Social-Media-Protest

Verbraucher fordern Nivea zum Verzicht von Parabenen auf

17.09.2013.  Nivea erlebt auf seiner Facebook-Seite momentan einen regelrechten Proteststurm seiner Kunden. Diese fordern den Beiersdorf-Konzern in zahlreichen Kommentaren dazu auf, künftig auf den Einsatz von Parabenen in Nivea-Produkten zu verzichten. Dem Protest geht eine Online-Petition auf Change.org voraus, bei der sich eine Mutter aus Berlin zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen hormonell wirksame Chemikalien in Nivea-Produkten richtet. Bereits über 40.000 Menschen haben unterzeichnet.

Von Thomas Kemp

Verbraucher wissen heutzutage die verschiedenen Social-Media-Kanäle zu nutzen, um ihrem Ärger Dampf zu machen. Dies zeigt aktuell der Proteststurm, den man auf der Facebook-Fanpage von Beiersdorf beobachten kann. Beiersdorf verwendet nach eigenen Angaben Parabene als Konservierungsmittel in etwa 30 Prozent seiner Produkte.

Parabene können hormonähnliche Wirkung haben und stehen im Verdacht, das Brust- und Hodenkrebsrisiko zu erhöhen, bei Mädchen zu einer verfrühten Pubertät zu führen und bei Männern die Fruchtbarkeit zu verringern. In Tierversuchen wurde diese Wirkung für einige Parabene nachgewiesen. Ob eine solche Wirkung auch beim Menschen vorliegt, ist umstritten und lässt sich nur schwer nachweisen. In Dänemark sind Produkte, die Propylparaben enthalten, für Kinder unter drei Jahre allerdings verboten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete hormonell wirksame Substanzen Ende 2012 als „globale Bedrohung“.

BUND unterstützt Petition


Der BUND hat in einer Studie 60.000 Kosmetikprodukte auf ihre Inhaltsstoffe untersucht: Fast in jedem dritten Produkt finden sich hormonähnliche Stoffe. Zwar gibt es für die einzelnen Inhaltsstoffe Vorschriften über die zulässige Höchstmenge, aber laut BUND lauert die Gefahr in dem Zusammenspiel der verschiedenen Kosmetika, die täglich benutzt werden. Denn die hormonähnlichen Substanzen finden sich in Cremes, Zahnpaste, Rasierschaum, Lippenstiften und vielem mehr. Dadurch ergibt sich für die Verbraucher ein Gesamtcocktail, der die eigentliche Gefahr bergen würde.

Daher fordert der BUND ein generelles Verbot hormonell aktiver Stoffe und unterstützt im Zuge dessen die Petition von Britta Steffenhagen an Beiersdorf. Die Berlinerin hatte über die vom BUND entwickelte Tox-Fox-App erfahren, dass in ihrer Nivea-Body-Lotion hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind. Mit der kostenlosen App können Nutzer den Strichcode der Produkte fotografieren und erfahren so, ob Parabene enthalten sind.

„Bis zu zehn Menschen haben pro Minute unterschrieben“


Der BUND hatte bereits mit Carline Rosales, ebenfalls eine junge Berliner Mutter, erfolgreich eine Online-Petition gegen Johnson & Johnson durchgeführt. In dessen Penaten-Wundschutzcreme ist ebenfalls ein Paraben enthalten. Nun hat sich der Hersteller verpflichtet, ab 2014 auf hormonwirksame Stoffe seinen Babycremes zu verzichten.

Nivea reagiert bislang trotz der über 40.000 Unterschriften und der Protestwelle auf der Nivea-Facebook-Seite verhalten und beruft sich mit Links auf externe Institutionen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Parabene bei Einhaltung bestimmter Grenzwerte für gesundheitlich unbedenklich hält. Darüber hinaus antwortet Nivea besorgten Verbrauchern mit einer Liste von Nivea-Produkten ohne Parabene.

Ob sich die enttäuschten Verbraucher mit solchen Standardantworten zufrieden geben werden, bleibt fraglich. „Beiersdorf muss die Sorgen und Ängste zigtausender Verbraucher endlich ernst nehmen. Seit letzter Woche haben teilweise zehn Menschen pro Minute unsere Petition unterschrieben. Solange der Konzern keinen Plan vorlegt, bis wann er aus hormonähnlichen Stoffe in Nivea-Produkten aussteigt, wird der Protest weitergehen“, erklärt Steffenhagen.

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