18.07.2011

Konsumklima Europa

Verunsicherte Verbraucher mehrheitlich optimistisch

„Was glauben Sie, wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?“, fragte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einmal pro Monat genau 18.300 Verbraucher in der Europäischen Union (EU). Weitere Fragen im Rahmen der Konsumklimastudie Europa für das zweite Quartal 2011 betrafen die Preiserwartung, die Einkommensentwicklung und die Anschaffungsneigung. Obwohl die Diskussionen um die Rettung Griechenlands viel Raum für Verunsicherung lassen, verbessert sich in vielen EU-Ländern erstmals nach der Finanz- und Wirtschaftskrise die Stimmung der Verbraucher wieder.

Befragt wurden Konsumenten in Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien und der Tschechischen Republik. Die Talsohle der Rezession in Europa scheint der Studie zufolge überwunden; die Wirtschaft in den meisten europäischen Ländern beginnt, sich von der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg zu erholen. Viele Verbraucher seien jedoch noch nicht überzeugt, dass der Aufschwung in ihrem Land nachhaltig und dauerhaft ist. Mit der Finanzkrise und ihren Auswirkungen immer noch schwer zu kämpfen hätten Griechenland, Irland und Portugal. Das zweite große Thema der Europäer sei die Inflation. Bulgarien beispielsweise erwarte zum Jahresende zwischen fünf und sechs Prozent allgemeine Preissteigerung. Vor allem die Teuerung bei den Grundnahrungsmitteln und Benzin machten den europäischen Verbrauchern zu schaffen.

In fast allen betrachteten Ländern scheint der aktuellen Konsumklimastudie der GfK zufolge der Tiefpunkt der Rezession durchschritten zu sein. Die Konjunkturerwartung sei im zweiten Quartal generell gestiegen oder habe sich zumindest auf dem Niveau von März konsolidiert. Ausnahmen seien lediglich Österreich sowie die Tschechische Republik. Während der Konjunkturindikator in Deutschland, der europäischen „Wachstumslokomotive“, aktuell 50,3 Punkte erreiche, liege der Wert in Rumänien bei minus 27 Punkten (Juni 2010: minus 71 Punkte) und in Österreich bei 21 Punkten. Auf dem tiefsten Stand seit dem Beginn der Erhebung Anfang 2006 befinde sich der Konjunkturindex der Tschechischen Republik mit minus 48 Punkten – trotz eines guten Wachstums von voraussichtlich 1,9 Prozent in diesem Jahr. Die tschechische Regierung stecke in einer Krise und die Bürger befürchteten, dass die angekündigten Reformen nicht rechtzeitig umgesetzt würden. Zu einer pessimistischen Einschätzung trügen auch die ständig steigenden Lebensmittel- und Energiepreise bei. In Griechenland verharre die Konjunkturerwartung auf extrem niedrigem Niveau – aktuell minus 54,7 Punkte. Das Sparpaket der griechischen Regierung fordere noch weiter gehende Einschnitte mit den entsprechenden Folgen für die eigene Wirtschaft. Für die griechische Regierung wäre es jetzt extrem wichtig, auch die Gutverdiener und Eliten des Landes in die Sparmaßnahmen mit einzubeziehen und vor allem endlich die Schattenwirtschaft zu unterbinden.

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