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Diesen Tech- und Internet-Unternehmen hat Apple auf der WWDC den Krieg erklärt

Diese Unternehmen will Apple mit neuen Apps und Technologien vom Thron schubsen

Apples Ankündigungsfeuerwerk auf der traditionellen Entwicklerkonferenz WWDC verändert über Nacht die Perspektiven von einigen aufstrebenden Start-ups, die mit ihren Produkten ihr Marktsegment dominiert haben. Aber auch für Samsung und Google droht Gefahr.

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Von Nils Jacobsen

iOS 9, OS X 10.11, watchOS 2.0, eine News App, eine komplett überholte Notes App und natürlich der neue Streaming-Dienst Apple Music  – Apples zwei Stunden und 20 Minuten lange Keynote der turnusmäßigen Entwicklerkonferenz WWDC hatte es in sich. Vor allem für die unmittelbar betroffene Konkurrenz, die sich auf einiges gefasst machen muss, wenn der wertvollste Konzern der Welt seine neuen Produkte ausrollt. Das sind die Dienste, die diese Unternehmen zu WWDC-Verlierern machen:

Apple Music —> Spotify, Tidal, Rdio, Deezer, Pandora

Es war keine Überraschung: Apple kündigte 15 Jahre nach dem Start von iTunes seinen Musik-Streaming-Dienst an, der als „Apple Music“ ab dem 30. Juni in 100 Ländern der Welt (inklusive Deutschland) den Betrieb aufnehmen soll. Apple Music, das mit „Connect“ Künstlerseiten im Stile von MySpace und mit Beats1 einen globalen 24/7-Internetradiosender mit Star DJs anbietet, kann gegen eine Gebühr von 9,99 Dollar / Euro im Monat für einen Nutzer oder 14,99 Dollar/Euro im Monat abonniert werden.

Angesichts von fast 900 Millionen iTunes Accounts ist klar, womit die Konkurrenz nun zu rechnen hat: Mit der Dominanz eines neuen 800 Kilo Gorillas, der die Musik-Landschaft nach Belieben umpflügen wird. Man mag Apple Music nicht innovativ finden und vielleicht sogar gehässig als Spotify-Nachahmung empfinden, doch ignorieren kann kein Streaming-Anbieter Apple Music – vor allem angesichts der drei Freimonate, die Apple zum Testen gewährt.

Den Launchtag am 30. Juni wird der wackere Spotify-Gründer Daniel Ek wohl sein Leben nicht vergessen: Es dürfte der Tag sein, an dem sein Streaming-Imperium nach acht Jahren des expansiven Wachstums in einen Abwehrkampf gedrängt wird, den die Schweden nur verlieren können, auch wenn sie ihr Angebot radikal in Richtung Videos erweitert haben.

„Oh ok“, war die initiale Reaktion von Ek auf Twitter auf die Apple Music-Enthüllung – leider löschte Ek seinen Tweet wieder, der zweifellos das Potenzial auf die zehn berühmtesten Einträge des 140-Zeichen-Dienstes gehabt hätte. Es ist der Moment, in dem der Spotify-CEO wusste: Hier kommt die Flut.

Das gilt natürlich in noch weitaus größerem Maße für die kleinere Streaming-Konkurrenz von Rdio, Deezer und dem gerade von Jay Z hastig gestarteten Premium-Dienst Tidal, die alle wenig Freude an Apple Music haben dürften. Wie heißt es bei der US-Wahl so schön: The Winner takes it all.

Was aus dem in den USA beliebten Internet-Radio-Anbieter Pandora wird, ist ebenfalls sehr offen – Beats1 streamt 24 Stunden, 7 Tage in der Woche rund um den Erdball. Anleger regierten ziemlich skeptisch und verkauften die angeschlagene Pandora-Aktie gestern um weitere drei Prozent ab.

Apple News —> Flipboard

Wie im Vorfeld erwartet worden war, stellte Apple gestern ebenfalls eine News App vor – Apple News. Leser bekommen nach Interessen neue Artikel angezeigt, die sie mit einem Klick in den Social Networks teilen oder auch speichern können. Apple News wird im Herbst als Teil von iOS 9 zunächst im englischsprachigen Raum ausgerollt: in den USA, Australien und Großbritannien. Zum Start sind etwa die New York Times, Condé Nast,  Time, CNN, Bloomberg und ESPN dabei.

Die Aufbereitung der Inhalte in Apple News soll „in einem eleganten, übersichtlichen Design“ erfolgen. Apple verspricht ein Leseerlebnis, „das die reiche, umfassende Gestaltung eines Print-Magazins mit der Interaktivität der digitalen Medien kombiniert.“

Neu ist das Konzept eines personalisierten Nachrichtenmagzins für mobile Endgeräte freilich nicht. Seit dem Launch 2010 arrangiert Flipboard auf dem iPad zahlreiche Medien-Inhalte in der Art eines klassischen Print-Magazins und galt nach dem Start des Apple-Tablets als eine der Vorzeige-Apps des iPads; zwei Jahre später kam Flipboard auch auf das iPhone.

Die kostenlose Nachrichten-App ist nach dem Launch von Apple News-App der augenscheinliche Verlierer. Bliebe bis zum Launch von Apple News im Herbst noch die Möglichkeit eines Exits: Flipboard wurde in den vergangenen Jahren immer wieder als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt  – zuletzt von Twitter.

Neues Notes —> Evernote

Der Notiz-App Notes, die sich über Jahre im Dornröschenschlaf befand und seit der ersten iPhone-Generation 2007 lediglich Veränderungen in der Schriftform und Versandnoption erfahren hat, erweckte Apple gestern zu neuem Leben.  Craig Federighi spendierte Notes neue Features wie Erinnerungslisten, die Möglichkeit, Skizzen zu zeichnen, Fotos einzufügen oder neue Formatierungsoptionen, wie man sie bislang von Evernote oder Microsofts OneNote kannte.

Während Microsoft die Mittel hat, seinen digitalen Notizblock über Office massenmarkttauglich zu halten, dürften auf die beliebte Produktivitäts-App Evernote, die auch schon mit über eine Milliarde Dollar bewertet wird, schwere Zeiten zukommen. Vor allem die Premium-Option, die mit 5 Euro im Monat zu Buche schlägt, dürfte in Zukunft stärker hinfragt werden – und damit am Ende des Tages auch das Geschäftsmodell des sieben Jahre alten US-Unternehmens.

iOS 9 —> Samsung, Google

Viele bekannte Features auf dem mobilen Betriebssystem iOS werden in der nächsten Generation smarter, schneller und einfacher zu bedienen. Die Karten-App Maps weist etwa verbesserte Funktionalitäten inklusive der Integration der Abfahrtszeiten von öffentlichen Verkehrsmitteln auf („Transit“).

Zudem launchte Apple mit Proactive so etwas wie eine Antwort auf Google Now: Die persönliche Sprachassistentin Siri soll auf Basis des gelernten Nutzerverhaltens buchstäblich „proaktiv“ antizipieren, was der Nutzer als nächstes vorhat und so etwa Playlisten vorschlagen oder an Termine erinnern.

Nachdem Google vor zwei Wochen auf der I/O eine wenig bahnbrechende Keynote abgehalten hatte, schließt Apple nun ein paar Versäumnisse gegenüber der Android-Welt. Viel ändert sich in den Perspektiven für die beiden dominierenden mobilen Betriebssysteme freilich nicht – iOS und Android werden weiter aus den gleichen Gründen ihre Fans haben. Aber Apples Ökosystem wurde durch die zahlreichen neuen Diensten wie Apple Music, Apple News und Notes in der Gesamtheit weiter aufgewertet.

Das dürfte nicht zuletzt der dominierende Hardware-Verkäufer auf dem Smartphone-Markt zu spüren bekommen: die Argumente für Geräte von Samsung sind nach der WWDC-Keynote kaum größer geworden. Entsprechend kräftig kam die Samsung-Aktie gestern mit einem Minus von fast 4 Prozent im deutschen Handel unter die Räder.

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