Datenflut

72 Prozent der deutschen Unternehmen nennen Umgang mit Social Media „chaotisch“

05.03.2012.  Die meisten europäischen Unternehmen wissen nach wie vor nicht, wie sie mit Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Xing umgehen sollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine europaweite Studie von Coleman Parks im Auftrag von Iron Mountain, einem weltweit agierenden Anbieter von Services für das Informationsmanagement. Den Unternehmen ist zu 86 Prozent zwar bewusst (Deutschland: 94 Prozent), dass Kommunikation über Social Media-Kanäle unter Umständen als formaler Geschäftsvorgang einzuordnen ist, gleichzeitig sehen sich aber 63 Prozent (Deutschland: 72 Prozent) nicht in der Lage, die in sozialen Netzwerken ausgetauschten Daten und Informationen entsprechend zu verwalten. Auch deshalb verbieten rund 90 Prozent der europäischen Firmen ihren Mitarbeitern die Nutzung sozialer Netzwerke am Arbeitsplatz.

Soziale Netzwerke stellen Unternehmen vor vergleichbare Schwierigkeiten wie einst der Einzug der E-Mail in die Geschäftswelt. Social Media als Kommunikationskanäle sind noch relativ neu, erzeugen kaum zu überschauende Mengen unstrukturierter Daten und sind deshalb schwer zu kontrollieren. Die Unmittelbarkeit und Formlosigkeit in sozialen Netzwerken erhöhen darüber hinaus das Risiko für Datenschutzverletzungen oder die unbeabsichtigte Veröffentlichung vertraulicher Informationen. Viele Unternehmen sehen in sozialen Netzwerken daher vor allem eine Gefahr. Ignoriert werden somit die neuen Möglichkeiten, die Social Media für die Kundenbindung und die Steigerung der Marktbekanntheit bieten. Weil dies künftige Erfolge aller Voraussicht nach aber hemmen wird, hat Iron Mountain für Unternehmen folgende Maßnahmen für den sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken zusammengestellt:

Konzentration auf das Wesentliche: Ziel des Informationsmanagements ist es, die mit der Verwaltung von Datenbeständen verbundenen Kosten und Risiken zu begrenzen und zugleich den Zugriff auf relevante Informationen und ihren Nutzen für das Unternehmen zu verbessern. Unabhängig vom Format müssen Firmen deshalb wissen, über welche Daten sie verfügen, wo sich diese befinden und wie sie genutzt werden. Beim Management von Informationen in sozialen Netzwerken ist das genauso, aufgrund der Menge und Unstrukturiertheit der Daten jedoch komplizierter. Wenn Unternehmen Inhalte aus sozialen Netzwerken erfassen, müssen sie diese genauso schützen und Richtlinien einführen, wie lange die Informationen aufbewahrt werden sollen und wer auf sie zugreifen darf.

Gesetze beachten: Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind technologiegestützte Kommunikationsmedien, die sich rasant entwickeln. Die Gesetzgebung hinkt den neuesten Entwicklungen dabei in der Regel hinterher. Potenziell ist aber jeder Tweet, jedes Posting oder jeder Blogeintrag ein offizieller Geschäftsvorgang, für den Unternehmen haftbar sind und den sie deshalb archivieren müssen. Unternehmen sollten deshalb in allen Ländern, in denen sie geschäftlich tätig sind, immer die aktuelle Gesetzeslage für den Umgang mit Informationen kennen.

Richtlinien für den Umgang mit Social Media im Unternehmen festlegen: Den Mitarbeitern den Zugang zu sozialen Netzwerken am Arbeitsplatz zu sperren, ist wenig zielführend – die Mitarbeiter greifen dann einfach auf ihre eigenen mobilen Geräte zurück. Deshalb sollten Unternehmen klare Nutzungsrichtlinien für den Umgang mit Social Media am Arbeitsplatz aufstellen und ihre Mitarbeiter entsprechend schulen. Derartige Richtlinien müssen eindeutige Handlungsanweisungen enthalten, aber auch eine Kultur der Verantwortlichkeit fördern.

Zwischen geschäftlicher und privater Nutzung unterscheiden: Um das Ansehen der Marke zu schützen, müssen die Kanäle richtig gemanagt werden. Unternehmen sollten daher strikt zwischen der geschäftlichen und der privaten Nutzung von Social Media unterscheiden. Deshalb bietet es sich für Unternehmen an, offizielle Firmenaccounts bei Facebook, Twitter, Linkedin oder Xing anzulegen. Das vereinfacht die Abgrenzung der persönlichen von der beruflichen Nutzung im Unternehmen und erleichtert bei Bedarf den Zugriff auf relevante Daten. Außerdem sinkt so die Gefahr eines (versehentlichen) Zugriffs auf persönliche Nachrichten der Mitarbeiter, was Datenschutzprobleme nach sich ziehen könnte.

Flexibel bleiben: Die Entwicklung sozialer Netzwerke ist rasant. Unternehmen müssen deshalb dafür sorgen, dass ihre Richtlinien für den Umgang mit Social Media im Unternehmen ohne großen Aufwand an Veränderungen angepasst werden können. Dafür sollten sie sich ständig auf dem Laufenden halten, indem sie mit externen Fachleuten zusammenarbeiten oder Arbeitsgruppen bilden, um das Fachwissen ihrer Mitarbeiter zu nutzen. Die Arbeitsgruppen sollten darüber hinaus auf das Fachwissen aus dem Bereich Informationsmanagement sowie aus der Rechts- und der Personalabteilung zurückgreifen. Wichtig ist es auch, alle Abteilungen einzubeziehen, in denen soziale Netzwerke geschäftlich genutzt werden können, dazu zählen vor allem Marketing, PR und Vertrieb.

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