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Fehler in der Medienkontrolle

Haim Saban hat mit immensem Gewinn die ProSiebenSat1-Gruppe an ein Konsortium von Private Equity-Firmen verkauft – und freut sich darüber diebisch, wie der Spiegel (Nr. 51) zu berichten weiß: „Ich liebe die deutschen Kartellbehörden.“ Die Prise Spott kann ihm niemand verübeln. Der von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) und Bundeskartellamt verhinderte Verkauf an den Axel-Springer-Verlag hätte ihm nur 23,37 Euro pro Anteil in die Kasse gespült, die neuen Besitzer KKR und Permira zahlen über fünf Euro mehr - 28,71 Euro.

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Damit wächst der wirtschaftliche Druck auf den Fernsehsender, und es wird 2007 zu den interessanteren Beobachtungen zählen, wie er auf noch mehr Profit getrimmt wird. Gewiss, die von den Käufern vorgestellte Vision einer europaweit führenden Mediengruppe unter deutscher Ägide lässt Großes und vor allem weitere Zukäufe erwarten. Außerdem stehen Investoren wie KKR durchaus in dem Ruf, auch langfristige Ziele verfolgen zu können.

Anderseits sind solch langfristig angelegte Strategien im Private-Equity-Business eher selten zu bewundern, und schon manche übernommene Firma musste ihren eigenen Kauf hinterher selber finanzieren. Man darf also gespannt sein, wie lang der Atem von KKR und Permira im nach wie vor schwierigen Mediengeschäft sein wird.
Der Pro-Sieben-Deal wirft vor allem die Frage auf, ob das deutsche Bewachungs- und Kontrollsystem für Medienunternehmen noch zielführend ist.

Die KEK lehnte die Springer-Offerte zu Beginn des Jahres mit der Begründung ab, die kombinierte Meinungsmacht im entstehenden Bild-ProSieben-Konzern sei zu groß – was ein wenig nach der Springer-Phobie der 68er roch. Das Bundeskartellamt begründete sein „Nein“ mit der Konzentration auf dem Werbemarkt und latent wagemutigen Annahmen über die crossmediale Verknüpfung im Konzern. Nun versucht Springer-Chef Mathias Döpfner notgedrungen sein Ziel eines multimedial aufgestellten Konzerns im Ausland zu erreichen, im Gegenzug erhöhen ausländische Investoren den Druck im deutschen Medien- und Werbemarkt.

Ob das besser oder schlechter ist als die geplante Übernahme durch Springer weiß heute noch niemand. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass ein neuer europäischer Medienkonzern mit dem Nukleus ProSiebenSat1 genau die Effekte heraufbeschwört, die Kartellamt und KEK verhindern wollten. Fest steht: Globalisierte Medienmärkte verlangen nach neuer und vor allem weniger lokaler Regulierung. Der Status quo macht den Standort Deutschland für inländische wie ausländische Medien-Unternehmen uninteressanter und lässt immer mehr Medienhäuser zum Spielball von Private Equity-Investoren werden.

Der Autor ist Chefredakteur der absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing

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