Interview

Mit jedem Projekt verbessert Luxusinnenausstatter Metrica sein Prozessmanagement

Bodo Kuhnhenn
Bodo Kuhnhenn
27.04.2012.  Aus einem Tischlerbetrieb nahe Münster, den Johann Dietrich Rincklake vor mehr als 300 Jahren gründete, ging im Jahr 1997 das auf luxuriösen Innenausbau spezialisierte Unternehmen Metrica Interior hervor. Wegen eines fehlenden Familiennachfolgers verkaufte Rincklake van Endert den westfälische Qualitätsanbieter vor fünf Jahren an einen neuen Gesellschafter aus der Schweiz. Metrica erzielt heute mit rund 300 Mitarbeitern bis zu 100 Millionen Euro Umsatz mit der Planung und Ausstattung in Privatjachten, -jets und -villen. Nur 40 bis 50 handverlesene Kunden mit exklusiven Wünschen und einem Platz im Ranking der Milliardäre und Millionäre betreut Metrica pro Jahr. CEO Bodo Kuhnhenn sprach mit absatzwirtschaft-Redakteur Thorsten Garber über Vorlieben, Trends und Gepflogenheiten bei einer Klientel, die fast alles besitzt.

Herr Kuhnhenn, ist Ihr Standort im beschaulichen Münsterland von Vorteil, weil Prominente hier unbehelligt bleiben?

BODO KUHNHENN: Unser Standort war für unsere Kunden noch nie ein Thema. Sie kommen überall hin auf der Welt, wo sie hin wollen. Das Münsterland mit dem benachbarten Ostwestfalen ist aus einem anderen Grund ein geeigneter Standort. Die Region ist ein historisch gewachsenes Cluster der Möbelindustrie – eines der wichtigsten in Deutschland. Mit drei Betrieben hier in Senden, in Holtwick und in Espelkamp sind wir gut vertreten, um qualifizierte Mitarbeiter an uns zu binden.

Metrica ist mit dem Luxusinnenausbau von Jachten, Jets und Residenzen auf so ein spitzes Segment für eine relativ kleine Zielgruppe spezialisiert – gibt es da überhaupt Wettbewerber?

KUHNHENN: Für einige Werften arbeiten wir zwar exklusiv, gleichwohl gibt es bei Jachten auch einige Wettbewerber. Die meisten Werften vergeben Aufträge für ein Schiff gleich an mehrere Innenausbauer, weil die Arbeiten zu einem festgelegten Termin fertig werden müssen. Insofern arbeiten wir auf einer Jacht nicht selten zeitgleich Hand in Hand und tauschen uns sogar beispielsweise über den Einkauf aus. Der Wettbewerb gestaltet sich also eher partnerschaftlich, denn der Markt gibt genug her. Überwiegend sind Wettbewerber ehemalige Subunternehmer unseres Ursprungsunternehmens Rincklake van Endert, die sich selbstständig gemacht haben und überwiegend aus der hiesigen Region kommen. Ein paar handwerklich gute Firmen aus den Niederlanden, aus den USA und aus arabischen Staaten gibt es noch. Aber führend in unserer Branche ist made in Germany, denn das Tischlerhandwerk hat eine große Tradition in Deutschland.

Haben Sie Expansionspläne durch eine Portfolioausweitung, Firmenzukäufe oder neue Ländermärkte?

KUHNHENN: Neue Ländermärkte wollen wir uns schon mit Schwerpunkt auf Zentraleuropa, den arabischen und russischen Raum eröffnen. Firmenzukäufe sind zurzeit keine geplant, aber wir halten immer die Augen offen. Mit unseren Geschäftsbereichen für den gehobenen Innenausbau in Jachten, Flugzeugen, Residenzen und Offices sind wir gut aufgestellt. Wir wollen uns nicht verzetteln. Getreu dem schönen Handwerkermotto „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Potenzial haben unsere Geschäftsbereiche noch genug.

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ hört sich aber nicht gerade wie eine Wachstumsstrategie an.

KUHNHENN: Glauben Sie mir, die Kommunikation und Abstimmung bei unseren aufwendigen und kostspieligen Projekten ist nur in der Nische auf so einem hohen Level zu gewährleisten. Wir verbessern permanent unser Prozessmanagement, weil wir bei den sehr individuellen Kundenwünschen fast bei jeder Aufgabe auch Neues dazulernen. Die Optimierung im Einkauf, bei Produkten und Prozessen bringt uns jedes Mal einen weiteren Schritt voran. Gleichzeitig dürfen wir unser oberstes Gebot, die Qualität, nie aus den Augen verlieren. Wir schaffen aus verbesserten Prozessen ein Ertragswachstum statt immer nur auf Umsatzwachstum zu setzen. Von Umsatz allein kann keiner leben.

Wie bekannt ist Ihr Unternehmen schon? Und welches Image genießt es?

KUHNHENN: Für den hochwertigen Ausbau von Jachten sind wir sehr bekannt. Wir genießen in diesem Feld auch einen guten Ruf. Wir gehören hier schon zu den ältesten Unternehmen. Als Generalunternehmer für luxuriöse Residenzen sind wir relativ jung, aber an Referenzen, Reputation und positiven Kundenurteilen fehlt es uns nicht. Dieses Geschäft geschieht überwiegend durch Empfehlungsmarketing. Für mich ist ein guter Indikator auf Messen, wenn ein Kunde uns mit unseren Interessenten stolz über sein Schiff führt – auch in die Privatgemächer. Unsere Projektleiter erhalten zum Teil privat Einladungen etwa zu Einweihungsfeiern. Das belegt ein hohes Vertrauen und die gute Bindung.

Was wollen Ihre Kunden? Und wie betreiben Sie Marktforschung angesichts von nur 50 handverlesenen Auftraggebern pro Jahr?

KUHNHENN: Rein durch Gespräche mit unseren Kunden. Natürlich informieren wir uns zusätzlich auf Branchenforen, internationalen Konferenzen sowie – etwa über Superjachten – auf der „Monaco Yacht Show“ oder auf der „Boat Show“ in Fort Lauderdale oder über Residenzen auf der „Maison & Objects“ in Paris. Die wichtigen Trends erkennt man auf diesen Messen.

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