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Digitaler Graben wird nur langsam schmaler

Die Internetnutzung in Deutschland liegt aktuell bei 76,5 Prozent – der Zuwachs von Onlinern stagniert somit weiter. In den beiden vergangenen Jahren ist die Zahl der Internetnutzer um jeweils 0,9 Prozentpunkte pro Jahr gestiegen. Rund 16,5 Millionen Bundesbürger sind somit nicht Teil der digitalen Welt. Und nach Geschlecht, Altersgruppen und Bildung ist die Republik in digitaler Hinsicht weiter gespalten: Es sind mehr Männer als Frauen online, mehr Junge als Alte und mehr Menschen mit hohem Bildungsabschluss als mit niedrigem.

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Veröffentlicht wurden diese Zahlen als Ergebnisse der 13. Ausgabe des (N)Onliner Atlas von TNS Infratest. Das Institut führte die Studie wiederum im Auftrag der Initiative D21 durch. Mit über 30.000 Interviews ist diese Befragung Deutschlands umfangreichste Studie zur Nutzung, Nichtnutzung und Nutzungsplanung des Internets.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der digitale Graben in der deutschen Gesellschaft nur langsam schließt. In diesem Jahr sind aber in den bisher wenig erreichten Bevölkerungsgruppen deutliche Zuwächse bei der Internet- und der Breitbandnutzung zu sehen: Betrachtet man etwa die Internetnutzung nach Geschlecht, so ist der Zuwachs bei den weiblichen Befragten mit 1,3 Prozentpunkten mehr als dreimal so groß wie bei den männlichen mit nur 0,4 Prozentpunkten.

Wachstum im Saarland und in Hamburg

Als erfreulich wertet die Initiative D21 auch die Entwicklung bei der Internetnutzung durch ältere Personen: Die 50- bis über 70-Jährigen verzeichnen Zuwächse zwischen 2,0 und 3,3 Prozentpunkten. „Nicht einmal jede zweite Frau über 50 Jahren nutzt das Internet. Dies verdeutlicht den Nachholbedarf für Deutschland und die Notwendigkeit für zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Erschließung bisheriger Offliner“, sagt Robert. A. Wieland, D21-Vizepräsident und Geschäftsführer von TNS Infratest.

Im Vergleich der einzelnen Bundesländer hat das Saarland ein überdurchschnittliches Wachstum erreicht: Mit einem Plus von 2,9 Prozentpunkten ist die Internetnutzung im kleinsten Flächenland von 67,4 Prozent im letzten Jahr auf aktuell 70,3 Prozent gestiegen. Der Stadtstaat Hamburg konnte 1,8 Prozentpunkte zulegen und liegt mit 81,8 Prozent wie im letzten Jahr auf dem ersten Platz im Bundesländer-Ranking. Berlin (81 Prozent; 2012: 79,8 Prozent) und Bremen (79,3 Prozent; 2012: 79,5 Prozent) folgen auf den weiteren Plätzen. Baden-Württemberg erreicht mit 79,1 Prozent erneut den ersten Platz der Flächenstaaten (2012: 78,2 Prozent) und im Bundesländer-Ranking Platz vier. Wie im Vorjahr finden sich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt auf den letzten beiden Plätzen, in diesem Jahr mit 69,1 bzw. 67,5 Prozent Onlinern.

Geringerer Zuwachs bei der Breitbandnutzung

Die Zahl der Breitbandnutzer wächst laut der aktuellen Erhebung der Initiative D21 ebenfalls weiter: Bayern kommt in 2013 auf ein Plus von 1,5 Prozentpunkten (2013: 59,3 Prozent / 2012: 57,8 Prozent), das leicht über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Deutlicher hat das Saarland mit einem Plus von 3,5 Prozentpunkten aufgeholt (aktuell bei 57,5 Prozent) und nähert sich dem Bundesdurchschnitt weiter an. Dieser ist im letzten Jahr von 57,1 Prozent auf 58,3 Prozent der Gesamtbevölkerung gestiegen. Das entspricht einem Plus von 1,2 Prozentpunkten. Im Vergleich zum Jahr 2012 mit einem Plus von 4,6 Prozentpunkten hat der bundesweite Zuwachs jedoch signifikant nachgelassen.

Deutliche Zuwächse bei der Breitbandnutzung sind aber in den bisher wenig erreichten Bevölkerungsgruppen zu verzeichnen: Unter den weiblichen Befragten ist der Anstieg der Breitbandnutzung mit 1,7 Prozentpunkten nahezu dreimal so stark wie unter den männlichen Befragten mit 0,6 Prozentpunkten. Im Vergleich der Altersgruppen findet sich der stärkste Anstieg bei den 50- bis 59-Jährigen (plus 2,1 Prozentpunkte auf 56,6 Prozent), dicht gefolgt von den 60- bis 69-Jährigen (plus 1,9 Prozentpunkte auf 43,2 Prozent).

Einen überdurchschnittlich starken Zuwachs gibt es bei Schülern: Die Breitbandnutzung nahm hier seit letztem Jahr um 3,6 Prozentpunkte zu und liegt aktuell bei 77,6 Prozent. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Onliner zunehmend in höhere Bandbreiten wechseln. Das zeigen vor allem die Zuwächse bei Kabelanschlüssen. Das heißt aber auch, dass den Nutzern rechtzeitig hohe Bandbreiten zur Verfügung stehen müssen“, erklärt Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Gerade über das attraktive und einfach zu bedienende mobile Internet sei zusätzliches Potenzial für einen weiteren Anstieg der Internetnutzung vorhanden, ergänzt er.

Datenschutzbedenken und fehlende Unterstützung

16,5 Millionen Bürger in Deutschland verzichten auf das Internet – als häufige Gründe hierfür werden Datenschutz– und Sicherheitsbedenken genannt: Mit 67,5 Prozent sind Datenschutzbedenken der häufigste Grund für die Nichtnutzung, Sicherheitsbedenken haben 59,1 Prozent der Nichtnutzer. Wenn Unterstützung in Sachen Internet benötigt wird, dann geben 64,2 Prozent der Nichtnutzer an, dass ihre Kinder, Freunde oder Bekannte Dinge für sie im Internet erledigen. Hier sind deutliche Unterschiede bei den Nutzungsplanern und Offlinern zu sehen: 90,3 Prozent der Nutzungsplaner holen sich bei der Internetnutzung Unterstützung, aber nur 61,7 Prozent der Offliner. Die eigentlichen Vorteile und der Nutzen des Internets werden von den Nutzungsplanern also offenbar gesehen.

Fraglich bleibt allerdings, was ursächlich dafür ist, nicht selbstständig online zu gehen. Mangelnde Erfahrung mit dem Computer ist laut akutellem (N)Onliner Atlas ein weiterer Grund, der die Nichtnutzer insgesamt von der Nutzung abhält (58,5 Prozent). 44,1 Prozent sehen grundsätzlich keinen Nutzen oder Vorteil im Internet. 33 Prozent der Nichtnutzer haben niemanden, der ihnen das Internet erklärt. 28,6 Prozent geben zwar an, das Internet bereits genutzt zu haben, verzichten aber bewusst darauf. 55,9 Prozent der über 50-Jährigen sehen altersbedingt keinen Sinn in der Internetnutzung.

www.nonliner-atlas.de

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