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„Kult des Kaufens hat mit Kommerz nichts zu tun“

Strategie Mit weihnachtlichen Umfrageergebnissen, einem Tourismus-Rekord, Weihnachtsgrüßen, die Jahrzehnte zu spät ankamen, und den Gedanken eines Ethnologen zum Zauber des Weihnachtsfestes wünscht die absatzwirtschaft-Redaktion allen Leserinnen und Lesern schöne bis vergnügliche und auf jeden Fall entspannte Feiertage.

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Marktforscher wissen viel über menschliches Verhalten und Empfinden, weil sie immerzu Fragen stellen. Gerade zu Weihnachten: Etwa neun von zehn Deutschen ab 14 Jahren (88 Prozent) werden die Feiertage mit Familie und Freunden verbringen, hat Ipsos herausgefunden. Fast jeder Zweite wird sich dabei Zeit für klassische Gesellschaftsspiele nehmen und außerdem Weihnachtsfilme im Fernsehen anschauen. 35 Prozent der befragten Bundesbürger wollen singen und musizieren. Unter dem Stichwort „Oh du fröhliche Offline-Zeit“ notieren die Ipsos-Forscher außerdem, dass vier von zehn Deutschen ihre Smartphones, Tablets und digitalen Spielgeräte an Weihnachten auszuschalten beabsichtigen. Nur vier Prozent hätten vor, sich über die Feiertage ausgiebig und in Ruhe mit ihren digitalen Endgeräten zu beschäftigen und längere Zeit im Internet zu surfen.

Dem Trubel entfliehen?

Drei von zehn Deutschen würden dem Weihnachtstrubel allerdings am liebsten entfliehen, zeigt die Befragung auch. Hierzu passt eine jüngst veröffentlichte Information der United Nations World Tourism Organization (UNWTO): Im Jahr 2012 sind erstmals eine Milliarde Menschen grenzüberschreitend verreist. Hinzu kommen fünf bis sechs Milliarden Menschen, die in dem Zwölfmonatszeitraum innerhalb ihres Landes Urlaub gemacht haben oder noch unterwegs sind. Ein britischer Tourist in Spanien hat symbolisch die Milliarden-Marke geknackt. Er wurde am 13. Dezember vom Generalsekretär der UNWTO und Spaniens Industrie- und Tourismus-Minister im Madrider Museum Prado begrüßt.

Nicht jeder kann oder möchte über Weihnachten verreisen, auch persönliche Begegnungen gelingen trotz des Doppel-Feiertages nicht in dem Maße, wie es sich der ein oder andere vielleicht wünscht. Also werden Grüße verschickt oder telefonisch geäußert. Auch hierzu startete Ipsos eine Befragung. Sie ergab, dass gut die Hälfte der Deutschen Weihnachtsgrüße persönlich am Telefon oder bei einem Besuch übermittelt. 46 Prozent wünschen per Postkarte ein frohes Fest, 40 Prozent per Brief und 21 Prozent per Paket. Jeder dritte Deutsche versendet zudem E-Mails und jeder vierte weihnachtliche SMS. Männer nutzen dabei die digitalen Medien stärker als Frauen und sind dagegen beim Verschicken von Postkarte, Brief und Paket etwas zurückhaltender.

Gutes Gelingen wünscht man sich auch selbst

Medienberichten zufolge erhielt kürzlich ein Bewohner der hessischen Stadt Mühlheim eine Weihnachtskarte, die ein längst verstorbener Nachbar vor 71 Jahren auf der Kanalinsel Jersey geschrieben hatte. Sie war bestimmt für den Großvater des Empfängers, einen Freund des damals jungen Wehrmachts-Soldaten, der auf Jersey stationiert war. Als Zeichen des Widerstandes gegen die deutschen Besatzer entwendeten Bewohner von Jersey Ende 1941 einen Teil der Feldpost, vernichteten sie aber nicht, sondern bewahrten sie auf. Sieben Jahrzehnte später wurden die Briefe dem Archiv von Jersey übergeben, und hier machten sich Mitarbeiter daran, zusammen mit der Deutschen Post die Adressaten oder ihre Nachfahren ausfindig zu machen.

Welchen Zweck es hat, Weihnachtsgrüße zu übermitteln, erläutert der Ethnologe Thomas Hauschild: „Um gute Laune zu stiften, wünscht man sich gegenseitig das Beste zu Feiertagen, gutes Gelingen. Man wünscht sich das in dem Moment auch für sich selbst, und die Wunschäußerung wird auch meistens schnell vom Nächsten erwidert. Magie wirkt immer am stärksten auf den Magier selbst, der durch seine Zauberkünste Zuversicht gewinnt. Wir wünschen uns Wunscherfüllung, denn Weihnachten werden vor allem Geschenke verteilt, vom Weihnachtsmann persönlich, als Garant des Glücks und des immergleichen immergrünen Festivals der Schenkenden.“

„Es lohnt sich, dieses eigenartige Fest zu erforschen“

Ethnologie beschäftigt sich mit den zunächst unverstandenen Formen menschlicher Lebensführung, Lebensbewältigung und Lebensgestaltung. Hauschild hat sich dem Geheimnis des Weihnachtsmanns angenommen und die Legenden erforscht. Er kennt „die wahre Geschichte“, wie es der Untertitel seines bei S. Fischer in diesem Jahr erschienenen Buches betont. In der Einleitung heißt es weiter: „Weihnachten ist offensichtlich ein Kult des Kaufens und Konsumierens, aber die Gaben und Dienstleistungen werden gegeben, ohne dass man deren Wert und die Gegengabe genau kalkuliert. Das hat mit Kommerz wieder gar nichts zu tun.“ Nach Überzegung des Wissenschaftlers lohnt es sich, dieses eigenartige Fest zu erforschen: „Man lernt dabei die menschliche Gier besser kennen, aber auch Freigiebigkeit, Altruismus, Fanatismus, Materialismus und die Macht der Fantasie. (…) Weihnachtsmann, der Weiße Alte, der chinesische Gabengott des langen Lebens, sie gehören allen Menschen, und der moderne globale Konsumismus macht es uns heute leicht, die Gemeinsamkeiten zu sehen.“

Gestalten Sie das „Festival der Schenkenden“ so glanzvoll oder gemütlich, wie es Ihnen gefällt. Die absatzwirtschaft-Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern wundervolle Weihnachten. (asc)

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