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Journalisten sollten ihre Rolle im Internetzeitalter neu definieren

Der Journalismus erlebt gegenwärtig eine so spannende Zeit, wie es sie seit der Phase nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. In der heutigen digitalen Informationsgesellschaft hat er eine Chance, sich neu zu erfinden. Mit dieser Einschätzung appellierte Wolfgang Blau, Chefredakteur der „Zeit Online", an die Generalversammlung des Verbandes Österreichischer Zeitungen.

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Um sich den neuen Herausforderungen, die durch die Medienrevolution der vergangenen Jahre entstanden sind, erfolgreich stellen zu können, müssten Zeitungen ihr eigenes Verständnis komplett überdenken. „Es nützt nichts, in Anbetracht der Leserabwanderung ins Internet und des einbrechenden Anzeigengeschäftes, den Kopf in den Sand zu stecken. Was die Branche braucht, ist Mut zu kreativen Ideen und neuen Geschäftsmodellen“, zeigt sich Blau überzeugt. Seiner Meinung nach verfügen mittlerweile zwar alle großen Zeitungshäuser über einen eigenen Online-Auftritt, doch unterscheide sich das, was Lesern auf den Webseiten geboten werde zum großen Teil kaum von dem, was in den Printprodukten zu finden sei. „Es reicht nicht, wenn Journalisten lediglich auf die Verbesserung ihrer Multimedia-Fähigkeiten setzen. Sie müssen ihre Rolle im Internetzeitalter gänzlich neu definieren und so dazu beitragen, dass eine genuine, neue Form des Online-Journalismus entstehen kann“, forderte Blau. Bislang sei eine derartige Entwicklung erst in einigen ersten Ansätzen zu erkennen.

Das größte ungenutze Potenzial sieht Blau, der 1999 für „Die Welt“ das erste Online-Audioportal einer europäischen Tageszeitung entwickelt und produziert hat, vor allem in Bezug auf die Interaktion mit der eigenen Leserschaft. Beispielsweise habe das Internet eine Vielzahl neuer Möglichkeiten der Leserbindung für Zeitungen hervorgebracht. Eine wesentliche Bedeutung komme in diesem Zusammenhang der Etablierung einer eigenen „Community“ zu, da diese den direkten Austausch zwischen Lesern und Redaktion ermögliche.

Für das Online-Portal der „Zeit“ gilt laut Blau: „Unsere Community ist ein zentraler Bestandteil unseres Web-Engagements. Mitglieder können dort gemeinsam mit uns aktuelle Nachrichtenthemen diskutieren oder ihre selbst verfassten Beiträge auf unserer Seite veröffentlichen.“ Eine weitere Möglichkeit, das Interesse der Leser wecken zu können, sei eine spannendere Aufbereitung der Nachrichteninhalte. So könnten Nutzer durch die Verwendung von interaktiven Elementen wie etwa Schiebereglern bei Info-Grafiken tiefer in die behandelten Themen eintauchen. Auf diese Weise entstünde eine neue Form der Lesereinbindung, wie sie in einem Printmedium gar nicht möglich wäre. Was die inhaltliche Positionierung betrifft, orte Blau vor allem in einer zunehmenden Spezialisierung eine Chance für Online-Medien: „Es wird nichts bringen, im Web auf die breite Masse zu setzen. Im Internet wird Spezialisierung belohnt. Auch in einer verstärkten regionalen und fachlichen Kompetenz liegt noch eine große Zukunftschance.“ pte

www.zeit.de

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