Interview

Marketing ist für Griesson - de Beukelaer seriöses Handwerk und kein glamouröses Abziehbild

29.03.2012.  Der Süßgebäckhersteller Griesson - de Beukelaer (GdB) aus Polch in der Eifel erzielt mit namhaften Marken wie der Prinzenrolle und Lizenzprodukten wie Mövenpick mittlerweile fast 500 Millionen Euro Umsatz. Der Mittelständler mausert sich vom Marktführer in Deutschland zum großen Spieler in Europa. Der finanzstarke Keksfabrikant hat zuletzt großes Interesse an weiteren Firmenzukäufen signalisiert. Trotz Tradition: Das inhabergeführte Unternehmen steht für rechtzeitigen Wandel. Die Lebkuchenproduktion wurde eingestellt, als der Saisonartikel noch ein Drittel zum Geschäft beitrug. Besitzer Heinz Gries holte mit Danone-Manager Andreas Land einen externen Nachfolger ins Haus und beteiligte ihn. Der neue geschäftsführende Mitgesellschafter spricht im Interview mit absatzwirtschaft-Redakteur Thorsten Garber über Vorbilder und Fortentwicklung.

Herr Land, Sie sind jüngst als „Familienunternehmer des Jahres“ ausgezeichnet worden. Welche Vorteile ragen für Sie im inhabergeführten Mittelstand gegenüber Konzernen besonders heraus?

ANDREAS LAND: Langfristige Perspektiven, die an Lebenszeiten orientiert sind. Außerdem sind Verantwortlichkeit und Haftung stärker spürbar.

Das hört sich ja fast bedrohlich an.

LAND: Es ist aber keine Bedrohung. Es wirkt sich als Vorteil positiv aufs Management aus. Ohne echte Verantwortlichkeit und Haftung agiert ein Manager doch eher schlechter.

Was haben Sie durch den Schritt vom Danone-Manager zum GdB-Miteigentümer persönlich gewonnen?

LAND: Eben auch die direkte und unmittelbare unternehmerische Verantwortung. Im Prinzip habe ich im Gegensatz zur Zeit im Danone-Konzern keine Instanz mehr über mir. Das eigenverantwortliche Gestalten, also alle Fäden selbst in der Hand zu halten, macht den Unterschied. Die Entscheidungshoheit ist ein großer Gewinn.

Inwieweit sehen Sie Ihr Unternehmen als Vorbild für andere?

LAND: Ach, viele Wege führen doch nach Rom. Wir eignen uns nicht als Blaupause. Individuelle Lösungen gibt es für jedes Unternehmen. Einige unserer Elemente sind vielleicht vorbildhaft, aber das sollen dann andere für sich entscheiden.

Ihre Firma steht aber als Vorbild für eine rechtzeitige Wandlungsfähigkeit: Zum einen verabschiedete sich Heinz Gries als Alleinherrscher und holte Sie. Zum anderen stellten Sie die Lebkuchenproduktion ein, obwohl dieses Saisongeschäft noch ein Drittel zum Umsatz beitrug. Wie wichtig ist das frühzeitige Trennen?

LAND: Es ist ein wesentliches Kriterium für eine langfristige Orientierung. Wie substanziell dieser Schritt ist, kann man am Lebkuchengeschäft gut nachvollziehen. Lebkuchen waren eigentlich die Keimzelle des Unternehmens und haben bis zur Trennung die gesamte Geschichte mitbestimmt. Andere Produkte sind bei Griesson erst ab Mitte der 70er Jahre entstanden. Dann hat man auch schnell die Vorteile von Ganzjahresartikeln erkannt. Durch die Fusion Griesson - de Beukelaer hat sich das Unternehmen vom mittelständisch geprägten Handwerksbetrieb zum industriellen Markenartikler entwickelt. Auch wenn das Unternehmen ursprünglich eine andere DNA hatte, sind alte Gewohnheiten rechtzeitig abgelegt worden. Im Kern könnte das Vorbild für andere Unternehmen sein, die aber alle ihren eigenen Weg gehen müssen.

Heinz Gries’ Weg, Sie frühzeitig beziehungsweise rechtzeitig ins Unternehmen zu holen, wird von Wirtschaftsexperten als richtig mutig gehandelt.

LAND: Herr Gries ist als Unternehmer ganz sicher in vielen Punkten ein Vorbild. Das hängt mit seinen Charaktereigenschaften zusammen. Er ist offen und wandlungsfähig. Er gilt in der Branche und darüber hinaus als Vorbild, und ich selbst habe auch viel von ihm gelernt. Insgesamt betrachtet erzielen zum Wandel bereite Menschen auch überdurchschnittliche Wachstumsraten.

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