und vielleicht sollten bei gleicher Qualifikation Menschen aus Arbeiterfamilien als Quote in den Aufsichtsrat. Ich dachte, wir hätten das in unserem Staat bereits überwunden.

Die Quote in Aufsichts- und Vorstandsfunktionen ist politisch, nicht wirtschaftlich motiviert. Wobei die Förderung von Frauen und die Diskussion darüber dringend notwendig sind. Der etwas längere Weg über Einsicht, Bekenntnis, verbesserte Strukturen und Hilfen für Mütter und Familien wird sowohl der unternehmerischen als auch der gesellschaftlichen Situation mehr gerecht und als gerechter empfunden werden als eine staatliche Quotierung.

Mitbestimmung als Quote begreifen

Die Unternehmensmitbestimmung ordnet nach dem Mitbestimmungsgesetz für Kapitalgesellschaften die Beteiligung von Mitarbeitern oder deren Vertreter, die Gewerkschaften. Sie haben wie die Kapitalgeber Einfluss auf die Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen. Diese Quotierung hat einen sinnvollen Hintergrund. Man benötigt nämlich für die Leistung eines Unternehmens Mitarbeiter und (!) Kapital.

Wer in Customer Centricity als Unternehmensführungsphilosophie denkt, der wird darauf hinweisen, dass neben diesen beiden Faktoren ein Unternehmen von der richtigen Leistung (siehe aktuell Schlecker) und klaren Marktzugängen (siehe aktuell Opel) abhängig ist. In das Zweigestirn Arbeit und Kapital gehört in die Top-Etagen nicht die Frau, sondern der Kunde. So manche kundenferne Fehlentwicklung könnte verhindert, so manche kundennahe Innovation beschleunigt werden. Das Dreigestirn „Kapital-Mitarbeiter-Kunde“ schlägt sich im globalen Markt perspektivisch gesehen sicherlich am besten.

Zwang wäre kontraproduktiv, vielmehr ist Freiwilligkeit angesagt. Die freiwillige Kunden-Quote hätte Paul Watzlawick – den jeder Marketer mit „Man kann nicht nicht kommunizieren“ auf den Lippen trägt – wahrscheinlich als Lösung II. Ordnung bezeichnet. Ich nenne es „nachhaltige Zukunft“.

Über den Autor: Malte W. Wilkes ist Seniorpartner der Management Consultancy Erfolgsketten Management Wilkes Stange GbR in Hamburg, Redner, Moderator, Diskutant, zigfacher Buchautor, Pionierexperte in Customer Centricity sowie Ehrenpräsident des BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater.

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