Suche

Werbeanzeige

Google arbeitet an eigenem Adblock-System – Branchenxperten bewerten das mit großer Skepsis

Es wird gemunkelt, dass Suchmaschinengigant an einem hauseigenen Adblocker arbeitet. Wie sinnvoll ist dieser Schritt?

Werbeanzeige

Google arbeitet an einem Adblock-Feature für seinen hauseigenen Chrome-Browser, der störende Werbung blockieren soll. Das berichtet unter anderem das Wall Street Journal.Der Adblocker soll in den Chrome-Browser integriert werden, User müssen ihn lediglich aktivieren und bleiben dann von störender Werbung verschont. Als störend definiert Goolge Werbung, die nicht den Richtlinien entsprechen, die kürzlich in der „Coalition for Better Ads“ definiert wurden.

Raus aus der Abhängigkeit von Drittanbietern

Grund für den Schritt ist laut Wall Street Journal, dass Google die Entscheidungsmacht darüber erhalten möchte, welche Ads aus- und eingeblendet werden. Installieren viele Nutzer den hauseigenen Adblocker, könnte sich Google unabhängiger von Drittanbietern machen. Würde der Suchmaschinengigant dann noch eine Sperre für andere Adblocker im Chrome-Browser installieren, hätte er sein Werbegeschäft komplett in eigenen Händen. Dass der eigene Adblocker dem Wunsch nach mehr Kontrolle gleichkommt, davon geht auch Jörg Schneider, Country Manager Germany, Undertone: „Mit einem integrierten Ad-Blocker ‚braucht‘ der User keine Fremdlösung mehr, die mitunter ja auch Google Ads blocken könnte. Google könnte nun zumindest in seinem Universum wieder die Kontrolle über Ad-Filter erlangen. Dazu passt auch der mutmaßliche Deal mit Eyeo und Adblock Plus, der nun Google Ads zulässt. Im Sinne von ‚Power to the User‘ steht dies jedenfalls nicht. Offensichtlich traut man den eigenen Ads nicht die hinreichende Qualität zu, um nicht von Ad-Blockern gestoppt zu werden, proklamiert aber auf der anderen Seite der „Better-Ads“-Initiative zu folgen. Im besten Fall ist dies als widersprüchlich, im schlechtesten Fall als doppelzüngig zu bewerten.“

Wettbewerbshüter sollten eingreifen

Schahab Hosseiny, Geschäftsführer MSO Digital, ruft sogar zu einem Eingreifen der Wettbewerbsbehörde auf: „Wenn der dominierende Display-Advertiser und marktführende Browser-Anbieter plötzlich neben der ohnehin monopolisitsch geprägten digitalen Werbewirtschaft die Spielregeln über einen eingebauten AdBlocker maximal bestimmen möchte, sollten die Wettbewerbshüter eigentlich Alarm schlagen.“ Google gehe nun genau diesen Schritt und könne darüber hinaus über seinen gleichermaßen marktbeherrschenden AdServer DoubleClick gleichzeitig noch deutlich intensiver in das Eco-System eingreifen. „Konsequent und gleichzeitig brutal sagt Google, wie auch schon in der Vergangenheit gegenüber AdBlock Anbietern: Wenn der Feind nicht aufgibt, töte ihn – oder vielmehr ‚ersetze‘ ihn“, so Hosseiny.

Wie ein Virenscanner vom Virenhersteller

Auch Professor Hannes Federrath, der an der Universität Hamburg im Fachbereich Informatik lehrt, steht er Entwicklung eines eigenen Adblockers skeptisch gegenüber: „Google finanziert einen Großteil seiner Dienste mit Werbung, insbesondere ja auch innerhalb seiner Suchmaschine. Ziel ist es wohl, störende Popup-Fenster und Werbung mit selbststartenden Videos und Audiodateien zu blockieren, was sicherlich ein zu begrüßender Schritt ist. Allerdings: Ein Adblock-Feature würde, wenn es von einem Werbeanbieter wie Google stammt, vor allem Werbung von Fremdanbietern blockieren und die über Google-Dienste geschaltete Werbung bevorzugen. Für mich klingt das paradox, so als ob ein Virenhersteller nun künftig auch einen Virenscanner vertreiben wird.“

Wer entscheidet, welche Ads störend sind?

Peter Potthast, Country Manager DACH bei Conversant, hingegen findet die Idee eines Adblockers grundsätzlich sinnvoll, stellt aber eine berechtigte Frage: „Der Adblocker in Google Chrome soll diejenigen Anzeigen herausfiltern, die für die Nutzer am aufdringlichsten sind. Es wäre natürlich interessant zu wissen, wer festlegt, welche Anzeigen als aufdringlich erachtet werden und welche nicht. Insgesamt halte ich eine solche Maßnahme aber sowohl für Werbetreibende als auch Verbraucher gleichermaßen positiv.“

Adblocker sind keine Lösung

Den Einsatz von Adblockern ist für Nicolas Poppitz, Managing Director Germany bei Teads, grundsätzlich als fragwürdig zu betrachten: „Wir begrüßen grundsätzlich Maßnahmen, die den Werbemarkt von schlecht gemachter, aufdringlicher Werbung befreien. Adblockern stehen wir jedoch skeptisch gegenüber. Sie greifen in die Entscheidungshoheit der Publisher ein, wie sie ihre Inhalte monetarisieren, und dienen nur vordergründig dem Nutzer. Vielmehr verbirgt sich hinter Adblockern ein fragwürdiges Geschäftsmodell.“

Kommunikation

Gesund trotz Bürojob: Warum ist Sitzen eigentlich so schlecht?

64.000 Stunden – das ist die Anzahl der Stunden, die Sie alleine im Büro im Laufe Ihres Arbeitslebens im Sitzen verbringen. Das klingt nicht sehr gesund, oder? Warum Sitzen so schlecht ist und wie Sie trotz Bürojob fit bleiben können, lesen Sie hier. mehr…

Werbeanzeige

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

Wie Amazon die Supermarkt-Welt auf den Kopf stellt: Will Bezos Online und Offline untrennbar verbinden?

Also nun doch: Amazon setzt nicht nur auf den Online-Lebensmittelhandel sondern investiert nun…

Lügen und Hass im Netz: Die Deutschen wollen neue Gesetze gegen Fake News

Eine breite Mehrheit der Menschen in Deutschland befürwortet neue Gesetze gegen gezielte Falschnachrichten,…

Kein Marketing ohne Daten: Acht Tipps, wie Sie Ihre Maßnahmen durch bessere Datensammlung optimieren

Wer einen Kunden per E-Mail-Marketing ansprechen möchte, benötigt zumindest seine E-Mail Adresse und…

Werbeanzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige