14.02.2012

Social Commerce

„Was außergewöhnlich gut funktioniert, sind Pop-up Fan-Stores in Facebook“

Welche Unternehmen machen Social Commerce? Was sind die Parameter? Gibt es bereits Erfolgsbeispiele und welche Lektionen lassen sich daraus lernen? Und: Hilft der Open Graph, den Nutzer und Konsumenten besser zu verstehen? absatzwirtschaft-Experte Bernhard Steimel sprach mit Paul Marsden, dem Social-Commerce-Guru in Europa. Es ist vielleicht das erste Mal, dass ein Experte so konkrete Aussagen trifft, wie das Thema Social Commerce anzupacken ist.

Welche Unternehmen repräsentieren heute schon das neue Phänomen des Social Commerce auf positive Weise?

PAUL MARSDEN: Also, Amazon macht das ziemlich clever und Ebay erfindet sich gerade selbst neu. Was traditionelle Einzelhändler angeht, denke ich, stellt es die Kosmetikkette Sephora, die zu LVMH gehört, sehr geschickt an: Sie ermöglichen es einem, in einen Sephora Store zu gehen, dort mit dem Handy ein Produkt zu scannen und anschließend kann man alle Konsumenten-Bewertungen hierfür anschauen. Das finde ich ziemlich clever.

Burberry ist ein anderes tolles Beispiel: Das Unternehmen nutzt Facebook, weil die Plattform sozial, dezentral und mobil ist. Damit hat man die größte mobile Plattform auf dem Planeten. Facebook ist für die Social-Local-Mobile (SoLoMo)-Konsumenten deshalb wichtig, weil hier eine Plattform alle drei Dinge umfasst. Ich denke, Burberry nutzt Facebook auf eine intelligente Art und Weise. Sie versuchen, die Fans zu erreichen, indem sie auf Facebook verkaufen. Sie haben diese Pop-up Fan-Stores, den Adidas im stationären Handel so großartig beherrscht. Burberry hingegen macht das online. Wenn man in ihre Läden geht, bekommen die Leute iPads, um Fashion Shows live über das iPad anzuschauen. Und hiervon ausgehend kann man dann losgehen und einkaufen. Sie übertragen alles Mögliche auf Facebook.

Diesel ist eine weitere großartige Marke, die viele kluge Dinge tut. Zum Beispiel haben sie einen Facebook-Spiegel in ihren realen Geschäften, von dessen Kamera man sich fotografieren lassen kann und anschließend Feedback über den mit Facebook verbundenen Ankleideraum erhält. Außerdem verwendet Diesel QR-Codes: Mit deinem Handy kannst du losziehen, ein Foto zum Beispiel von einer Jeans machen, und der QR-Code darauf führt dich schließlich zu einem Online-Foto des Artikels mit einem Like-Button. Starbucks ist ebenfalls eine großartige Marke mit einigen guten Strategien. Mit Kundenkarten verwandelt das Unternehmen Facebook gerade in ein CRM-Netzwerk. Die entsprechende Starbucks Card erhält man über das iPad. Man kann sogar mit dem iPhone einkaufen, es mit Geld aufladen, Geschenke verschicken – und das alles erledigt ein Tab auf der Starbucks Facebook-Seite.

Ein abschließendes Beispiel ist American Express. Sie machen es ähnlich wie Starbucks, aber ich denke, noch viel gewagter und innovativer. Momentan bauen sie ihre Kunden- und Belohnungsprogramme rund um den Social Graph auf. Anstatt einfach nur Punkte zu sammeln und dann aus einem Katalog auszuwählen, geben sie einem Belohnungen aus den Produktbereichen, die man vorher auf Facebook „geliked“ hat. Und sie ermöglichen außerdem Third-Party-Händlern, mitzumachen und Verkaufsangebote aufzuführen. Es geht nicht nur darum, ein anwendbares Belohnungsprogramm zu kreieren. Außerdem wird so Umsatz generiert, indem man AmEx-Card-Kunden – Personen, die American Express Karten verkaufen und akzeptieren – ermöglicht, Belohnungen zu kreieren. Deshalb denke ich, dass das Modell wirklich gut ist, da Facebook als Belohnungsplattform integriert wird und der Open Graph dazu verwendet wird, um Produkte und Dienstleistungen an das anzupassen, was den Leuten wirklich gefällt.

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