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„Gut“ bedeutet billig: Bäckermeister führt Lidl-Kampagne vor

© Achtung Satire: Ein Bäckermeister bewirbt sich bei Lidl um eine Stelle. "Ab dem Zeitpunkt, an dem Ihre Werbekampagne mehr als 50% unserer jetzigen Kundschaft überzeugt hat, stehe ich Ihrem Unternehmen zu Verfügung."

Mit der groß angelegten Imagekampagne und dem Claim "Gute Qualität erkennt man an guter Qualität" hat Lidl die Kritik von Werbern und Marketingfachleuten auf sich gezogen. Nun meldet sich auch ein Bäckermeister zu Wort: In einer satirischen Initiativbewerbung bringt er die Schwachpunkte der Kampagne humorvoll auf den Punkt.

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Unter Beschuss geraten ist die Qualitätsoffensive unter anderem wegen des Claims der Kampagne: „Gute Qualität erkennt man an guter Qualität“. Experten monieren, Lidl schaffe damit eine zu große Lücke zwischen Markenversprechen und Wirklichkeit am Point-of-Sale. „Wenn ‚gut‘ das neue Markenversprechen von Lidl werden soll, wäre es vielleicht ratsamer gewesen, am PoS, beim Sortiment usw. anzufangen. So sehen wir einen Spot, der mit mächtigen Bildern eine Botschaft vermittelt, die nicht als authentisch wahrgenommen werden kann“, sagte beispielsweise Jan Weller von Red Pepper gegenüber Horizont.

Lidl: „Gutes“ Brot = „guter“ Preis

Auch eine Bäckerei aus dem sächsischen Landkreis Bautzen scheint das neue Motto der Supermarktkette nicht ganz ernst zu nehmen. Da seine eigenen Qualitätskriterien im Angesicht des neuen Maßstabs der Supermarktkette bald nicht mehr ausreichen würden, schreibt Bäckermeister Stefan Richter in einer satirischen Initiativbewerbung: „Ab dem Zeitpunkt, an dem Ihre Werbekampagne „Was ist ein gutes Lebensmittel?“ mehr als 50% unserer jetzigen Kundschaft überzeugt hat, stehe ich Ihrem Unternehmen zur Verfügung.“

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Mit einer gesunden Portion Sarkasmus verhöhnt er diese neuen Qualitätskriterien dann auch: Qualität so stellt er fest, sei scheinbar von einem „guten Preis“ bestimmt. Darauf aufmerksam geworden sei er, Richter, durch eine Kundenäußerung, dass „gutes Brot“ nun einmal nichts mit handwerklicher Expertise, einer aufwendigen Sauerteigführung und dem damit möglichen Verzicht auf Enzyme und weitere nicht-deklarationspflichtige Zusatzstoffe zu tun habe, schreibt er weiter. „Sondern einzig und allein an der Sortimentsbreite, an Labortests und am „guten“ Preis zu erkennen sei“.

Ein guter Preis, so der Bäckermeister, sei laut Kundeninformation aber sicher keiner, der unter anderem den Lohn einer teuren Bäckerei-Fachverkäuferin decken müsse. Der Kunde informiere sich außerdem von nun an bei Lidl.de und wisse Bescheid, dass industrielle Produktion nicht nur sicherer sei, sondern durch Kostenersparnis auch zu besserem Brot führe.

Lidl-Kampagne ist inhaltslos und austauschbar

Der Bäckermeister reiht sich dabei auf humorvolle Art und Weise in die lange Liste der Kritiker der neuen Imagekampagne von Lidl ein.

Experten kritisieren vor allem die Austauschbarkeit der gewählten Bilder. Anschaulich macht dieses Argument die Agentur Grey Berlin: In ihrem „Vignetten-Roulette“ können Nutzer die Bilder und Audio-Texte der Werbespots von Warsteiner, C&A und Co. beliebig miteinander kombinieren – inhaltlich bleiben sie doch die gleichen. Mit seiner Imagekampagne ist nun auch Lidl im Warbespot-Roulette vertreten.

Lidl startete am 20. Februar bundesweit mit der angekündigten Qualitätsoffensive. In mehreren Video- und TV-Spots verarbeitet der Discounter dabei den Claim „Gute Qualität erkennt man an guter Qualität“. Begleitet werden die Spots von Plakaten, Anzeigen, PoS-Materialien und einem Kundenmagazin, die auch auf die neue Online-Plattform hinweisen. Die verantwortliche Agentur ist “Freunde des Hauses”.

Die Supermarktkette will damit sein Billig-Image ablegen und künftig statt mit Aldi und Co. in Konkurrenz zu Mitstreitern wie Rewe und Edeka treten.

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Kommentare

  1. Alle Beteiligten bringen es auf den Punkt. Es hilft nichts, sich selber in der Außenwahrnehmung als gut oder qualitätsorientiert darzustellen, wenn das Versprechen am PoS in sich zusammenfällt. Der Gedanke der Kampagne macht für LIDL an sich Sinn, um sich von ALDI, Netto und Penny abzusetzen und gleichzeitig Edeka und Rewe anzugreifen. Jedoch greift der Mechanismus nicht, da er nicht aus Kundensicht zu Ende gedacht wurde. Wenn LIDL „Gutes“ verkaufen will, dann wäre als erster Schritt das Sortiment dran gewesen. Hier könnte man die Kunden überzeugen, dass es nicht nur um Werbe-Blabla geht. Doch LIDL verkauft nach wievor die gleichen Artikel. Nur ein Beispiel: Ein Joghurtgetränk mit mehr als 50 Gramm Zucker kann für meine Körper nicht gut sein. Ergo, kann LIDL nicht für mich gut sein.

  2. Diese „Lidl“-Werbung sagt doch gar nichts aus!!!!
    Was ist gut?????
    Wenn Kunden was vorgekaukelt wird oder was?
    Ich finde, vor allem bei der Lebensmittelerzeugung und Werbung, müssen genau dieselben strengen Richtlinien gelten wie z.b. für Nahrungsergänzung. Die Aussagen müssen 100%ig stimmen, die Inhaltsstoffe „alle“ angegeben werden, d.h.was drin ist, muss drauf stehen!, auch die kleinsten Mengen!( für Allergiker besonders wichtig!), die Unbedenklichkeit durch Studien belegt.
    Es darf bei der Lebensmittelerzeugung und -Werbung nicht um einen Werbegag gehen, denn es geht um die Gesundheit der Menschen – ist das eigentlich jedem klar?
    Was ist drinn, indem was wir täglich essen???

    1. Bin voll und ganz bei Ihnen: Werbung ist Einzig und Alleine eine organisierte und legalisierte Verbrauchertäuschung. Entweder werden nur die angeblichen Vorteile angepriesen (die Negativen Punkte lässt man gerne aus – das nennt sich Verheimlichen) im schlechteren Falle werden auch noch Lügenmärchen verbreitet. Mich stört vor allem diese Orientierung an irgendeinem „Lebensgefühl“, das war bei Zigaretten so, ist heute noch so bei Autos, Handies etc. Mit Lebensgefühl arbeiten vor allem die Anbieter von wenig ökologischen und oft ungesunden (Lifestyle)-Produkten – schon mal aufgefallen ?
      Jede Werbung erhöht die Produktkosten für den Verbraucher, somit sollte jede Werbung (ohne echte Produkteigenschaften zu nennen), die man sieht streng genommen dazu führen, dieses Produkt nicht zu kaufen !

  3. Verstehe die Werbung irgendwie ganz anders: „Gutes Obst braucht keine Spiegel, keine besondere Belichtung und auch keine grünen Sticker, wenn es sich dabei um gutes Obst handelt“. Wer im Lidl einkauft, den wird die Werbung wohl kaum stören. Bin selbst regelmäßig gezwungen dort einzukaufen (nächster Supermarkt um die Ecke) und im Vergleich zum restlichen Sortiment waren Obst und Gemüse eigentlich immer ganz ok. Klar kann sich der Bäckermeister darüber aufregen, dass Lidl „qualitativ hochwertige“ (Achtung: Qualität ist hier sehr subjektiv. Ich persönlich mag die Industriebrötchen nicht so gern, trotzdem kann man sie ja ohne Bedenken essen) zu einem wesentlich günstigerem Preis anbieten kann, das ist aber dem Endverbraucher egal, der kauft sie weil sie ihm schmecken. Soll Lidl also das nächste Mal einen Werbespot mit dem Slogan „Qualität kostet Geld, kaufen Sie woanders!“ schalten? Es ist Werbung – nichts weiter. Finde den Shitstorm unnötig. 🙂

  4. Ich finde die Kampagne super. Alle die sich darüber aufregen sind doch nur neidisch. (Penny& Co)
    Lidl ist auf jeden Fall erfolgreich damit. Ich sage nur eins: Weiter so!!!!!!

  5. Lidl-Werbung ist verlogene Werbung. Qualitätsfleisch? In den Lidl-Regalen liegt Klebeschinken! Qualitätsprodukte? Die Lidl-Regale quellen über mit Ferrero- und Nestlé-Müll! Wir boykottieren Lidl seit seiner „Qualitäts-Kampagne“ und stellen fest:

    LIDL lohnt nich.

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