30.11.2011

Interview

„Flagship-Species wie der Tiger ziehen mehr“

Eberhard Brandes
Eberhard Brandes
Die größte Naturschutzorganisation der Welt, der World Wide Fund for Nature (WWF), unterhält in Deutschland seine viertstärkste Sektion. Der hiesige WWF-Chef Eberhard Brandes sieht gleichwohl für die gesamte Umwelt- und Naturschutzbewegung noch viel Potenzial in unserem Land, das für ihn eine Vorreiterrolle als quasi grüne Gesellschaft übernehmen sollte. Nachhaltigkeit sei nicht ausreichend in der Wirtschaft verankert, sagt Brandes in der Berliner WWF-Zentrale während des Gesprächs mit absatzwirtschaft-Redakteur Thorsten Garber. Zugleich unterstreicht er die erfolgreichen Kooperationen mit Unternehmen wie Edeka oder Krombacher. Endverbraucher, die vor allem zum Jahresende spenden, will der WWF künftig stärker dauerhaft als Mitglieder, Mitstreiter und bewusste Konsumenten gewinnen.

Herr Brandes, freuen Sie sich auch auf Weihnachten, weil zum Jahresende so viele Spenden auf das WWF-Konto eingehen?

EBERHARD BRANDES: (lacht) Nein, eher weil ich dann mehr Zeit für meine Familie habe. Ich freue mich während des ganzen Herbstes natürlich auch über hohe Spendeneingänge. Unsere Kampagnen laufen schließlich vor allem zwischen Oktober und Dezember.

Mit wie vielen Einnahmen rechnen Sie für 2011, und wie gestaltet sich die Gesamtentwicklung, seit Sie vor fünf Jahren den Vorstandsvorsitz übernommen haben?

BRANDES: Wir rechnen insgesamt mit rund 50 Millionen Euro, davon 65 Prozent von Privatpersonen, etwa 25 Prozent aus staatlichen Mitteln sowie rund neun Prozent von Firmen. Der Wert hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Das hört sich gut an, aber in absoluten Zahlen ist das immer noch viel zu wenig angesichts der riesigen Aufgaben, die wir zu bewältigen haben. Wir stemmen weltweit große Naturschutzprojekte. Dabei steigt der Handlungsdruck. Mit einer Erdbevölkerung von aktuell sieben Milliarden Menschen hinterlässt der Mensch einen immer stärkeren ökologischen Fußabdruck, wodurch es aufwendiger wird, die biologische Vielfalt zu erhalten. Wir müssen dringend mehr Mitwirkende gewinnen.

Sie sind als Geschäftsleiter eines Medizintechnikunternehmens zum WWF gewechselt und hatten Wirtschaftswissenschaften studiert. Einen engagierten Umweltschützer stellt man sich anders vor. Warum Ihr Abschied aus der Wirtschaft?

BRANDES: Weil dies hier eine Traumaufgabe für mich war und nach wie vor ist. Ursprünglich wollte ich nämlich Verhaltensforschung studieren und war schon Jahrzehnte davor im Umweltschutz organisiert. Wir sollten generell unsere überholten Milieubilder über Industrie- und Ökologiemanager überdenken. Wir hatten übrigens bei der Weinmann GmbH den ersten Kreislauf für portable Medizinprodukte entwickelt. Manager und Mitarbeiter können also auch in ihrem Unternehmen viel bewegen.

Kommen wir von Ihrem Image zu dem des WWF. Bitte an gemessenen Werten: Wie hoch ist die Bekanntheit Ihrer Marke mit dem großen Panda, und wie hoch ist die Sympathie?

BRANDES: Unsere Bekanntheit hierzulande liegt gestützt bei 91 Prozent. In anderen Ländern sind die Werte sogar noch besser. In einer anderen Umfrage bewerten uns neun von zehn Befragten als kompetent und professionell. Eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Clear unter dem Titel „Brand desire“ zur Beliebtheit von Marken ergab im vergangenen März für unser Logo weltweit den fünften Platz und in Deutschland den für uns sehr erfreulichen ersten Platz. Unser Pandabär sendet ein starkes Signal. Unsere Unabhängigkeit halte ich für das höchste Gut. Wir versuchen mitzunehmen statt anzuklagen, ohne die Konfrontation zu scheuen. Und wir streben ganzheitliche Lösungen an.

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