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Google hat bei der Spracheingabe die Nase vorn – Microsoft kann kontern

Vor wenigen Tagen verkündete Yahoo, die Internet-Suche auf dem Handy bei seinem erneuerten Handy-Suchdienst „oneSearch 2.0“ durch Spracheingabe zu erleichtern. In Zukunft solle es genügen, den Suchbegriff ins Telefon zu sprechen, berichtete der Internet-Konzern in Las Vegas.

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Von Gunnar Sohn

Für die neue Funktion kooperiert Yahoo mit dem Spracherkennungs-Spezialisten vlingo, den Mike Phillips, Gründer von Speechworks und späterer Vorstand von Scansoft (jetzt Nuance), mitgründete. „Das beweist einen großen Wandel der Yahoo-Strategie. Beim Fachkongress Voice Days im vergangenen Jahr äußerte sich die Yahoo-Managerin Geraldine Wilson noch zögerlich, welche Bedeutung Sprachtechnologie für die Strategie des Unternehmens habe. Offensichtlich hat Yahoo erkannt, dass mit der zunehmenden Mobilität, den schrumpfenden Gerätegrößen und der wachsenden mobil verfügbaren Bandbreite der Erfolg des Suchmaschinenangebots vor allem von einem Interface abhängt, das neben guten Suchergebnissen auch mit komfortabler, einfacher und schneller Bedienung punkten kann“, kommentiert der Düsseldorfer Internet-Analyst und Voice Days-Sprecher Bernhard Steimel.

Auch Google zeigt großes Engagement bei der mobilen Suche. Die Kalifornier rekrutierten zunächst Mike Cohen, den Sprachtechnologie-Pionier und Mitgründer von Nuance, und einige Leute aus seinem alten Team. Im vergangenen Jahr trat Google dann mit seiner sprachgesteuerten Telefonauskunft 0800-GOOG-411 dazu an, den Suchmaschinenmarkt mit Sprachtechnologie zu erobern. Dabei wird Google Maps auf das Telefon übertragen – die Suche wird durch Sprechen ausgelöst, die Antwort von einem Text-to-Speech-System (TTS) oder als SMS geliefert. Microsoft vertraut auf seine gute Positionierung bei Smartphones (Windows Mobile) und seiner Serverstrategie, die mit der Umstellung auf den „Communication Server“ große Möglichkeiten der Integration von Sprachanwendungen in eine mobile Internetwelt bietet. Microsoft-Gründer Bill Gates hat mehrfach Sprachtechnologie zu seinem Kernthema erklärt. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat auch der Software-Riese einige renommierte Spezialisten eingestellt und den Anbieter Angel.com übernommen.

Erst die mobile Suche schaffe im Web eine Situation, in der die Sprachautomatisierung seine Möglichkeiten zur vollen Entfaltung bringen könne, meint Steimel: „Mit dem Handy kommen Menschen ins Internet, die den Weg über den PC nie genutzt haben oder nutzen werden. Aufgrund des Formfaktors, den Screengrößen, Bedienungslimitierungen und verfügbaren Bandbreiten muss die Suche, also der primäre Zugang zu allen Inhalten und Diensten, auf dem Handy erschwerten Anforderungen gerecht werden. Sie muss sich zur Antwortmaschine weiter entwickeln, die aus der Verknüpfung von Web 2.0 und dem Semantischen Web richtige ‚Antworten’ produziert, statt lange Linklisten auszuspucken. Zudem muss die mobile Suche einfach zu bedienen sein“.

Die sprachgesteuerten lokalen Suchangebote in den USA, die mit kostenlosen Auskunftssystemen über die Schaltung von Audiowerbung signifikante Umsätze erzielen, sind nach Erfahrungen des Sprachdialogexperten Lupo Pape noch nicht das Gelbe vom Ei. „Bei Jingle Networks mit 1-800 FREE 411, Microsoft`s Tellme mit 1-800-555-TELL und Google mit 1-800-GOOG-411 geht es um die Suche in gelben Seiten, wobei Stichworte wie Pizza, PizzaHut, Starbucks oder MacDonalds die mit großem Abstand am häufigsten genutzten Suchbegriffe sind. Aus unserer Sicht sind diese Dienste aber Sackgassen, die zur Zeit noch davon leben, dass Auskunftsdienste kostenpflichtig sind. Es wird sie auch weiterhin geben, aber sie werden unser Leben nicht groß verändern“, sagt SemanticEdge-Geschäftsführer Pape.

Spannender seien Ansätze, die noch in den Kinderschuhen stecken und die von mobilen Endgeräten ausgehen. „Hier sind erste Ansätze, wie die von Yahoo und vlingo, mit größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Gleiches gilt für den Personal Assistant-Ansatz, den beispielsweise Nuance mit seinen sprachgesteuerten Applikationen auf dem Blackberry anbietet. Auch der Einsatz von Spracherkennung bei Navigationsgeräten ist vielversprechend. Hier geht es darum, die Nutzung der mobilen Endgeräte über Sprachsteuerung zu vereinfachen. Etwa bei der Adresseingabe, beim SMS-Diktat oder Telefonieren über die Nennung des Namens. In diesem Bereich haben Firmen wie Nokia, Apple, Microsoft oder Google, die die wichtigsten Spieler des mobilen Internets sein wollen, noch keine klare Strategie offenbart. Das wird sich aber bald ändern, wenn Initiativen wie Android und das G-Phone klarere Formen annehmen werden. Die ersten Endgeräte werden in Kürze verfügbar sein“, so Pape.

Wer von den Suchanbietern schließlich das Rennen um die Hoheit beim mobilen Internet gewinnen wird, hängt nach Auffassung von Steimel davon ab, wer den „Kampf um die besten Köpfe“ mit der größten Marktmacht verbinden kann. „Den Kampf um die Köpfe hat Google bereits gewonnen – besonders durch die Art von Google, immer alles neu zu entwickeln und die geniale Strategie, mit GOOG411 im weltgrößten ‚Freiland-Versuch’ das eigene Sprachmodell zu validieren und mit einer exzellenten Qualität aufzuwarten. Und auch bei der Marktmacht hat Google noch die Nase vorn. Auf der ersten Seite der meisten TK-Unternehmen, die ihren mobilen Kunden eine Suche anbieten, steht in der Regel die mobile Google-Suche, nicht die von Yahoo oder Microsoft Live Search“, führt Steimel aus.

Microsoft habe sicher auch gute Leute, aber auf den Portalen der TK-Unternehen noch keine relevante Präsenz. „Dafür kommt Microsoft aber über die Betriebssysteme ‚von unten’ in den Markt. Wenn sich der Tanker einmal in Bewegung setzt, ist er schwer zu bremsen. Gelingt es Microsoft, Windows Mobile ähnlich wie Windows XP im PC-Markt zum Quasistandard für Betriebssysteme bei Smart Phones zu machen und die Infrastrukturen mit den Communication Servern flächendeckend zu verbreiten, kann der Redmond-Konzern Google vielleicht noch kontern“, erläutert Steimel. Yahoo habe nicht so gute Karten. „Bei einem Zusammenschluss mit Microsoft würde sich das allerdings schlagartig ändern“, resümiert Steimel.

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