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Ingvar Kamprads Ikea – Die psychologischen Hintergründe des Erfolgs

Dirk Ziems

Er schenkte der Welt den doppelt geschwungenen Inbus-Schlüssel, das Billy-Regal (weiß, schwarzbraun, braun Eschenfurnier) und Köttböllar mit Preiselbeeren. Kein Nachruf zum Tode von Ingvar Kamprad, der nicht genüsslich die Dinge aufzählt, die unsere Wohnstuben erobert und die sich tief in unser Bewusstsein eingegraben haben. Etwas kurz kommen hingegen die psychologischen Mechanismen, die dem unglaublichen Erfolg des Möbelhauses IKEA zu Grunde liegen.

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Das Kamprad zu einer der beeindruckend Unternehmerfiguren für das Endkonsumentengeschäft werden konnte, vergleichbar allenfalls mit den Albrecht-Brüdern und ihren Discount-Märkten, liegt daran, dass er mit seinen Möbelhäusern die Gesetze einer ganzen Branche neu geschrieben hat. Vor Ikea war der Kauf eines Möbelstücks eine Konsumentscheidung für Jahrzehnte, erworben wurden Stücke, die Spezialisten für die Ewigkeit konstruiert hatten. Logischerweise erforderte die Kaufentscheidung eine intensive Beratung durch einen Fachmann. Bis das gute Stück dann zu Hause angeliefert wurde, konnten durchaus Monate vergehen.

Und dann kam Ikea

Sämtliche Möbel waren im Selbstbedienungslager sofort verfügbar, selbst sperrige Teile wie Sofas konnten, in mehrere Kartons verpackt, direkt mit nach Hause genommen werden und dort mit geringsten Mengen von Werkzeugen – allen voran der Inbus-Schlüssel – selbst zusammengebaut werden. Was man dann hatte, war nicht mehr unbedingt für ein ganzes Leben bestimmt, sondern für eine kurze Phase darin.

Die wichtigste Phase, diejenige, die nunmehr schon mehrere Generationen in die Möbelhäuser getrieben hat, war die des Flügge-Werdens. IKEA war der Freund der jungen Menschen und stand für den Aufbruch der Jugend, die die Spießigkeit des Elternhauses hinter sich lassen wollte. In Deutschland ist die Möbelhaus-Kette gewissermaßen der Einrichter der 68-er-Generation geworden – von Menschen, die den Gelsenkirchener Barock des Elternhauses hinter sich lassen wollten und die einen ganz anderen, weniger fremdbestimmten Lebensentwurf hatten: Du kannst dir dein Leben selbst zusammenbauen – und, wenn nötig, auch wieder demontieren.

Zusätzlich kann IKEA auch für sich reklamieren, Design demokratisiert zu haben. Diese Altruismus-Gefühle – Ikea ist dein Freund und sorgt dafür, dass auch du schöne Möbel haben kannst – sind ein wesentlicher Teil des Markenkerns.

Vierter Erfolgsfaktor schließlich ist die Fokussierung des Möbelhauses auf das Thema Familie. Für viele Eltern mit Kindern ersetzt der Besuch eines Möbelhauses den eines Freizeitparks – geboten werden den Kleinen fantastische (Wohn-)Welten, zahllose Möglichkeiten, Dinge anzufassen und auszuprobieren sowie familiengerechte und preiswerte Möglichkeiten der Verköstigung.

Möbelstücke werden zum Wegwerfartikel

Dieses verklärende Image ist insgesamt so stark, dass es alle Kehrseiten dieses Erfolgs überstrahlt. Und Kehrseiten gibt es einige, sie alle sind auch in der öffentlichen Diskussion benannt, aber können dem Markenkern offenbar nichts anhaben. Weder die Tatsache, dass Möbel zu einem – überspitzt gesagt – Wegwerfartikel geworden sind, noch die Tatsache, dass viele der IKEA-Designs zumindest in die Nähe von Raubkopien zu rücken sind, und auch nicht der Umstand, dass das Unternehmen in Sachen Steuervermeidung selbst Amazon wie einen Wohltätigkeitsverein aussehen lässt. Do sei die Prognose gewagt: Auch unsere Kinder und Enkel werden sich noch in den blauen Einrichtungspalästen tummeln, die Comic-artigen Bauanleitungen durchblättern und voller Tatendrang zum Inbus-Schlüssel greifen.

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