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Das wünsch ich mir von Facebook

Bei Geburtstagseinladungen ist es üblich, dass der Jubilar einen ausgibt. Bei 7,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz 2013 könnte Facebook dieser sozialen Tradition mühelos folgen. absatzwirtschaft-Autor Frank Puscher hätte da ein paar Vorschläge.

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Sehr geehrtes Facebook,

Glückwunsch zum zehnten Geburtstag! Das hätte ich nicht erwartet. Ich hatte gedacht, aus Ihnen wird spätestens nach zwei oder drei Jahren ein Windows-360-Album oder ein Apple iNet oder ein Googlehupf. Beachtlich gehalten für einen Totgesagten, wenn man mal die 16 Prozent Wachstum aus dem letzten Jahr anguckt. Wobei, mich beschleicht da ja immer so eine halb-professionelle Ahnung: Meine Freundin war mal Messe-Veranstalterin (so eine mit Internet und so) und die hat auch immer ein bisschen geschwindelt, wenn es um die Besucherzahlen ging. Da zählt man schnell mal auch die dazu, die nur am Fenster vorbeigelaufen sind. Das sind dann halt Kurzbesucher. Aber wegen ein paar Milliarden hin oder her wollen wir ja nicht kleinlich werden.

Ich habe mal nachgerechnet und festgestellt, dass ich fast genau auf den Tag doppelt so lange online bin wie Sie. Gut, mir hat heute noch niemand dazu gratuliert und ich weiß auch nicht so recht, ob ich das feiern soll, aber eigentlich dürfte ich mir von Ihnen ja dann vielleicht etwas wünschen. Naja, ob ich darf oder nicht, ist ja in unserer digitalen Lebenssphäre doch ziemlich egal. Wir machen einfach und dann „schau mer mal“. Das hat schon der Kaiser so befohlen. Sie, liebes Facebook, machen das schon ziemlich gut. Ich kann mich nicht so recht vom Um-Erlaubnis-Fragen verabschieden. Ich bin da eben ein bisschen zu Deutsch, lassen Sie sich davon nicht stören.

Also, wenn ich mir was wünschen darf – und … ha … ich tu das jetzt einfach mal – dann vielleicht, dass Sie mich um Erlaubnis fragen. Fragen kostet nichts, sag ich meinen Söhnen immer, wobei das vielleicht in Ihrem Fall gar nicht stimmt. Sie könnten mich fragen, ob der Sexshop, bei dem ich immer online einkaufe, tatsächlich wissen soll, dass ich Facebook-Kunde bin. Und ich würde dann zurückfragen, ob denn die Facebook-Werbekunden dann unbedingt erfahren müssen, dass ich Sexshop-Kunde bin.

Was Sie mich auch noch fragen könnten, wäre, ob ich tatsächlich nächtlichen Harndrang verspüre, nur weil ich knapp (naja, nicht wirklich knapp) unter 50 bin. Ich glaube, ich würde „Nein“ antworten und dann müsste die Deutsche Chefaro Pharma GmbH sich nicht so wahnsinnig viel Mühe geben, ihre Granufink-Werbebanner an meine Vorlieben anzupassen. Tatsächlich schmeckt Wodka-Granufink gar nicht so mördermäßig und man muss dann trotzdem irgendwann.

Das mit diesem Targeting-Dings läuft zwischen uns ja auch nicht so wirklich doll. Ich meine, Social Media soll doch Spaß machen, oder? Da ist es schon ganz schön doof, dass Sie mir immer zeigen, dass es den Fernseher, den ich gestern unter Aufbietung all meiner schwäbischen Recherche-Fähigkeiten günstigst gekauft habe, heute schon wieder 20 Euro billiger gibt. Das ist doch doof. Könnt ich da nicht irgendwo draufklicken, wo steht „Hab ich schon“? Das wäre doch dann so ein intimes Geheimnis, das ich preisgeben würde.

Vielleicht, liebes Facebook, könnten Sie mich einfach fragen, welche Werbung ich sehen möchte. Sie könnten das mit einem kleinen Bildchen-Spiel kombinieren. Da muss man nicht viel Nachdenken. Einfach klicken. Das gefällt mir, oder, um es mit Ihren Worten auszudrücken, „I like“. Und dann könnten Sie sich ja dieses ganze technische Brimbamborium mit diesem Graf-Dings sparen. Das mögen die Werbefuzzis eh gar nicht so sehr, wie Sie immer glauben. Das macht nämlich viel Arbeit und die bezahlt am Ende wieder keiner. Und dann muss man ein Werbebildchen machen für ein paar hundert Liker. Und für die nächsten hundert wieder ein anderes. Ist doch irgendwie ein Rückschritt.

Was ich cool finde – und da müssen Sie gar nicht mich fragen, das meinen andere ja auch – ist dieser Suchschlitz. Da fragt man einfach, wie viele Facebook-Fans von PitStop aus Indien kommen und dann findet man die gleich alle. Und das ist toll, weil PitStop ja gar nicht in Indien wohnt. Das müssen echte Fans sein. Gut. Ich könnte auch fragen, welche meiner Kolleginnen gerade Single ist. Aber sowas mache ich nicht. Diese Art von Fragen kostet am Ende doch.

Ich hätte da auch noch eine ganze Menge weiterer Wünsche.

  1. Ich finde es super, dass alle auf Facebook sind, aber das ist mit Oma halt so eine Sache. Muss die eigentlich immer mit dabei sein? Das schlägt mir manchmal echt auf die Partylaune. Vielleicht könnte man sowas wie Gruppen einrichten, wo man die dann reinsortiert. Ich würde so eine Funktion Squares nennen. So wie Times Square. Da trifft man sich halt.
  2. Das mit diesem GMBH-hilft-Ding ist riesig. Da kann man mal voll meckern, wenn der DSL-Anschluss nicht funktioniert. Und man freut sich diebisch, weil, die am anderen Ende können ja nicht weg. Wie wäre es mit einem Countdown für Serviceantworten. Welches Unternehmen nicht innerhalb von einer Stunde antwortet – sinnvoll antwortet! – dem werden halt 1.000 Fans abgezogen. Ist ja eh getürkt, diese Zahl (ge-indient, ge-chinat, ge-pakistant).
  3. Das mit dem Hash haben Sie aber noch nicht so ganz im Griff. Da müsste man doch irgendwie noch besser die Nachrichten zusammenfassen können, die zu einem bestimmten Raute-Wort gehören. Twitter macht das irgendwie besser. Oder anders. Oder schneller.
  4. Ach ja, und dazu gehört auch noch dieses Dings mit der Sortierung. Ich finde ja Chronologie total überbewertet. Ich lese gerne dauernd die Dinge, die jemand vorgestern schrieb, ein anderer heute kommentierte und die sich auf etwas beziehen, was vorgestern längst veraltet war. Da bekommt man ein intensives Gefühl für das Raum-Zeit-Kontinuum und dafür, welch kleines Staubkörnchen man darin ist.
  5. Ach und dann wäre da noch diese neue App von gestern. Also mal ganz ehrlich „Facebook Paper“, ist das Ihr Ernst? Ich habe versucht, das auszudrucken, mein Drucker hat das aber irgendwie nicht verstanden. Und echt: Ein ganzes Magazin voll mit dem Besten aus Facebook, also nur Katzenbilder und Kleinkindvideos. Ich weiß nicht.

Hach, Kinder, wie die Zeit vergeht! Eigentlich wollte ich heute arbeiten und habe deswegen extra nicht in mein Facebook-Konto geguckt. Und jetzt sitze ich in Word und schreibe an Facebook.

Haben Sie jetzt überhaupt noch Geburtstag? Ach ne, das ist alles schon wieder vorbei. Aber ich habe bald Geburtstag. Am … ach, das wissen Sie ja längst. Wäre schön, wenn Sie sich dann mal melden. Bringen Sie ein paar gefälschte Glückwünsche mit, damit es nicht so leer bei mir aussieht. Das macht gute Laune und darum geht es doch.

So, ich mach jetzt Schluss. War nett. Und nichts für ungut, wie der Nachrichtendienstler sagt, wenn er jemand zwecklos abgehört hat. Das wird schon zwischen uns innerhalb der nächsten zehn Jahre!

Vielleicht wollen Sie mich ja auch mal was fragen. Ich wäre per Fax erreichbar unter 040 37503361. Aber nur zwischen 14.30 und 14.45 Uhr. Das sind meine Servicezeiten.

Ja, ok. Vielleicht bin ich schwer zu erreichen. Aber mal ganz ehrlich … wie war noch gleich Ihre Faxnummer?

Voller Hoffnung,
Frank Puscher

Und hier noch ein paar Glückwünsche. Soll ich sie ausdrucken und faxen?

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