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ING-Diba übernimmt Online-Kreditmarktplatz Lendico: „Durch die Kooperation mit Fintechs fördern wir innovative Ideen”

Am Wochenende kursierte bereits die ersten Gerüchte darüber, dass die ING-Diba ins Fintech-Geschäft einsteigen will. Jetzt ist es offiziell: Die Direktbank gibt bekannt, dass sie den Berliner Online-Kreditmarktplatz Lendico kaufen will. Wir haben die ING-Diba zu den Hintergründen der geplanten Übernahme gefragt.

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Vor fünf Jahren wollte es die Onlinefirmen-Schmiede Rocket Internet der traditionellen Bankenbranche zeigen und gründete Lendico – eine Plattform zur Vermittlung von Krediten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Selbsterklärtes Ziel des Fintechs ist die digitale Revolution im Finanzmarkt – es bringt Anleger direkt mit Kreditnehmern in Kontakt und bietet damit eine digitale Alternative zur Kreditbank. Verbraucherkredite spielen in dem Geschäftsmodell von Lendico keine Rolle. Warum ist nun gerade dieser Fokus für die ING-Diba interessant? „Wir sehen in dem Bereich ‚digital KMU‘ sehr hohes Wachstumspotenzial. Mit Lendico gehen wir den ersten Schritt, um dieses neue Segment und die entsprechend neue Zielgruppe der kleinen und mittleren Unternehmen zu erobern“, erklärt Pressesprecherin Zsofia Köhler. Lendico passe mit seinem digitalen, sehr effizientem Geschäftsmodell „hervorragend zu der Unternehmensstrategie der ING-DiBa“.

Die ING-Diba hat ihre Kaufabsicht bereits dem Bundeskartellamt zur Prüfung gemeldet.

„Fintechnisiert“ die ING-Diba ihr Geschäftsmodell?

Wie stark die ING-Diba an Fintechs interessiert ist, zeigen auch die Kooperation mit dem Robo-Advisor Scalable sowie dem digitalen Versicherungsmakler Clark. „Wir sehen Kooperationen mit Fintechs als Chance, unseren Kunden noch bessere Services und Produkte zu bieten. Zudem spielt das Thema ‚Innovation und Schnelligkeit’ für uns eine große Rolle: Durch die Kooperation mit Fintechs fördern wir zum einen innovative Ideen und bringen diese zum anderen schneller zur Marktreife“, sagt Köhler.

Ein schlechter Deal?

Verwunderlich ist die geplante Übernahme allerdings, weil Lendico in den letzten Jahren ziemlich schwächelte. So geht aus dem Geschäftsbericht von Rocket Internet laut einer Analyse von Finanz-Szene.de hervor, dass die Samwer-Brüder und Gründer des Fintechs 2016 eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro auf Lendico vornehmen musste. Zudem sei das Neugeschäft in Spanien, Polen und Südafrika eingestellt und maximal zwei Kredite täglich vermittelt worden. Keine gute Bilanz. Warum übernimmt die ING-Diba Lendico dann trotzdem? Konkret äußert sich Köhler zu dieser Frage nicht. Es liegt jedoch nahe, dass die Bank weniger an den harten Geschäftszahlen des Fintechs, als vielmehr an der dahintersteckenden Technologie interessiert ist. Die ist nämlich komplett ausgereift und die ING-Diba spart sich damit eigene Kapazitäten, um eine solche Technologie selbst zu entwickeln.

Die ING-DiBa hat über neun Millionen Kunden. Die Kerngeschäftsfelder im Privatkundengeschäft sind Baufinanzierungen, Girokonten, Spargelder, Verbraucherkredite und das Wertpapiergeschäft. Im Segment Wholesale Banking ist das Unternehmenskundengeschäft der Bank zusammengefasst.

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