13.01.2012

Domainkauf

Neue Top-Level-Domains können ab sofort registriert werden

Mit einer aussagekräftigen Domain setzt der Sitebetreiber bei Online-Nutzern das erste Signal in Richtung Markenbildung und Vertrauen. 2012 wird ein Domain-Jahr, denn seit gestern dürfen Großkonzerne und Städte ihre eigenen Namensräume bei der Registrierungsstelle anmelden. Die Kosten liegen hoch im sechsstelligen Bereich.

Von Frank Puscher

Nur wenige Tage ist es her, da startete in Deutschland der Ableger des populären US-Magazins Wall Street Journal mit einem neuen Onlineangebot. Die populäre Marke hat sich die Domains www.WSJ.de und www.wallstreetjournal.de gesichert. Die Domain Wallstreet-Journal.de hingegen war bis zum Start des Deutschlandangebots am 9. Januar noch anderweitig besetzt. Erst zwei Tage später konnten sich die Anwälte der Amerikaner durchsetzen. Unterdessen unterlief den Technikern ein kleiner Fehler: Die Domain verweist nicht auf das Deutschlandangebot sondern auf eine europäische, sprich englische Version.

Keine Frage: Angesichts der unglaublichen Fülle an bestehenden Webangeboten und dem täglichen, starken Wachstum ist eines der Hauptprobleme für neue oder erneuerte Websites das Gefundenwerden. Und um das zu beschleunigen gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: teure Werbung oder eine gute Platzierung im Google-Suchindex. Letztere steht und fällt mit guten Inhalten, den richtigen Schlüsselbegriffen und vor allem der richtigen Domain. Generische Gattungsbegriffe wie fahrrad.de genießen nicht nur ein gutes Ranking, sie erhalten vom Nutzer auch einen Reputationsvorsprung und werden – zumindest für den ersten Augenblick mit einer neutralen Quelle assoziiert. Kein Wunder also, dass Aktien.de im letzten Sommer für 500 000 Euro über den Ladentisch ging.

Neue Domains im Kommen

Bei der Namenwahl im Netz – auch der nachträglichen oder ergänzenden – gibt es eine Handvoll Kriterien zu bedenken. Zunächst muss der Name möglichst nahe am zentralen Inhalt der Website sein. Der Firmenname ist nicht in jedem Fall die beste Wahl wenn – wie zum Beispiel bei Konzernen wie Beiersdorf oder Procter und Gamble – die einzelnen Handelsmarken mehr Bekanntheit genießen. Für Bewerber, Presse oder Aktionäre hingegen muss es schon der Unternehmensname sein. Und hier stellt sich bereits die nächste Frage, nämlich ob es die genaue Firmenbezeichnung sein soll oder ob man GmbH, AG und GBR einfach weg lässt. Auch hier bestimmt das Unternehmensziel die Entscheidung. Ohne GmbH ist das Unternehmen zweifellos leichter zu finden, mit der Erweiterung sind zumindest die Rahmenbedingungen der Haftung auf einen Blick geklärt.

Gewisse Konventionen haben sich eingebürgert. Wird die Firmenbezeichnung im Domainnamen geführt, so wird sie in der Regel mit einem Bindestrich verbunden. Immobilienmakler und Bauträger sind dazu übergegangen, ihre Objekte mit Straßenname und Hausnummer anzupreisen, also Lessing51.de. Und die Erweiterung „24“ deutet in aller Regel auf einen Onlineshop oder zumindest einen Preisvergleicher. Apropos Preisvergleicher: Sprechende URLs wie Guenstiger.de oder Billiger.de sind grundsätzlich griffiger als Kunstnamen wie Ciao.de oder Dooyou.de. Letztere müssen mit viel Marketingaufwand durchgesetzt werden, wie derzeit am Beispiel Trivago.de auf allen Fernsehsendern zu begutachten ist.

Ein weiteres, spannendes Kriterium ist der Namensraum, also die Domainendung. Aus Usability-Perspektive ist eine deutsche Domain absolut unverzichtbar. Selbst ein internationaler Konzern wird dort auffindbar sein, weil er der nationalen Wahrnehmung auch einen gewissen Wert zuspricht. Ansonsten entscheiden sich die international tätigen Unternehmen in der Regel für .com-Domains als zentrale Plattform.

Die spezialisierten Namensräume wie „.net“, „.biz“ oder „.eu“ haben es hingegen schwer. Die User wollen nicht raten und suchen den Firmennamen dann lieber bei Google, bevor sie sich abmühen. Intuitiv sind die Namen nicht, auch wenn sie inhaltlich passen mögen, weil eine Onlineagentur „.net“ gewählt hat.

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