22.12.2011

Analyse und Fiktion

Wie Google, Amazon, Apple und Facebook um die Weltherrschaft kämpfen

Amerika beherrscht die Welt. Nicht mehr kolonial, nur noch gelegentlich militärisch, aber vor allem kulturell. Das zumindest meinte „Der Spiegel“ in seiner vorletzten Ausgabe und das meinen auch zahlreiche Experten in Online-Marketing oder E-Commerce. Die vier Web-Giganten Google, Amazon, Apple und Facebook sind an den Börsen 750 Milliarden US-Dollar wert. Die Spiegel-Autoren verglichen das mit Beträgen, die bei der Rettung schwächelnder Euro-Staaten zur Diskussion stehen. Tatsächlich werden die „fantastischen Vier“ 2011 rund 180 Milliarden US-Dollar an Umsatz erwirtschaften. Der Löwenanteil geht an Apple. Die Frage aber lautet: Macht ein enormer Unternehmenswert die Marktposition sicherer?

Von Frank Puscher

Die Summen sind astronomisch und die Leistungen der vier Unternehmen in ihren jeweiligen Segmenten unbestreitbar. Die Kriegskassen sind prall gefüllt. Nur Amazon schwächelt derzeit ein wenig. Im vierten Quartal lag der Umsatz bei 9,9 Milliarden Dollar, der Gewinn allerdings nur bei 191 Millionen. Eine Umsatzrendite von rund 1,9 Prozent, da ist das Geld zum Beispiel bei der Metro-Gruppe (unter anderem Kaufhof) weitaus besser angelegt. Die spannende Frage, die sich stellt, ist die der Ableitung, die viele Marktbeobachter führen. Geht es nach dem „Spiegel“, sind die vier Unternehmen dabei, nach der ökonomischen Weltherrschaft zu greifen. Sie zwingen ganze Branchen in die Abhängigkeit und diktieren selbst die Regeln des digitalen Geschäfts. Als Besitzer und Sammler wertvoller Datenschätze sind alle vier in der Lage, ihre jeweilige Marktposition so zu stärken, dass hohe Eintrittsbarrieren entstehen. Zitat: „Und der Rest der Welt? Schaut dabei zu, wie dieses Quadrumvirat fast im Alleingang letzte Nischen unseres Lebens, unserer Kultur, unserer Wirtschaft erobert.“

Die Marktmacht dieser großen Vier steht allerdings auf tönernen Füßen. Würde man allen vier Unternehmen von heute auf morgen den Stecker ziehen, dann würde das Internet eine kurze Phase lang über einen Schluckauf klagen und dann zur Tagesordnung übergehen. Beispiel Amazon: Der Generalversender arbeitet wie erwähnt mit einer sehr geringen Marge, weil das kompetitive Umfeld nicht mehr zulässt. Das spricht für sich. Eine Million Onlineshops buhlen um die Gunst der Kunden und viele davon nicht schlechter als Amazon. Wäre die Website offline, würde sich aus Kundensicht praktisch nichts ändern, außer vielleicht, dass man sein Adressbuch und seinen Wunschzettel verlieren würde. Etwas anders sieht das im Marketplace aus, jener Ansammlung von Firmen vom Großkonzern bis zum Garagen-Start-Up, die alle unter der Dachmarke Amazon verkaufen. Sie würden Kunden verlieren, die sich allerdings auf den Gesamtmarkt neu verteilen. Die Neukundengewinnung erfolgt dann zum Beispiel über die Preisvergleichsportale, die in der Regel heute schon eine signifikant bessere Usability bieten als die Bezos-Company. Und wenn dann doch noch Bedarf nach einer Marktmacht besteht, so fiele die Wahl vielleicht auf den ehemaligen „Weltbeherrscher“ Ebay. Mit elf Milliarden Dollar Jahresumsatz auch kein Büdchen.

Beispiel Facebook: 3,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz sind nicht wirklich eine magische Zahl. 850 Millionen Mitglieder hingegen schon. Für viele davon ist Facebook eine schöne Freizeitbeschäftigung. Das Abschalten der Seite würde den Verlust von Kontakten bedeuten. Andererseits hat der Umgang mit Facebook den Umgang mit jedem anderen sozialen Netzwerk gelehrt. Google+ stünde nach dem Abschalten zwar auch nicht zur Verfügung aber es gibt unzählige kleinerer, teils spezialisierter Netzwerke, die den Nutzern ein neues Zuhause bieten könnten. Die heißesten Kandidaten wären die VZ-Netzwerke oder der holländische Liebling Hyves, sofern die beiden den Tag des Abschaltens noch erleben. Und dann warten natürlich auch noch Xing, Twitter, Linkedin, und viele, viele mehr auf neue Mitglieder.

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