Die Angst der Datenschützer vor amerikanischen Konzernen

News Staatliche Datenschützer wie Johannes Caspar aus Hamburg inszenieren sich in der Netz-Debatte gerne als Hüter der entrechteten und enterbten Verbraucher, die von amerikanischen Dunkelmänner-Konzernen wie Google oder Facebook ausgenommen werden: „Persönliche Daten werden immer mehr zu einer Handelsware, an der private Unternehmen mehr Interesse haben als der Staat. Um Bürgerinnen und Bürger vor einem Ausverkauf dieser Daten zu schützen, bedarf es einer modernen Datenschutzstrategie“, glaubt Caspar. Über den Staatstrojaner-Vorratsdatenspeicherung-Netzsperren-Volksüberwachungs-Aktivismus von Bundes- und Landesregierungen hört man von den Datenschutz-Bürokraten wenig.

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Von Gunnar Sohn

An ihren Taten sollt ihr sie messen und nicht an der kindischen Anti-Cookie-Like-Button-Leerformel-Rhetorik von Caspar und Co. Am Ende des Tages ist unsere Privatsphäre nicht um einen Millimeter besser geschützt. Im Gegenteil. Wir werden eingelullt und hören nicht mehr die Einschläge, die unsere Freiheitsrechte bedrohen. Personalisierte Werbung und sittenwidrige AGBs zählen nicht dazu. Das soll keine Entlastung für die rüde Geschäftspolitik von Facebook und Google bedeuten. Hier müssen wir in Europa endlich unsere Hausaufgaben machen und den Monopolisten aus Übersee bessere Web-Dienste entgegenstellen. Zurzeit machen die amerikanischen Dickfische einfach einen besseren Job, wie man am Beispiel Amazon ablesen kann.

Es sind pfiffige Geschäftsmodelle gefragt und keine staatlichen Volksaufseher. Letztere sind wohl immer noch durchdrungen von einem Menschenbild aus den 1950er Jahren: „1957 war Vance Packards Buch ‚Die geheimen Verführer‘ erschienen und prägte die Vorstellung eines ohnmächtigen, von Medien und Werbung wie eine Marionette geführten Konsumenten. Diese Leitvorstellung hielt sich bis in die siebziger Jahre – allerdings hatte das angebliche Medienopfer da mit der Fernbedienung längst ein bedeutendes Machtinstrument in der Hand. Für Werbetreibende und Programmgestalter wurde der Mediennutzer zu einem potenziell treulosen Wesen. Mit dem Internet hat sich die Kanalvielfalt und die Bewegungsfreiheit der Nutzer ins Millionenfache erweitert. Vor allem: Wenn an irgendeiner Stelle zensiert, manipuliert oder intransparent gefiltert wird, wird darüber nicht mehr nur in herkömmlichen Massenmedien berichtet, sondern auch in den zahllosen neuen Meinungsblasen im Netz – von kleinen Kommentarfeldern bis hin zu großen Blogs und sozialen Netzen“, sagt der Publizist Peter Glaser.

Wir brauchen in Deutschland keine Kindermädchen im Datenschutz, sondern ein Gegengewicht zu den Spionage-Obsessionen der Schlapphut-Fraktion. Facebook, Google, Amazon und Apple bedrohen eingerostete Wirtschaftsbranchen, aber nicht meine Privatsphäre.

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