Was die Körpersprache von Führungskräften verrät

13.04.2012.  „Führungskräfte sollten mit ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe argumentieren“ – sagen die Einen. „Führungskräfte sollten führen und nicht der Freund ihrer Mitarbeiter sein“ – sagen die Anderen. Welchen Kurs auch immer eine Führungskraft einschlägt: Erkennen können Sie es an ihrer Körpersprache.

Körpersprache ist die äußere Darstellung unserer inneren Haltung. Alles, was wir mit unserem Körper tun, hat seinen Ursprung in uns; wo sollte es sonst herkommen? Die Art, mit der sich jemand bewegt, gibt und spricht, sagt also immer etwas über seine Einstellung und seinen Charakter aus.

Mehr als die Hälfte unserer Wirkung wird durch unsere Körpersprache bestimmt. Aus diesem Grund ist kaum verständlich, weshalb immer noch viele Führungskräfte glauben, Kompetenz und Inhalte seien entscheidender als die Art, auf welche man diese vermittelt. Tatsächlich jedoch sind diese meistens zweitrangig; insbesondere Wissen und Befugnisse werden entweder meist als richtig und vorhanden vorausgesetzt oder ohnehin nicht in Frage gestellt; über menschliche Qualitäten jedoch sagen sie rein gar nichts aus.

Je höher der Status, desto distanzierter die Körpersprache

Nicht jede Führungskraft ist zwangsläufig auch eine Führungspersönlichkeit. Insgesamt gilt: Je höher der berufliche Status, desto deutlicher sieht man dies der Körpersprache an: Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsratsmitglieder internationaler Unternehmen, Führungskräfte großer Institutionen und Wirtschaftszweige, Diplomaten, Politiker aber auch Führungskräfte in weniger prominenten Positionen: Je härter der Weg war, den man zurücklegen musste, um eine Position zu erreichen, umso stärker wird der Mensch auf seinem Weg geprägt. Neben fachlichen Kompetenzen sind dabei Ehrgeiz und Zielstrebigkeit notwendige Charaktereigenschaften. Für Führungskräfte daher oft typische und mit wachsender Stellung in der Hierarchie umso stärker nach außen tretende körpersprachliche Signale sind:

● knappe und eindeutige Gesten

Entschiedene Menschen konzentrieren sich auf Entscheidendes. Unruhige Bewegungen deuten auf Unentschlossenheit, Nervosität oder Zaghaftigkeit hin. Wer weiß, dass er in seiner Position Akzeptanz erfährt, kann auf weitschweifige Gesten verzichten.

● Beschäftigung mit anderen Dingen, während jemand spricht

Ein Verhalten, das mitunter als arrogant oder unhöflich wahrgenommen wird, da man seinem Gegenüber auf diese Weise signalisiert, dass neben dessen Anliegen vermutlich weitere als mindestens ebenso wichtig oder wichtiger bewertet werden.

● Verletzung von Distanzzonen anderer und Ausweitung des eigenen Raumes

Dass Führungskräfte Aufgaben zuweisen und delegieren ist normal. Mitunter werden solche Anweisungen jedoch mit körperlicher Berührung kombiniert. In der deutschen Kultur ist Körperkontakt im geschäftlichen Kontext mit Ausnahme des Händedrucks bei der Begrüßung allerdings ein Tabu. Er stellt einen Eingriff in die Intimsphäre dar, zu dem sich der dieses Tabu Verletzende jedoch offensichtlich berechtigt fühlt. Diese und weitere Formen der Distanzverletzung, zum Beispiel nahes Herantreten an Untergebene, sind Signale des eigenen Führungsanspruchs.

Überdies wird der eigene Machtbereich durch raumgreifende Ausweitung vergrößert. Ausladende Gesten dokumentieren dabei den Status ebenso wie ein großer Schreibtisch mit „Chefsessel“ in einem geräumigen Büro. Das Betreten eines Mitarbeiterbüros ohne Anklopfen ist ebenfalls ein Hinweis auf einen Territorialanspruch.

Da Frauen deutlich mehr soziale Eigenschaften und Fähigkeiten haben als Männer, äußert sich dies natürlich ebenfalls in ihrer Körpersprache: Diese ist meist zurückhaltender und weniger raumgreifend. Daraus allerdings geringere Führungsqualitäten abzuleiten, wäre zweifellos eine typisch männliche – und falsche – Sichtweise. Im Gegenteil, aufgrund des bei Frauen grundsätzlich stärker ausgeprägten Sinnes für Harmonie und Fairness sind Frauen oftmals die umgänglicheren Führungskräfte. Allerdings sollten sie darauf achten, nicht durch zu viel körpersprachliche Bescheidenheit zu weich zu wirken und dadurch an Akzeptanz zu verlieren.

Welches Vorgehen man als Führungskraft auch immer für das richtige halten mag: Man sollte dazu stehen und nicht versuchen, etwas anderes darzustellen, als man ist. Ein kollegialer Chef wird auf allzu deutliche Machtgesten verzichten, während eine Führungskraft die vorgibt, ihre Tür stehe den Mitarbeitern immer offen, sich ebenso unglaubwürdig macht, wenn sie stets peinlichst darauf bedacht ist, sie geschlossen zu halten. Für den Zweifelsfall gilt: Glauben Sie eher der Körpersprache als dem gesprochenen Wort. Denn unser Körper lügt nicht.

Über den Autor:
Jan Sentürk ist Experte für Körpersprache und Kommunikation. Als Redner, Trainer und Autor steht er regelmäßig für verschiedene TV-Produktionen als Experte vor der Kamera, analysiert Politiker und Prominente und erläutert Unterschiede zwischen weiblicher sowie männlicher Körpersprache. Sein neues Buch „Schulterblick und Stöckelschuh“ widmet sich im Schwerpunkt den Unterschieden zwischen weiblicher und männlicher Körpersprache. Es ist im Februar 2012 erschienen.

13. April 2012

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