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„Ich bin dann mal weg“: In manchen Firmen kann der Arbeitnehmer selbst bestimmen, wie viel Urlaub er braucht. Funktioniert das?

© Photo by Jakob Owens on Unsplash

Sie hätten gerne 32 Tage Urlaub, aber haben in Ihrem Vertrag zur 26 stehen? Dann arbeiten Sie wohl im falschen Unternehmen. Denn einige Firmen experimentieren mit dem Konzept des unbegrenzten Urlaubs. Es soll zu einem Aufbrechen von starren Strukturen führen und die Urlaubsplanung weniger kompliziert machen. Kann es funktionieren, wenn Mitarbeiter in Abstimmung mit Kollegen ihren Urlaubsumfang selbst bestimmen und flexibel auf die private Situation anpassen können?

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Unbegrenzter Urlaub? An der Frage scheiden sich die Geister. Knapp über die Hälfte der befragten Teilnehmer, die im Rahmen einer Studie vom Marktforschungsinstitut marketagent.com und Xing befragt wurden glauben, dass die Selbstbestimmung der Urlaubstage funktionieren würde. Immer mehr Arbeitgebern bieten ihren Mitarbeitern an, selbst zu bestimmen, wie viel Urlaub sie brauchen. Und anscheinend funktioniert das Konzept.

Vor allem jüngere Berufstätige befürworten das Modell des unbegrenzten Urlaubs. So scheint es kaum verwunderlich, dass sie sich auch mehr Urlaubstage wünschen als ihre älteren Kollegen. Mit durchschnittlich 34,2 Urlaubstagen würden sich die 18-24-Jährigen rund vier freie Tage mehr als die 60-65-Jährigen nehmen. Es treten keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf. Auch Arbeitnehmer in Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern wünschen sich mit 30,3 Urlaubstagen rund vier Tage weniger als Arbeitnehmer in großen Unternehmen, die mehr als 10.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Es gibt auch Skeptiker

Doch nicht alle sind dem Thema gegenüber so positiv eingestellt: Ältere Generationen betrachten das Modell kritischer als jüngere. Unter den 40-65-Jährigen sind 13 Prozent ausgeprägte Skeptiker, unter den 18-39-Jährigen nur 9 Prozent.

Julian Draxler, Talent Manager bei elbdudler GmbH redet im Report davon, dass in seinem Unternehmen kein festes Kontingent an Urlaubstagen besteht: „Jeder kann so viel Urlaub nehmen, wie er möchte. Angenommen, man macht in einem Jahr die längere Reise, die man schon immer machen wollte und kann dadurch die Weihnachtszeit nicht mehr bei Familie oder Freunden in der Heimat verbringen, weil einem zwei Tage Urlaub dafür fehlen, dann finden wir das sinnlos. Genau so andersrum. Beispiel: Ich habe letztes Jahr meinen Urlaub nicht ganz aufgebraucht, fühle mich dennoch erholt und gut. Warum sollte ich dann meinen Resturlaub einfach abbummeln? Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass hier jeder 60 Tage Urlaub im Jahr nimmt. Wir liegen im Schnitt etwa bei 30 Tagen.“

Steht die gewünschte Anzahl an Urlaubstagen mit dem Einkommen der Arbeitnehmer in Verbindung? Laut Studie: ja! Vielverdiener wünschen sich rund vier Tage mehr Urlaub als Geringverdiener. Dabei spielen vermutlich auch die finanziellen Möglichkeiten eine Rolle, auch etwas mit dem Urlaub anfangen zu können.

Jens Niehl, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht hat dazu eine klare Meinung: „Der sogenannte Vertrauensurlaub ist nur schwierig mit den rechtlichen Rahmenbedingungen vereinbar. Wer fünf Tage die Woche arbeitet, hat einen Mindestanspruch von 20 Urlaubstagen im Kalenderjahr. Davon darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer abgewichen werden. Vertrauensurlaub führt mit Sicherheit dazu, dass einzelne Arbeitnehmer weniger als ihren gesetzlichen Mindesturlaub einreichen. Dafür wird es verschiedene Gründe geben: sei es, weil Arbeitnehmer ein schlechtes Gewissen fürchten, der Konkurrenzdruck zu groß ist oder Arbeitnehmer schlicht Angst vor dem Chef haben. Die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zwingenden gesetzlichen Regelungen sollen den Arbeitnehmer aber gerade davor schützen, dass – egal aus welchen Gründen – zu wenig Urlaub gewährt wird.“

Sabbatical wird selten beantragt

In Sachen Sabbatical sieht es in Deutschland weniger optimistisch aus. Zwar haben rund 11 Prozent der Deutschen schon einmal eine längere Auszeit genommen, für ein Viertel aller Befragten besteht jedoch der Wunsch nach einer längeren Auszeit. So stehen ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer einer längeren Auszeit positiv gegenüber, doch viele trauen sich nicht, diese Option auch beim Arbeitgeber anzusprechen. Dies könnte aber auch dadurch begründet sein, dass die Hälfte aller Sabbatical-Anfragen der Teilnehmer abgelehnt und ein Drittel der Anfragen lediglich mit Einschränkungen genehmigt wurden. Eine längere Auszeit kommt nicht für alle in Frage: Die Mehrheit der befragten Teilnehmer hat sich bisher noch keine längere Auszeit genommen oder ist sogar gar nicht daran interessiert.

Zur Studie: Zusammen mit dem Marktforschungsinstitut marketagent.com ist Xing im Rahmen der alljährlichen Studie „Kompass Neue Arbeitswelt“ den Wünschen und Einstellungen deutscher Angestellter gegenüber der schönsten Zeit des Jahres nachgegangen. Für den Xing Urlaubsreport unter dem Titel „Urlaub ohne Ende“ wurden 1.015 deutsche Arbeitnehmer repräsentativ von marketagent.com im ersten Quartal 2018 befragt.

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