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Das Apple-Paradox: 2015 war ein Rekordjahr, aber die Börse senkt den Daumen

Tim Cooks Jahr war turbulent

53,4 Milliarden Dollar hat Apple im abgelaufenen Fiskaljahr verdient – so viel wie nie ein Unternehmen in der Wirtschaftsgeschichte. Trotzdem fällt der Jahresausklang so ganz anders aus als noch vor zwölf Monaten: Erstmals in seiner Amtszeit dürfte Tim Cook Apple-Aktionären Verluste einbrocken

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Apple-CEO Tim Cook bleibt ein letztes Ziel, das zu Jahresbeginn noch kaum denkbar schien: irgendwie noch die schwarze Null retten. Bei 107,23 Dollar notiert die Apple-Aktie heute – zu 110,38 Dollar war das Papier ins Jahr gestartet.

Aktuell sitzen Apple-Aktionäre also  auf Kursverlusten von 3 Prozent. Das sind die Dimensionen, die an einem Handelstag aufholbar sind – vor allem mit der Feuerkraft von mehreren Milliarden Dollar in Form von Aktienrückkäufen, die Finanzchef Luca Maestri in den traditionell umsatzschwachen letzten Handelstagen des Jahres anstrengen dürfte, um seinem Boss zumindest die Blamage eines Minusjahres zu ersparen.

Es wäre Cooks erstes Börsenjahr seit Übernahme der Amtsgeschäfte 2011, in dem der „laserscharf fokussierte“ Apple-CEO Aktionären Kursverluste eingebrockt hätte – kaum auszudenken, dass Cook diesen Malus auf sich sitzen lassen will.

2015 dürfte als Tim Cooks schlechtestes Börsenjahr in die Geschichte eingehen

Doch selbst wenn Stützungskäufe in buchstäblich letzter Minute – gehandelt wird an der Wall Street bis zum 31.12. – Apple vor einem Jahr mit Kursverlusten bewahren sollten, dürfte 2015 als Cooks schwächstes Börsenjahr in seiner inzwischen fünfjährigen Historie als Apple-CEO eingehen.

2013, dem ultimativen Krisenjahr der Ära Cook, legte Apple trotzdem um 5,4 Prozent zu. Um das Ergebnis einzustellen, bräuchte Cook mindestens Notierungen von 116,50 Dollar – ein Kurszuwachs von 8,5 Prozent bis zum 31.12., nach dem es aktuell so gar nicht aussieht.

Kursverluste im Rekordjahr

Die statistischen Rechenexempel einmal außer Acht gelassen, dürfte den Workaholic Cook vor allem schmerzen, wie gnadenlos die Wall Street Apples betriebswirtschaftliche Erfolge ignoriert.

Dabei begann Apples 2015 begann mit einem Paukenschlag: Ende Januar verkündete Cook den größten Quartalsgewinn in der Wirtschaftsgeschichte. 18 Milliarden Dollar verdiente Apple im letztjährigen Weihnachtsquartal – mehr als jedes Unternehmen zuvor.

Auf Jahressicht baute Cook den Rekord noch weiter aus: 53,4 Milliarden Dollar verdiente Apple im Fiskaljahr 2014/15, das Ende September zu Ende ging. So viel hat noch nie ein Unternehmen vor Apple in zwölf Monaten verdient. Und das bei beachtlichen Zuwächsen: Um stolze 35 Prozent zogen die Nettogewinne an, der Gewinn je Aktie legte gar um satte 44 Prozent zu. Und doch fällt die Aktie?

Apple Music, iPad Pro, kein Fernseher: ein Jahr der Produktenttäuschungen

Ein Teil der großen Börsenenttäuschung liegt an den mangelnden Innovationen Cupertinos: Apples Produktjahr kann kaum als Erfolg bezeichnet werden. Das neue, große iPad besitzt kaum das Potenzial, die schwindsüchtige Produktsparte wiederzubeleben und scheint sich bereits nach einem Monat im Reich der Mitte als Rohrkrepierer zu entpuppen.

Die neue Generation der Set-Top-Box Apple TV sammelte bei einigen Kritikern zwar Pluspunkte, taugt aber nicht dazu, in der Konzernbilanz Impulse zu setzen; gleichzeitig geht 2015 als das Jahr in die Apple-Historie ein, in dem der lang gehegte Traum eines Apple-Fernsehers, der für milliardenschwere Impulse hätte sorgen können, ausgeträumt wurde.

Der neu gelaunchte Streaming-Dienst Apple Music konnte vom Start weg ebenfalls nicht überzeugen und vergraulte selbst größte Apple-Apologeten wie Jim Dalrymple. Angeblich drei Milliarden Dollar musste Cupertino lockermachen, um die Musikindustrie zum Start Ende Juni an Bord zu haben – den Kniefall vor Taylor Swift und spätere millionenschwere Nachzahlungen wohl nicht eingeschlossen.

Was Apple Music dem iKonzern unterm Strich tatsächlich einbringt, dürfte künftig weiter beliebtes Spekulationsobjekt bleiben – Profite jedenfalls dürften es eher nicht sein…

Apple Watch kann nicht überzeugen

Und dann ist da noch das eigentliche Apple-Produkt des Jahres: die erste neue Produktkategorie seit dem iPad, das bekanntlich 2010 das Licht der Welt erblickte. Mit maximalem medialen Getöse bereits Anfang September 2014 angekündigt, konnte die Apple Watch dann doch erst Ende April bestellt und von den meisten Kunden erst im Frühsommer in den Apple Stores erworben werden. Verkaufserfolge? Sehr Apple-untypisch hat Tim Cook die Apple Watch  mit einem verdächtigen Mantel des Schweigens überzogen – und mysteriöserweise unter den „Anderen Produkten“ versteckt: der schwindsüchtigen iPod-Sparte, dem übernommenen Kopfhörern von Beats und den Set-Top-Boxen Apple TV. Seit nunmehr zwei Quartalen rätselt die Wall Street, was das erste neue Apple-Produkt seit fünf Jahren, das gleichzeitig das erste eigene Produkt der Ära Tim Cook ist, nun wirklich im Umfeld von „Anderen Produkten“ verloren hat? Analysten haben unterdessen versucht, zumindest die ungefähren Absatzzahlen und mutmaßlichen Umsätze aus der Sammelsparte herauszubrechen und kommen nach jeder Lesart zu Schätzungen, die eindeutig unter den Launch-Prognosen liegen: Im Juni-Quartal wurden nach Analysenschätzungen etwa 2,5 Millionen Einheiten verkauft, im September-Quartal sollen rund drei Millionen Apple Watches abgesetzt worden sein. Das Weihnachtsgeschäft wird nun zum Moment der Wahrheit für das neue Apple-Gadget – so der so.

Das iPhone wird zum Sorgenkind

All das wären bestenfalls Nebengeräusche, die in erster Linie zu erhitzten Debatten zwischen Hardcore-Apple-Fans und Tech-Nerds führen – die Wall Street interessiert sich indes nur für das eine Apple-Produkt, das weiter für zwei Drittel der Umsätze und über 70 Prozent der Gewinne verantwortlich ist – das iPhone. Und das iPhone schwächelt offenkundig. Die abgelaufenen Quartalsbilanzen sind noch mit zweistelligen Zuwächsen gespickt, die aus einer Zeit kommen, in der sich das iPhone 6 mit dem iPhone 5s messen konnte – und China Mobile im ersten Jahr des Vertragsabschlusses für zusätzlichen Auftrieb im Reich der Mitte sorgte. Dieser Doppeleffekt ist nun ausgelaufen – und das neue iPhone 6s offenkundig nicht in der Lage, für weiteres Wachstum zu sorgen, selbst wenn Apple mit dem Kunstgriff eines um eine Woche verzögerten Launches im September noch die Weihnachtsbilanz retten sollte. 2016, so sind sich inzwischen immer mehr renommierte Investmentbanken einig, wird das erste Jahr des schrumpfenden iPhones – nicht in der Form, sondern nach Absatzzahlen.

Apple-Aktie seit Sommer unter Druck

Und schrumpft das iPhone, dürfte Apple in der Gesamtheit kaum mehr wachsen können, das ist die einfache Alles-oder-Nichts-Logik des wichtigsten Produkts in Apples 40-jähriger Unternehmenshistorie. Die Erkenntnis der bitteren Zeitenwende Cupertinos ist im Sommer nach Verkündung der enttäuschenden Geschäftsbilanz für das dritte Quartal Ende Juli gereift. Seitdem betrachtet die Börse Apple, metaphorisch gesprochen, wie Bastian Schweinsteiger: wie eine Ikone, die das Beste hinter sich hat. Seit Sommer befindet sich Apple im beharrlichen Abwärtstrend, der die Aktie bis heute 21 Prozent vom Allzeithoch bei 134,54 Dollar hat einbrechen lassen und dabei 200 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet hat – in der Spitze beim Flash Crash im August, der Apple kurzzeitig bis auf 93 Dollar abstürzen ließ, waren es gar über 300 Milliarden Dollar.

Internet-Platzhirsche beschenken Aktionäre 2015 reich – Apple vernichtet Kapital

Besonders bitter ist Apples Niedergang für Cook im Vergleich zu den enormen Zuwächsen, die die Tech- und Internet-Konkurrenz 2015 an der Börse verbuchen konnte. Selbst Erzrivale Microsoft liegt seit Januar um 19 Prozent vorne, während im Internetsektor der wahre Goldrausch ausgebrochen ist: Facebook liegt seit Jahresbeginn um 35 Prozent vorne, Google um 42 Prozent, während Amazon ein Wahnsinnsjahr mit Kurszuwächsen von 114 Prozent verbuchen konnte.

Die Wall Street, an der nur die Zukunft gehandelt wird, sendet damit an Tim Cook mit den Kursverlusten im Rekordjahr ein unmissverständliches Signal: Apple wird als die Vergangenheit betrachtet.

Mit 597 Milliarden Dollar ist Apple noch der wertvollste Konzern der Welt – doch Alphabet ist mit 527 Milliarden Dollar nicht mehr weit entfernt. Kurszuwächse von ganzen 13 Prozent trennen die Google-Mutter noch vom Platz an der Börsensonne – es sei denn, Apple tut Alphabet den Gefallen fortgesetzter Kursverluste. Es könnte schnell gehen mit der Thronfolge im Silicon Valley und an der Wall Street in 2016…

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