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Ex-Aegis-Finanzchef Ihlefeld bestätigt externe Media-Firma

Am Montag musste Hans-Hennig Ihlefeld zu seiner Rolle in der Mediaaffäre um Aleksander Ruzicka und Aegis Media als Zeuge vor dem Landgericht Wiesbaden aussagen. Die sechsstündige Aussage war von großen Erinnerungslücken und Widersprüchen seitens Ihlefeld, sowie hartnäckigen Nachfragen des Vorsitzenden Richters Jürgen Bonk und Ruzickas Verteidiger Marcus Traut gekennzeichnet.

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Hans-Henning Ihlefeld war von 1992 bis 2004 Finanzchef bei Aegis Media. Er wurde 1992 vom damaligen Agenturchef Kai Hiemstra der noch unter HMS/Carat firmierenden Mediaagentur geholt. Im April 2004 bekam er einen neuen Mitarbeiter: Andreas Bölte. Diesem übergab er im September 2004 die Verantwortung als Finanzchef für Aegis Media in Zentraleuropa und Südafrika. Der heute 67-jährige Ihlefeld blieb jedoch bis Ende 2006 Geschäftsführer und blieb dem Unternehmen bis in das Jahr 2007 beratend verbunden.

Auch der langjährige Finanzchef von HMS/Carat und später Aegis Media will weder unter den CEOs Kai Hiemstra noch Aleksander Ruzicka Einblick in die Verhandlungen mit den Medienanbietern gehabt haben. Wie bereits Ruzickas Nachfolger Andreas Bölte aussagte, habe auch er nur den Ist-Zustand in seinem Finanzsystem kontrollieren können. Auch Ihlefeld will keine Kenntnis der Soll-Werte gehabt haben.

Er räumte ein, dass er in seiner 14-jährigen Tätigkeit für Aegis Media keine wirksame Kontrollmöglichkeit für den Umfang mit Freispotkontingenten gehabt hätte. Ihlefeld habe weder Verträge über die Höhe der Rabatte noch andere Unterlagen von den Werbezeitenvermarktern der Privatsender gehabt oder gekannt. Auf Nachfrage des verwunderten Richters Jürgen Bonk gab Ihlefeld an, dass das Controlling schwierig gewesen sei und er sich auch nicht weiter darum gekümmert hätte.

Hans-Henning Ihlefeld sagte aus, dass es während der Einarbeitungszeit von Andreas Bölte Verdachtsmomente gegen Aleksander Ruzicka gegeben habe. Bölte hätte sich stark dafür interessiert. So sei auch er die treibende Kraft hinter den Recherchen gegen seinen damaligen Chef Ruzicka gewesen und für die Formulierung der Strafanzeigen gegen Ruzicka verantwortlich. Andreas Bölte sagte vor einem Monat aus, dass er zwar den Auftrag zur Anzeige gegeben, aber das Dokument selbst nie gesehen haben will.

Ihlefeld konnte sich nicht mehr an Details erinnern und verwies vielfach auf den heutigen CEO von Aegis Media, Andreas Bölte. Bemerkenswert ist der Umstand, dass der langjährige Finanzchef Ihlefeld jahrelang keine wirksame Kontrolle von Freispotkontingenten gehabt haben will. Der bis 2004 branchenfremde Andreas Bölte will dies jedoch noch während seiner Einarbeitungszeit aus eigenem Antrieb heraus bemerkt und verfolgt haben. Der ersten Anzeige liegt ein detailliertes Flowchart bei, das die Geldflüsse sehr genau beschreibt.

Ihlefeld musste bestätigen, dass die beiden Finanzchefs Bölte und Ihlefeld noch im März 2006 einen Bonus in Höhe von 230 000 Euro zugunsten Aleksander Ruzicka abgezeichnet hatten. Dieser Bonus sei für das Erreichen der Gewinnziele im Raum Zentraleuropa gewesen. Die Zahlung von Aegis Media erfolgte demnach neun Monate nach der ersten Strafanzeige gegen Ruzicka, in der man ihn der Untreue und des schadhaften Verhaltens zum Nachteil der Mediaagentur bezichtigte.

Ebenfalls im März 2006 gab es ein konspiratives Gespräch zwischen Bölte, Ihlefeld, einem Firmenanwalt und der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, aus dem eine weitere Anzeige hervorging. Dennoch wurde Ruzicka im selben Monat für gute Arbeit vom Unternehmen sehr großzügig belohnt. Erinnerungslücken zeigte Ihlefeld auch zu einer Eidesstattlichen Versicherung. Einerseits seien die Vorgänge um Emerson FF nach seiner Zeit gewesen, weshalb er davon keine Kenntnis hätte.

Andererseits hatte er im Dezember 2006, nach dem die Affäre öffentlich zu Konsequenzen führte, eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben. Darin benannte er angebliche Scheinrechnungen ohne ersichtlichen Rechtsgrund, die von Emerson FF an Aegis Media gestellt wurden. Mit diesen Rechnungen soll ein Großteil der angeblich veruntreuten Beträge zuerst an Emerson FF geflossen sein, bevor die Gelder von Emerson FF zugunsten Ruzickas vermeintlicher Schein- und Tarnfirmen abgezogen wurden.

Besonders interessant erschienen dem Gericht und der Verteidigung Ruzickas Details zu einer früheren externen Firma von HMS/Carat bzw. Aegis Media: Programm- und Lizenzvermarktungs GmbH, kurz PLV. Aleksander Ruzicka schilderte PLV bereits vor einem Jahr im Interview mit absatzwirtschaft als Muster für das von ihm kreierte Firmenkonstrukt. PLV und Emerson FF hätten denselben Geschäftszweck gehabt und auf einem Film Fonds Modell basiert.

Gab es laut Ruzicka unter PLV Firmen wie Telemedia, F.&Company oder P.&Company, so hätten die Firmen unter Emerson FF Namen wie Camaco, Watson oder Life2Solutions gehabt und seien ebenfalls von leitenden Personen von HMS/Carat bzw. Aegis Media gegründet worden. Daraus leitete Ruzicka auch seine Nebentätigkeitserlaubnis ab, nachdem er 1999 Kai Hiemstra als CEO des Unternehmens folgte. Zudem sei der gesondert verfolgte Rechtsanwalt Cornelius W. zu Zeiten der PLV in der Kanzlei des Rechtsanwaltes von Kai Hiemstra tätig gewesen, der der vierte Partner im Treuhandvertrag der PLV ist.

In der Befragung stellte Ihlefeld diese Firma zunächst als loses Konstrukt dar, um mit Kunden der Mediaagentur und Kundengeldern Programminhalte im Privatfernsehen zu finanzieren. Das sollte zu höheren Freispotkontingenten führen an denen Agentur und Kunden partizipieren. Ihlefeld war Gesellschafter der PLV und will die Basis der Freispotkontingente – nämlich die Verträge mit den Medienanbietern – dennoch nicht gekannt haben.

Als ihm der Treuhandvertrag der PLV vorgelegt wurde, musste er die Vorgehensweise mittels Treuhandlösung einräumen. Die damalige Unternehmensführung mit Kai Hiemstra, dessen ehemaligem Schwiegersohn Klaus W. und Hans-Henning Ihlefeld hatte gemeinsam mit einem Rechtsanwalt von Hiemstra die PLV gegründet. Klaus W. ist heute Geschäftsführer einer Firma für Media-Bartering in Wiesbaden.

Man habe eine Treuhandlösung gewählt, um Irritationen im Werbemarkt zu verhindern und der Branche nicht offenbaren zu müssen wer hinter PLV steckt. Ihlefeld bestätigte weiter, dass das Geschäftsmodell der PLV seitens der Konzernzentrale von HMS/Carat und späteren Aegis Media in London genehmigt war. Das Headquarter der Mediaagentur sei an diesem Geschäftsmodell besonders interessiert gewesen, so Ihlefeld. Bei einem Erfolg wollte man es auch in anderen Ländern umsetzen.

Der Prozess wurde am Dienstag mit der Befragung des Mitangeklagten David Linn durch Ruzickas Verteidiger Marcus Traut fortgesetzt. Inzwischen wird deutlich, dass der Prozess zunächst bis Ende September terminiert ist – jedoch im Jahr 2008 kaum mit einem Urteil zu rechnen ist. Hatte sich die Wirtschaftsstrafkammer einen ausgiebigen Einblick in die Marktpraxis der Mediaagenturen verschafft, so nutzt sie dieses Wissen nun ebenso ausführlich um die Vorwürfe zu hinterfragen und die konkreten Vorgänge aufzuklären. mz

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