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Geiz ist wirklich ungeil

Schöner hätte es nicht sein können. Wir kommen am Flughafen an und steuern den Europcar-Counter an, um die Formalitäten zu erledigen. „Ihr Auto steht bereit“. Und dann der Hinweis der netten jungen Dame: Wenn Sie das Areal erreicht haben, wo Ihnen Auto und Schlüssel ausgehändigt werden, gehen Sie bitte zum Schalter „Business“, stellen Sie sich nicht in die Schlange bei „Holiday“. Was Madame uns bedeuten wollte, wurde wenige Minuten später klar. Vor dem Holiday-Schalter stand eine lange Schlange von Aspiranten, die sich für einen echten Billig-Tarif entschieden hatten.

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Ihre Holidays begannen mit einer Wartezeit, die für das Ende der Schlange mit circa zwei Stunden angegeben wurde. Vor der Business-Sektion keine Schlange. Vor uns lediglich eine Dame, die unser Vorankommen allerdings ungebührlich verzögerte. Sie musste nämlich darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie den Billigtarif gebucht habe, und sich deshalb in die Schlange stellen müsse.

„Aber ich habe schon Verspätung, ich habe es eilig, geschäftliche Termine…“ Eine teils flehentliche, teils rechthaberische Suada ergoss sich über den Counter. Wir, mit dem teuren Tarif, wurden nicht enttäuscht. Die Dame wurde abgewiesen. Bestimmt und höflich. „Wenn Sie es wünschen, können Sie sich natürlich bei unserem Stationschef beschweren“. Der Tonfall ließ die Aussichtslosigkeit erkennen. Die Dame rollte entnervt von dannen ans Ende der inzwischen noch längeren Schlange. Meine Frau und ich waren geradezu beseligt über diesen Vorfall: Keine Warteschlange. Sofort losfahren.

Die Geiz-Geilen beäugten uns missmutig und fanden ihre eigene Situation total ungeil. Tja, meine Damen und Herren: Viel bezahlt = viel Komfort, wenig bezahlt = kein Komfort. Es lebe der Unterschied. – Wenn man doch überall so konsequent wäre wie hier in Nizza; und den Unterschied zwischen Billig und teuer, zwischen guter und schlechter Qualität, zwischen Zufriedenheit und Ärger so deutlich kommunizieren würde. Vielleicht schreckte so mancher Konsument vor seinem eigenen Geiz zurück.


Über den Autor: Klaus Brandmeyer ist Geschäftsführer der Brandmeyer-Markenberatung.

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