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Erpressungsskandal um den Amazon-Chef: Wie beschädigt ist die Marke Jeff Bezos?

© ©imago/UPI Photo/ Montage: absatzwirtschaft

Es ist der größte Skandal seit Jahren, in den der CEO einer der wertvollsten Konzerne verwickelt ist: Jeff Bezos wurde vom Skandalblatt National Enquirer mit intimen Fotos erpresst – und schlug spektakulär zurück. In einem Blogpost auf Medium enthüllte der Amazon-Chef den Erpressungsversuch und wurde für den PR-Coup gefeiert. Nach dem ersten Applaus fragen sich jedoch immer mehr Branchenbeobachter: Wie beschädigt ist der Superstar eigentlich durch die Affäre?

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Es war ein Konter, wie er im Lehrbuch steht.  “Ich habe einen Post über die Entwicklungen mit dem National Enquirer und seinem Mutterkonzern AMI geschrieben”, twitterte Amazon-CEO Jeff Bezos am vergangenen Freitag. “Ihr könnt es hier lesen.” Was folgte, war ein Link zu einem langen Blog-Post auf der Plattform Medium, den man in der Form noch nie von einem CEO eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, geschweige denn vom reichsten Mann der Welt, gelesen hatte.

Das Skandalblatt National Enquirer hatte es tatsächlich darauf ankommen lassen, dem reichsten Mann der Welt wegen der Affäre mit der Nachrichtenmoderatorin Lauren Sanchez zu drohen, weil es – wie inzwischen herausgekommen ist – durch Sanchez‘ Bruder in den Besitz intimer Fotos von Bezos gekommen ist.

Jeff Bezos geht in die Offensive: „Ich habe mich dafür entschieden, den Spieß umzudrehen“

Statt in Scham zu versinken und dem US-Präsident Trump nahestehenden Blatt klein beizugeben, entschied sich der 55-Jährige Chef für die harte Tour, die Amazon unter seiner Leitung zum wertvollsten Konzern der Welt und Bezos zum reichsten Mann der Welt gemacht hatte. „Ich habe mich dafür entschieden, den Spieß umzudrehen – und zu sehen, was dadurch zum Vorschein kommt”, beendete Bezos seinen 2200 Wörter starken Medium-Post, der Jeff Bezos viel Beifall einbrachte.

„Ich finde, was Jeff am Ende seines Posts gesagt hat, war fantastisch – die Stelle, als er sagt, er wolle den Spieß umdrehen und sehen, was dabei zum Vorschein kommt.“, springt etwa die renommierte Techreporterin Kara Swisher (re/code) Bezos bei. „Er lässt sich in seinem alltäglichen Leben nicht leicht herumschubsen – und hier auch nicht“, sieht Swisher Bezos gestärkt aus der Affäre hervorgehen.

Scott Galloway: „Bezos ist der Gewinner“

Swishers allwöchentlicher Podcast-Partner Scott Galloway äußert sich in einer ersten Einschätzung unisono. “Bezos ist der Gewinner. Er wurde gemobbt und hat den Peiniger zwischen die Beine getreten“, twitterte der omnipräsente Marketing-Professor. „Sein Status / Glaubwürdigkeit / Ansehen wird steigen. Die Medien werden ihm wie die Kavallerie beistehen, sie meinen es meistens gut mit ihm“, ist sich der Bestseller-Autor („The Four“) sicher.

Allein: Die Wall Street scheint nicht ganz so geschlossen hinter dem Superstar-CEO zu stehen, der für viele längst als legitimer Nachfolger von Apple-Gründer Steve Jobs gilt. Gegen den Markttrend gab die Amazon-Aktie am vergangenen Freitag, als Bezos seinen Blogpost publiziert hatte, mehr als zwei Prozent nach.

Zweifel an Bezos‘ Urteilsvermögen

„Anleger behandeln die Nachricht als wichtiges Ereignis für Amazon, das von Bezos geführt wird. Seine zupackenden Managementfähigkeiten werden als kritisch für den Unternehmenserfolg betrachtet“, analysierte das US-Wirtschaftsmagazin Barron’s am Wochenende. “Alles, was seine Aufmerksamkeit vom Tagesgeschäft wegzieht, wird zumindest von Anlegern mit Sorge betrachtet”.

Das gilt nicht zuletzt für die Bewertung der Marke Bezos selbst. „Ich muss schon sagen, dass ich überrascht war, in was für eine unangenehme Situation er sich gebracht hat“, wundert sich etwa der renommierte CNBC-Marktkommentator James Cramer. „Mir ist sein Privatleben grundsätzlich komplett egal. Aber ich halte die Aktie für meinen Fonds. Und obwohl ich die Aktie mag, lässt mich diese Episode etwas an seinem Urteilsvermögen zweifeln“, reagiert Cramer kopfschüttelnd.

„Die zweitdümmste Entscheidung des Jahres: 2019 Penisbilder zu verschicken“

„Wir schätzen Jeff wegen seiner Indiskretion wahrscheinlich ein bisschen weniger als vorher“, gibt auch Yale-Professor Jeffrey Sonnenfeldt zu bedenken und regt bei CNBC gar die Debatte über eine Nachfolgeregelung an. „Wir müssen wissen, wen es neben Jeff Bezos bei Amazon noch gibt”

Und selbst Bezos‘ Fürsprecher Scott Galloway kritisiert den Amazon-CEO für seinen fahrlässigen Umgang mit intimen Fotos. „Die zweitdümmste Entscheidung des Jahres: Penisbilder im Jahr 2019 zu verschicken“, twitterte Galloway.

Auch wenn der Amazon-Chef weiter als der mächtigste und für viele Branchenbeobachter beste CEO der Welt gilt: sein bislang tadelloses Image – und damit die Marke Bezos – hat Kratzer bekommen. Jeff Bezos selbst stellte zum Geheimnis der Markenbildung in den Nullerjahren einmal fest:  „Die Marke ist für Unternehmen wie der Ruf für eine Person“. Die Analogie bekam in den letzten Tagen noch einmal eine neue Bedeutung…

 

 

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