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IBM-Cheftechnologe setzt auf Amazon, Google und den BVB

Als Querdenker trägt IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck im weltgrößten IT-Konzern den Spitznamen „Wild Duck“. Tatsächlich erweist sich der ehemalige Mathematikprofessor im Exklusiv-Interview als Gesprächspartner mit ungewöhnlichen Ein- und Ansichten. Dabei geht es ganz und gar nicht nur um Technologien, sondern auch um Wandel und Beständigkeit, um Management und neue Jobs, um zu frühe und gescheiterte Ideen und die Deutsche Meisterschaft.

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Wie stärken Unternehmen ihre Innovationskraft? Wie managt man diesen Prozess erfolgreich? Welche Technologien eröffnen die größten Zukunftschancen? Dieser nette Professor mit seinen verrückten Ideen müsste es doch genau wissen, denkt man – und täuscht sich nicht. Immerhin ist Gunter Dueck nicht nur „Chief Technology Officer“ im IT-Giganten IBM, sondern auch Autor von Wirtschaftsbuch-Bestsellern und satirisch-philosophischen Ratgebern wie „Aufbrechen!“ und sogar einem Vampir-Roman.

„Gute Abläufe und Geld ersetzen keinen Willen zum Aufbruch“, kündigt Gunter Dueck seinen Auftritt als Keynote-Speaker beim Trendgipfel am 11. und 12. April in Bonn schon vorab provokant an. Und weil er sich bei aller Wichtigkeit des Themas ein Augenzwinkern nicht verkneifen kann, betitelt er seinen Vortrag zum diesjährigen Zukunftsforum für Entscheider auch noch süffisant „Der Prozess ist der Innovation ihr Tod.“ Das kann ja heiter werden … Das Exklusiv-Interview für absatzwirtschaft wird es jedenfalls trotz aller Ernsthaftigkeit. Schließlich geht es auch ums Scheitern von guten Einfällen. „Ich selbst hatte auch manch schöne Idee!“, erinnert sich der IBM-Cheftechnologe und grinst. „Eine der grandios gescheiterten: Ich wollte Ende der 90er-Jahre die ganze Welt in 3D abfotografieren lassen, die man dann mit einem fotografisch ähnlichen Avatar durchwandern kann. Ich wollte noch Extremeres als StreetView von Google heute. Das fanden Kollegen doof.“ Die Patentabteilung habe seinen Vorschlag sogar als „völlig unrealistisch“ abgetan. „Tja, jetzt ist Google dabei!“, darf sich Dueck heute freuen und bestätigt sehen: „Ich habe gelernt, dass eine Idee nicht zu früh kommen darf, und ich habe auch die Arbeit dahinter unterschätzt. Die sehen Sie ja jetzt bei Google: Wer zu früh kommt, den bestraft der Markt.“

Genial Verschmähtes trägt der Technologiestratege also mit Humor. Genauso gut geißelt der Kulturwandler aber gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Dabei müsste man doch meinen, die Menschheit entwickle sich stets zum Positiven weiter. Wenn sie intelligent agiert. Also betätigt sich Dueck als Warner, wenn er Begriffe wie „Lean Brain Management“ kreiert, die Verdummung von Menschen diagnostiziert oder die „Callcenterisierung“ im Kundenservice als nervtötendes Instrument entlarvt. Ist der Vordenker etwa ein Schwarzseher? „Nein. Ich warne nur vor Zuständen, die trotzdem leider eintreten“, sagt er und beklagt: „Die Zeichen der Zeit will man nicht erkennen oder reagiert nicht darauf. Die jetzt mühsame Diskussion über Mindestlöhne hätten wir uns beispielsweise ersparen können, denn die Entwicklung war abzusehen.“

Wie die Mähdrescher die Landarbeiter verdrängt hätten, so automatisiere das Internet viele Arbeitsplätze. Das Medium schaffe aber auch neue, und er ruft deshalb schon länger dazu auf: „Schafft die neuen Arbeitsplätze! Gründet Googles und Amazons! Erklärt Deutschland zum Land der Nano-, Bio-, Gen-, Medizin-, Solar-, Oberflächen-, Usw-Technologie!“ Nur vergehe die Zeit ungenutzt, was ihm „leid und weh“ tut. Er fühle sich mitunter wie der Prophet im eigenen Land. Deshalb habe er die warnende Satire „Lean Brain Management“ geschrieben, was wenigstens „ein bisschen wirkte“. Schließlich wurde sein Titel zum Managementbuch 2006 gewählt und dann breit diskutiert.

Freiwilligkeit setzt nach seiner Ansicht das kreative Potenzial übrigens am besten frei: ob in der Innovationsentwicklung im Unternehmen oder in der Leistungsfähigkeit des Profisports. So hat er auf den Fußball übertragen einst trotz eines klaren Vorsprungs von Schalke 04 in der Tabelle wegen des zu hohen Erwartungsdrucks prognostiziert: „Schalke kann deshalb nicht Meister werden. Nur Bayern kann gewinnen müssen.“ (Letztgenanntes gelte überdies auch für IBM!) Wagt der bekennende Bayern-Fan die (damals eingetretene) Prognose zur Verdammnis des Siegenmüssens auch mit Blick auf den Ausgang der laufenden Saison für Borussia Dortmund? „Nein. Damals meinte ich, dass Schalke den Druck des eigenen Publikums nicht erträgt, weil die Fans unbedingt den Meistertitel wollten“, relativiert er als Motivationsexperte: „Aber das ist beim BVB ja nicht so extrem der Fall. Und Borussia ist zu weit weg.“

Mehr über den ungewöhnlichen Denker und IBM-Cheftechnologen Prof. Dr. Gunter Dueck lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der absatzwirtschaft, Nr. 4-2011.

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