E-Commerce wächst auch 2013 um mehr als 20 Prozent

Vertrieb Gestern stellte der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) bei seiner Jahrespressekonferenz in Hamburg Studienergebnisse für 2012 vor. TNS Infratest befragte rund 30.000 deutsche Verbraucher. Das Wachstum des multichannel Online- und Versandhandels war im vergangenen Jahr gegenüber 2011 weit höher als in den Vorjahren und lag mit 15,6 Prozent erstmals seit Durchführung der Studie über 15 Prozent. Die Branche realisierte einen Gesamtumsatz von 39,3 Milliarden Euro.

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Erstmals weist der bvh in seiner Studie ein übergreifendes Ergebnis der Umsatzzahlen für alle Versender aus, die eine Multichannel-Strategie verfolgen. Zu dieser Rubrik gehören Apothekenversender, Versender mit Heimat im Stationärhandel, Teleleshopping-Versender sowie die klassischen Multichannel-Versender, die im Katalog und Internet beheimatet sind. Der Anteil der Branche am gesamten Einzelhandel stieg auf den neuen Spitzenwert von 9,2 Prozent (Vorjahr 8,2 Prozent). „Neben steigender Kauffrequenz und wachsenden Warenwerten ist es vor allem die zunehmende Zahl an Käufern, die die Basis für dieses fantastische Ergebnis schaffen“, sagte Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bvh.

Online-Geschäft generiert über 70 Prozent des Branchenumsatzes

Das Onlinegeschäft machte im Jahr 2012 noch einmal einen gewaltigen Sprung: Allein von 2011 zu 2012 wurde im E-Commerce-Bereich eine Umsatzsteigerung um 5,9 Milliarden Euro auf 27,6 Milliarden Euro realisiert. Das entspricht einem prozentualen Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 27,2 Prozent. Damit wurde erstmalig die 27-Milliarden Euro-Grenze beim Umsatz mit Waren überschritten. Bei den Bestellmedien dominiert das Internet. Lag 2011 der Umsatzanteil hier noch bei 63,8 Prozent, sind es 2012 bereits 70,2 Prozent. Thomas Lipke, Präsident des bvh, erklärte auf der Pressekonferenz hierzu, die Zahlen bestätigten „die Bedeutung des E-Commerce für den Interaktiven Handel als Wachstumstreiber. Zudem hätten sich mit Mobile und Social Media zwei wesentliche Kanäle im E-Commerce-Geschäft etabliert, die diese Entwicklung beschleunigten.

Frauen bleiben größter Umsatzträger

Obwohl die Kundenstruktur beim Kauf im Interaktiven Handel zwischen Frauen und Männern nahezu ausgeglichen ist, repräsentieren Frauen bei der Kundenbetrachtung mit einem Umsatzanteil von über 55 Prozent das starke Versandhandels-Geschlecht. Sie stehen für einen Jahresumsatz von 21,7 Milliarden Euro und generieren im Vergleich zu männlichen Kunden (17,6 Milliarden Euro) auch die größeren Warenkörbe. Thomas Lipke: „Vor allem Versender mit Multichannel-Strategie stehen bei der weiblichen Klientel hoch im Kurs. Kundinnen sorgen bei diesen Versendern für 14,76 Milliarden Euro Umsätze, der männliche Anteil schafft es hier lediglich auf 7,15 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu sind die Internet-Pure-Player mehrheitlich in Männerhand, die hier einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro erzeugen.“

Jeweils drei große Gewinner

Im Jahr 2012 gab es drei Gewinner, die ihre Gesamtumsätze deutlich steigerten. Auf Platz eins rangieren die Internet-Pure-Player. Sie legten 2012 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zu, gefolgt von Stationärhändlern, die zusätzlich im Netz oder per Katalog aktiv sind. Diese verzeichneten ein Wachstum von 22 Prozent. Auch die Teleshopping-Versender konnten ihr Geschäft um sieben Prozentpunkte ausbauen. Bei den reinen Online-Umsätzen gab es drei eindeutige Gewinner. Besonders hervorzuheben sind auch hier die Teleshopping-Versender, die gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent zugelegt haben. Es folgen die Internet-Pure-Player, die ein Umsatzwachstum von 42 Prozentpunkten verzeichnet haben. Auch die Stationärhändler konnten ihr Online-Geschäft um 35 Prozentpunkte steigern.

Onlinekäufer geben mehr als 37 Milliarden Euro aus

Im Onlinegeschäft 2012 wurden Waren im Wert von 27,6 Milliarden Euro und digitale Güter wie Flugtickets, Pauschalreisen, Tickets für Veranstaltungen oder Fahrkarten im Wert von 9,7 Milliarden Euro geordert. Die Umsatzsteigerung bei digitalen Gütern beträgt rund 21 Prozent. Der Zuwachs im Bereich Dienstleistungen in 2012 im Vergleich zum Vorjahr ist nach Angaben von TNS Infratest Geschäftsführer Jens Krüger vor allem dem Anstieg bei Reisen geschuldet. Nach den für die Reisebranche eher schwächeren Jahren 2009 und 2010 hätten sich mit der konjunkturellen Erholung die Ausgaben der Deutschen für Reisen insgesamt wieder deutlich erhöht. Werden die gesamten Ausgaben der Kunden im Internet 2012 betrachtet, ergibt sich die beachtliche Zahl von 37,3 Milliarden Euro. Der Gesamtanstieg für Online-Waren und digitale Güter gegenüber dem Jahr 2011 liegt bei 25 Prozent.

Kauf auf Rechnung wichtigste Bezahlart

Auch im Jahr 2012 war der Kauf auf Rechnung die beliebteste Zahlweise der Kunden im Interaktiven Handel. Der Anteil lag bei 37 Prozent. Dennoch wurde ein leichter Abfall gegenüber dem Vorjahr registriert. Im Jahr 2011 kaufte noch ein Anteil von 42 Prozent der Kunden über diesen Bezahlkanal. Hingegen legten die digitalen Bezahlwege 2012 ordentlich zu und haben damit den Trend aus den letzten Jahren bestätigt. Mittlerweile erfolgen 17 Prozent aller Bezahlungen über diesen Kanal. Das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Schätzwerte zum Branchenwachstum 2013

Der Erfolg des vergangenen Jahres wird sich nach Überzeugung des bvh auch im Jahr 2013 fortsetzen. Aktuell schätzt der Verband das Umsatzwachstum auf 10,6 Prozent beim gesamten Interaktiven Handel. Das entspricht einer Summe von 43,5 Milliarden Euro. Das E-Commerce-Volumen werde 2013 voraussichtlich um 21,3 Prozent auf einen Umsatzwert von 33,5 Milliarden Euro wachsen. Den Worten Lipkes zufolge wurden für die Prognose sowohl die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre und die aktuelle Entwicklung berücksichtigt. Zusätzlich seien Erwartungshaltungen auf Anbieterseite eingeflossen, die man durch Händlerbefragungen gewonnen habe. Ein branchenrelevantes Thema bleibt nach Aussage von Wenk-Fischer die Vernetzung von Offline- und Onlinekanälen. Für die Händler bleibe die Bedarfsweckung und Bedarfsdeckung verschiedener Zielgruppen durch unterschiedliche Kanäle aktuell.

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