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Konstruktiver Journalismus: Medien-Start-up wirbt um Mitglieder

Journalisten müssen auch Lösungswege aufzeigen, meinen die "Perspective Daily"-Gründer Bernhard Eickenberg, Maren Urner und Han Langeslag (v.l.) © Perspective Daily

Mitte April soll „Perspective Daily“ starten, ein Online-Medium, das nach dem Prinzip des konstruktiven Journalismus lösungsorientierte Beiträge anbieten möchte. Die Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung läuft, auch hat das Gründerteam bekannte Wissenschaftler als Gastautoren gewinnen können

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Dr. Maren Urner, Han Langeslag und Dr. Bernhard Eickenberg sind selbst promovierte Wissenschaftler und Journalisten. Am Redaktionsstandort Münster planen sie „Perspective Daily“ als ein Medien-Angebot für zahlende Mitglieder – ganz ohne Werbung. Statt knapper Nachrichten soll täglich ein Artikel online veröffentlicht werden, der Hintergründe und Zusammenhänge erklärt – auch mithilfe wissenschaftlicher Studien.

„Als langjähriger Beobachter der Medienszene glaube ich, dass das ‚Perspective Daily‘-Team eine echte Marktlücke entdeckt hat“, sagt Medienexperte Thomas Koch über das Vorhaben. Er wird am 9. Februar als Gastredner in Düsseldorf dabei sein, wenn das Gründerteam sein Konzept vorstellt. 17 Informationsveranstaltungen in ganz Deutschland begleiten die Crowdfunding-Kampagne des Medien-Start-ups.

Andere Fragen stellen

Seit Kampagnenstart am 17. Januar hat „Perspective Daily“ mehr als 2.200 Mitglieder gewinnen können. Der Finanzierungsplan sieht jedoch ein Minimum von 12.000 Mitgliedern vor, die bis zum 21. Februar ihren Jahresbeitrag von 42 Euro überwiesen haben müssen. Wird diese Zahl nicht erreicht, erhalten alle „Vorab-Kunden“ ihr Geld zurück.

Warum das Team diese Art der Finanzierung gewählt hat und komplett auf Werbung verzichtet, erklärt der Journalist und Mitgründer Felix Austen: „Die Mitglieder von ‚Perspective Daily‘ müssen sich darauf verlassen können, dass die Redaktion nicht von Sponsoren beeinflusst ist und dass es kein Native Advertising gibt. Nur mit der Mitgliederfinanzierung können wir als Redaktion den Journalismus umsetzen, der uns vorschwebt.“

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Maren Urner bei der Auftaktveranstaltung in Münster. Foto: Bastian Bonse

Was der Redaktion vorschwebt, ist unabhängiger konstruktiver Journalismus. Er grenzt sich dadurch von sensationsorientiertem News-Journalismus ab, dass er andere Fragen stellt. Statt die negativen Punkte herauszustellen und Sündenböcke zu identifizieren, wird Ursachenforschung betrieben. Es werde gefragt, was besser werden könne und wer in der Situation geholfen habe, skizziert Neurowissenschaftlerin Urner das konstruktive Element.

Lösungen diskutieren

Entsprechend werden sich die Redakteure und Gastautoren von „Perspective Daily“ nicht mit Zustandsbeschreibungen begnügen, sondern Lösungen für bestehende Probleme aufzeigen und diskutieren. Die Diskussion ist dabei nicht auf die journalistische Arbeit beschränkt. Nach Veröffentlichung eines Beitrags soll sie weitergehen.

Wer Mitglied ist, gehört zur Community und kann sich beteiligen. „Die Community ist ein ganz wichtiger Bestandteil von ‚Perspective Daily‘“, sagt Austen. Er hofft auf ein sachlicheres und konstruktiveres Diskussionsklima, als er es aus vielen Kommentarspalten kennt. Aus den Diskussionen sollen auch Ideen für weitere Beiträge entstehen. Schon jetzt können Themen auf der Homepage vorgeschlagen werden. Interesse besteht zum Beispiel an „Ungleichheit und Verteilung“, „Kunst und ihre Lebensräume“, „Religion“ oder „industrieller Wandel“, wie die jüngsten Themenvorschläge zeigen.

Prominente Autoren und Unterstützer

Als Gastautoren hat „Perspective Daily bekannte Wissenschaftler gewinnen können, etwa den Professor für Nachhaltigkeit Dr. Christian Berg, den Politikwissenschaftler Dr. Tobias Etzold, den Politikprofessor Dr. Harald Fuhr, den Mediziner und Fernsehmoderator Dr. Eckart von Hirschhausen, die Ethnologin Gitti Müller, den Klimaexperten Dr. Hermann E. Ott, die Journalistin Dr. Ute Scheub, den Islamismus-Experten Dr. Guido Steinberg und den Volkswirt und Soziologen Dr. Fritz Vorholz.

Auch aus dem Showbusiness gibt es prominente Unterstützung: Die Film-Schauspielerin Nora Tschirner hat beim Werbevideo zum Start der Crowdfunding-Kampagne Regie geführt. Auf anderthalb informative Minuten, in denen Urner, Langeslag und Eickenberg die Andersartigkeit ihres Journalismus erläutern, folgt eine satirische Rückblende: Am Tisch sitzen den drei Journalisten zwei Prominente aus der Unterhaltungsbranche gegenüber: Nora Tschirner selbst und Klaas Heufer-Umlauf. Deren branchentypische Kommentare und Ideen wie „happy news, toll“, „ganz, ganz super“, „positive Gefühle, mega“ oder „lasst uns da mit einem Sponsor rangehen“ werden von dem „Perspective Daily“-Trio recht nüchtern korrigiert.

Etwa sechs Minuten lang gehen oberflächliche Begeisterung und freundliche Klarstellung hin und her, bis Tschirner und Heufer-Umlauf nach Gähn-Attacken und immer längeren Schweigepausen mit starren Gesichtern feststellen, dass es für die Crowdfunding-Kampagne wirklich kein Testimonial-Budget gibt. Protagonisten sind die drei Wissenschaftler selbst, von denen einer am Ende in einem Ganzkörper-Gehirnkostüm steckt.

„Hier geht es um das Bekenntnis zu einer Idee, die mir so sinnvoll erscheint, dass ich kein Geld brauche, um überzeugt zu werden und zu überzeugen. Im Kern ist es Mundpropaganda, die einzige Form der Werbung, die ich ernst nehmen kann“, sagt Nora Tschirner über ihre Motivation, Teil des „Perspective Daily“-Teams zu sein.

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