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Hologram-Videos: Der fliegende Porsche

Eigentlich nichts Neues: Trotzdem nutzen Unternehmen zurzeit vermehrt Hologram-Videos

Porsche zeigt in der April-Ausgabe der Zeitschrift "Fast Company" eine Anzeigenstrecke, deren digitale Verlängerung ein Hologramm über den Smartphone-Bildschirm zaubert. Cool, dachte sich der Tech-Journalist, zeigte die Innovation seinen halbwüchsigen Söhnen und erntete nur Gähnen. Ein Kommentar

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Ein Kommentar von

Wenn die AdWeek „pretty cool“ zu einer Anzeige eines deutschen Unternehmens schreibt und sie zur Werbung des Tages kürt. Und wenn tags darauf die WUV daraus ableitet, dass es einer Onlinewerbung auf diesem Weg gelingen kann, Print wieder relevant zu machen, dann zögert der geneigte Tech-Redakteur – der für die absatzwirtschaft vor allem mit Innovationsthemen beschäftigt ist – nicht lange, er klickt, schaut, schätzt ein, und das Debakel nimmt seinen Lauf.

Der neueste Schrei? Hologram-Videos

Die Anzeige kommt von Porsche beziehungsweise deren US-Agentur Cramer-Krasselt. Beworben wird der neue 911er und die technische Innovation, die der Anzeige zu diesen Lorbeeren verholfen hat, ist ein Hologramm. Es wird sichtbar, wenn man einen Trichter aus durchsichtigem Material auf der Mattscheibe des Smartphones oder Tablets platziert, dann das Video auf thenew911.com startet, das Licht abdunkelt und sich vor dem Schreibtisch so hinkniet, dass das Display des liegenden Handys mit den Augen des Betrachters eine horizontale Achse bildet. Es erscheint der alte 911er, Bauteile und Details, und dann startet eine Reise durch die Geschichte der Modelle bis hin zum neuesten. Nur der 911er kann den 911er schlagen, lautet der Claim, der von sonorer Stimme zu hymnischer Musik vorgetragen wird.

Plexiglas-Version selber bauen

Das alles weiß ich, weil ich es tatsächlich getan habe. An eine Fast Company wäre ich so schnell nicht ran gekommen. Da waren 50 000 Plexiglas-Prismen zum Zusammenbauen drin. Auf eine der 100 000 bestellbaren Premiumversionen aus Glas wollte ich nicht warten, also schmiss ich Google an und siehe da: Es gibt eine wunderbare Bastelanleitung für das Do-it-Yourself-Prisma, zurechtgeschnitten aus dem Deckel einer CD-Hülle und mit Tesa fixiert (Update: Es gibt zig solcher Anleitungen).

Ich beschloss, das als Vater-Sohn-Projekt mit meinem 13-Jährigen zu realisieren. Abends, nach getaner Arbeit und Sport. Ich versprach mir nicht nur die kostbare Interaktion mit dem Nachwuchs nebst handwerklicher Grundausbildung, sondern ich wollte auch ein bisschen von dem Porsche-Glamour-Faktor abbekommen. „Der Alte kennt schon verdammt cooles Zeug“, lautete in etwa mein Kalkül.

Kolibri schlägt Porsche

Und ich habe die Rechnung ohne die Generation Z gemacht. Die schöne Idee mit dem gemeinsamen Basteln fiel einer Minecraft-Session zum Opfer. Irgendwas daran scheint cooler zu sein, als mit Papa CD-Hüllen zu zerschneiden. Ich machte mich also allein an die Arbeit, komplettierte das zugegeben nicht besonders herausfordernde Werk in zehn Minuten, dunkelte das Licht ab und orderte den Nachwuchs ins Wohnzimmer. Widerwillig tastete er sich im Dunkeln vor und starrte irritiert auf unser iPad. Im Prisma erschienen irgendwelche Mikrolichtblitze ohne erkennbaren Inhalt. „Das Prisma ist zu klein, nimm Dein Smartphone“, sprach der 13jährige Digitalguru

Gesagt getan: Auf dem Smartphone erschien das Video und über dem Display waberte das Hologramm. Nach wenigen Sekunden gähnte der Sohn vernehmlich. „Das ist nicht besonders cool, aber kennst Du den Kolibri“? Ich sackte frustriert zusammen, während mein Besserwisser flink eine URL eintippte. Und tatsächlich erhob sich ein Vögelchen aus dem Display und danach eine fluoreszierende Qualle, die im Dunkeln besonders schick zur Geltung kam.

„Wo ist das her“, waren die kraftlosen Worte, die über meine Lippen kamen. „Youtube“ lautete die lapidare Antwort, „da gibt es jede Menge davon, auch richtig lustiges Zeug“. „Und woher weißt Du das?“ „Ich habe so ein Ding schon letzte Herbstferien gebastelt“. „Und warum weiß ich davon nichts?“ „Da warst Du glaube ich auf irgendeiner Digital-Dings-Konferenz in Köln.“ Sprach’s und trollte sich, um – tatsächlich – noch ein paar Seiten in seinem spannenden Buch zu lesen.

Als kurz darauf die Türschlüssel klimperten und die beste Verlobte von allen die gemeinsame Wohnung betrat, erwachten neue Lebensgeister in meiner geschundenen Seele. Ich witterte die ultimative Coolness-Chance. Ich schlich vor der Angebeteten ins Bett, löschte das Licht, schlug die Bettdecke zur Seite, platzierte Smartphone nebst Prisma auf dem Laken und wartete. Als das Flurlicht erlosch, startete ich das Video. Meine Verlobte betrat das Schlafgemach, zögerte kurz irritiert und fokussierte dann das kleine Porschebildchen über dem Bettlaken. „Das ist aber hübsch“. Ich atmete tief durch. „Aber kennst Du eigentlich den Kolibri?“

Und was sagt uns das?

1. Innovation wird im Zeitalter von Social Media immer schwieriger.

2. Das älteste Hologramm-Video auf YouTube ist zwei Jahre alt.

3. Plexiglas wird Printwerbung auch nicht retten.

4. Porsche hat mit der Anzeige in drei Tagen vier Tweets bekommen, die den offiziellen Hashtag „#everahead“ tragen.

5. Wer mit Jugendlichen basteln will, sollte vorher den Router abschalten.

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