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Doppelverdiener-Familie ist das neue Ideal

In Deutschland zeichnet sich ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Einstellung zum Berufsleben ab. Aus dem Alleinverdiener-Leitbild wird das Doppelverdiener-Ideal: Über zwei Drittel der Bevölkerung (67 Prozent) finden es geradezu „ideal“, wenn in einer Familie „beide Partner berufstätig“ sind, wie Zukunftsforscher Prof. Horst Opaschowski in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos ermittelte.

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Befragt wurden 1.000 Personen ab 14 Jahren. Fünf Jahre zuvor lag nach den damaligen Erhebungen der Stiftung für Zukunftsfragen der Anteil der Befürworter von Doppelverdienern lediglich bei 56 Prozent. „Wenn dieser Trend so anhält, werden im Jahr 2030 etwa achtzig Prozent der Berufstätigen Doppelverdiener sein wollen oder müssen“, prognostiziert Opaschowski. „In unsicheren Zeiten sind beide Partner auf das Geld angewiesen, um eine Familiengründung zu wagen und eine Familie finanzieren zu können.“

Im gleichen Maße, wie der Anteil der Befürworter einer Doppelerwerbstätigkeit von Mann und Frau wächst, sinkt die Bereitschaft der Bevölkerung, wegen der Kinder auf die eigene Berufstätigkeit zu verzichten. Noch 2008 vertraten 70 Prozent der Bundesbürger die Auffassung, dass es besser sei, wenn nur ein Elternteil arbeitet und der andere die Erziehung der Kinder übernimmt. Inzwischen ist der Anteil erdrutschartig auf 52 Prozent gesunken (Frauen: 50 Prozent – Männer: 54 Prozent). Jeder zweite Deutsche kann und will nicht mehr ohne eigene Erwerbstätigkeit allein mit den Kindern zu Hause bleiben.

Abbildung: Meinungen zu Beruf und Familie 2008, 2013 und prognostiziert für 2030. Quelle: Ipsos

Vereinbarkeit von Beruf und Familie dringend gewünscht

Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren zur großen Herausforderung für das Berufs- und Familienleben auf der einen und die Politik auf der anderen Seite. Denn 90 Prozent der Deutschen sind heute schon der Meinung: „Die von der Politik geforderte Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss für Frauen und Männer gleichermaßen gelten“. Insbesondere Singles (96 Prozent) wollen die Vereinbarkeit verwirklicht sehen, bevor sie sich zu festen Bindungen oder Familiengründungen entschließen. Die Kommunen gehen dementsprechend davon aus, dass rund 40 Prozent der Eltern sich auf den ab 1. August diesen Jahres bestehenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ein- bis dreijährige Kinder berufen werden und einen Kita- oder Kindergartenplatz beanspruchen.

Die Umsetzung der Anspruchshaltung hat in Deutschland längst begonnen. Vier von zehn Bundesbürgern fordern bereits: Kinder aller Altersgruppen sollten zukünftig „das ganze Jahr über“ ganztags in Kindergärten betreut werden“. Opaschowski sagt hierzu: „Wenn der Trend zur 24-Stunden-Betreuung so anhält, wird eines Tages Artikel 6/Absatz 2 des Grundgesetzes neu bewertet werden müssen, weil die Erziehung der Kinder dann nicht mehr als die ‚zuvörderst obliegende Pflicht‘ der Eltern gilt“. In naher Zukunft werde zudem die Kinderbetreuung mehr eine Qualifikations- als eine Platzfrage sein und zu erheblichen Personalengpässen führen. Hier müsse die Wirtschaft fördernd zu Hilfe kommen.

Kitaplätze als „neue Währung“ bei Bewerbungen

Drei Viertel der Berufstätigen in Deutschland (75 Prozent) erwarten mittlerweile von den Unternehmen zur Betreuung ihrer Kinder Betriebskindergärten (berufstätige Frauen: 79 Prozent – berufstätige Männer: 71 Prozent). Wer als Unternehmen qualifizierte Führungs- und Fachkräfte sucht, wird sich laut Studie in Zukunft bei potenziellen Mitarbeitern regelrecht bewerben und neue qualitative Anreize bieten müssen, in denen es mehr um die Erhaltung von Lebensqualität und nicht nur um Einkommenserhöhungen geht. Das Unternehmensengagement für Betriebskindergärten oder garantierte Belegplätze in betriebsnahen Kitas zahlt sich aus. Betriebskindergärten zählen unter Umständen auf Dauer mehr als Betriebsaktien.

„Über die Vereinbarkeit von Betriebs- und Familienpolitik muss neu nachgedacht und entschieden werden“, ist Opaschowski überzeugt. Arbeits- und Lebenszeiten seien aufeinander abzustimmen und in ein Gleichgewicht zu bringen. Intensiven Arbeitsphasen stünden gleichermaßen und gleichwertig intensive Familienphasen gegenüber, die miteinander koordiniert werden müssten und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Davon profitierten schließlich beide Seiten. Nur so bleibe genügend „Vollzeit“ für Phasen außergewöhnlicher beruflicher Leistungsanforderungen, aber auch Gelegenheit für Teil- oder Auszeiten zur Familiengründung und Kindererziehung. In einer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft des langen Lebens werde in Zukunft beides möglich und akzeptabel sein müssen.

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