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Die Businesspotenziale des Internet of Things richtig ausschöpfen

Rainer Wiedmann

Als Brückenschlag zwischen digitaler und physischer Welt ist das Internet of Things der nächste Schritt in der digitalen Evolution. Elf Billionen Dollar bis 2025 – das ist der weltweite wirtschaftliche Mehrwert der intelligenten Vernetzung, den McKinsey in seiner jüngsten Studie prophezeit hat. Ein immenses Kapital, auf das sich der Wettbewerb in den nächsten Jahren branchenübergreifend konzentrieren wird

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Zunächst machte uns das Web 2.0 vom Inhalte-Rezipienten zum Content-Lieferanten, dann ermöglichten uns Mobile Web und E-Commerce, auch von unterwegs zu shoppen oder fernzusehen, und künftig wird das Internet of Things unsere gesamte Lebenswelt digital verbinden.

Vom Produkt zum Service

Der größte wirtschaftliche Mehrwert des Internet of Things liegt weniger in den Produkten selbst als vielmehr in den Service-Geschäftsmodellen, die drum herum gebaut werden. Bislang rein produktbezogene Hersteller werden im IoT-Zeitalter zu Dienstleistern und schaffen so einen echten Mehrwert für ihre Kunden. Unternehmen wie Google oder Apple gelingt das bisher vor allem über ihre elektronischen Devices und der entsprechenden Hard- und Software.

Die großen Player der Internetbranche beweisen schon seit einigen Jahren, dass das Internet of Things mehr als nur ein Hype ist. Sie rüsten sich zunehmend mit Firmen-Zukäufen und eigenen Entwicklungen für den Verteilungskampf um die zentrale Führungsrolle innerhalb der neuen Technologie und ihren schier unendlichen Geschäftsmöglichkeiten. Vom Produkt zum Rund-um-Service lautet die Devise, mit der die Internetgiganten nicht nur ihr eigenes Angebotsportfolio erweitern, sondern auch andere Märkte wie die Automobil-oder Hausgerätebranche erobern.

Das Erfolgsrezept liegt dabei nicht nur in ihrer technischen Expertise, sondern vor allem in der Erkenntnis, dass vernetzte Produkte erst durch die sinnvolle Einbindung in ein IoT-Ökosystem ihr volles Potenzial entfalten können. Höchste Zeit also für traditionelle Herstellerunternehmen, ihr Produktportfolio IoT-tauglich zu machen, um die digitalen Ökosysteme aktiv mitgestalten zu können.

Schneller Markteintritt durch Sensoren und Wearables

Der Einstieg in ein IoT-Angebot muss allerdings nicht mit einem „Big Bang“ und völlig neu konzipierten Produkt- und Serviceleistungen geschehen. Für einen ersten zügigen Reichweitenausbau sorgen so genannte Add-on-sensors, die eine einfache Nachrüstung des bestehenden Produktbestands ermöglichen. Durch diese „digitale Aufwertung“ erweitern sich nicht nur die Gebrauchsmöglichkeiten von bestimmten Artikeln, sondern es werden auch zeitnah ausreichend Nutzerzahlen generiert, mit deren Hilfe sich mehrwertorientierte Services entwickeln lassen.

Das Bluetooth-Modul TrackmyTools von Bosch beispielsweise optimiert das Bestandsmanagement oder auch die Arbeitsabläufe auf einer Baustelle, indem via Software und Smartphone jederzeit und von überall geprüft werden kann, wo sich welche Werkzeuge im Einsatz befinden. Die Verbesserung der Leistungsfähigkeit hatte auch der französische Sportartikelhersteller Babolat im Sinn, als er vor kurzem sein vernetztes Tennisarmband „Babolat POP“ auf den Markt brachte. Das intelligente Wearable misst und analysiert die Performance des Spielers – egal, welchen Tennisschläger er verwendet. Das offene System ermöglicht es darüber hinaus, die Daten mit anderen zu teilen.

Aufbau von branchenübergreifenden Servicesystemen

Ziel der „digitalen Aufrüstung“ sollte es sein, das eigene IoT-basierte Produkt- und Servicesystem so aufzubauen, dass es sich nachhaltig mit anderen Systemen zusammenführen lässt. Die Übernahme des Thermostatherstellers Nest durch Google ist ein Paradebeispiel einer solchen synergetischen Verschmelzung, weil dem Internetgiganten so der Sprung in den Billionen schweren Energiesektor gelungen ist. Google Nest baut als Schnittstelle zwischen Verbraucher und Energieanbieter ein eigenes Energie-Ökosystem auf, dessen Wertschöpfung in der Vernetzung der Daten rund um den kompletten Prozess der Temperatursteuerung in Privathäusern liegt.

Eine Revolution in der Landwirtschaft hat dagegen John Deere ausgelöst. Der internationale Anbieter von Landmaschinen verarbeitet über eine Software und korrespondierenden Applikationen eine große Menge an Daten, um den Farmen maßgeschneiderte Empfehlungen zu geben. Dies umfasst neben Wetterdaten auch Informationen über Zustand, Auslastung und Fortschritt der Maschinen. Flottenmanagement und Arbeitseinsatzplanung erfahren dadurch eine gewaltige Verbesserung.

Um die Geschäftspotenziale heben zu können, die das Internet of Things sowohl für den B-to-C- als auch für den B-to-B-Markt bietet, müssen Unternehmen ihre digitale Infrastruktur entsprechend ausbauen. Denn die bildet die notwendige Grundlage und das organisatorische Gerüst für den Erfolg in einer vernetzten Welt. Dazu gehört etwa die Entwicklung von Apps, die Stärkung der eigenen digitalen Community, die Erweiterung von Vertriebswegen und allem voran die Bildung von strategischen Allianzen.

Wer in den kommenden zwei Jahren nicht die Weichen stellt und sein Produktportfolio sowie seine Marketing- und Vertriebssysteme IoT-tauglich macht, der wird die digitalen Ökosysteme nicht mitgestalten können und damit den Zugang zu den neu entstehenden Märkten verlieren.

Über den Autor: Mit iq!, einer Managementberatung für die digitale Transformation von Großunternehmen, hob Rainer Wiedmann 2014 bereits seine dritte Firma aus der Taufe. Wiedmann blickt zurück auf 20 Jahre Erfahrung im Digital Business – er gründete unter anderem die internationale Agenturgruppe „Die Argonauten“, die mittlerweile zum WPP-Netzwerk gehört.

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