28.10.2011

Marketingstrategie

„Die Identifikation mit der Marke Fendt ist in 100 Jahren gewachsen“

Martin Richenhagen
Martin Richenhagen
Mit Gespür für Innovationen steuert Martin Richenhagen erfolgreich den US-Landmaschinenkonzern Agco. Der gebürtige Kölner ist einer der wenigen deutschen Manager, die den Sprung an die Spitze eines großen börsennotierten US-Unternehmens geschafft haben. Stark gemacht hat Richenhagen den Konzern durch eine klare Markenstrategie. Die ursprünglich 26 Marken wurden auf vier reduziert: Challenger, Massey Ferguson, Valtra und – made in Germany – Fendt. Im Interview mit absatzwirtschaft-Autorin Christine Mattauch spricht Richenhagen über aktuelle strategische Planungen sowie über die Marketingkanäle Social Media und Live-Kommunikation.

Herr Richenhagen, die deutsche Marke in Ihrem Konzern, Fendt, soll sich stärker internationalisieren – Richtung Amerika, Afrika ...?

MARTIN RICHENHAGEN: Für Afrika ist es noch zu früh, aber in Amerika kann ich mir das vorstellen. Traditionell kauft der amerikanische Bauer riesengroße Traktoren mit hoher PS-Zahl und hängt alles hintendran. Wohingegen der deutsche Landwirt eher mit Hydraulik arbeitet und kompaktere Schlepper hat. Für diese europäische Art der Landwirtschaft gibt es in Amerika zunehmend Interesse.

Dann schlägt Fendt dort aber Ihre anderen Marken.

RICHENHAGEN: Der schlägt sie nicht, sondern ergänzt sie.

Wieso, wenn doch Ihre Massey-Ferguson-Kunden die Vorzüge von Fendt entdecken, die Sie uns eben so eindrücklich geschildert haben?

RICHENHAGEN: Das ist nicht die Idee. Die Idee ist, dass sie von denen entdeckt werden, die heute Case oder John Deere fahren.

Das hofft man immer.

RICHENHAGEN: Wir packen das schon so an, dass sich unsere Marken nicht gegenseitig den Markt abgraben. Natürlich lässt sich nicht ausschließen, dass der eine oder andere Massey-Ferguson-Kunde umsteigt. Das ist aber nicht schlimm.

Weil Sie bei Fendt höhere Margen haben.

RICHENHAGEN: Genau.

Heute hat Fendt eine nahezu komplette Produktpalette: Mähdrescher, Ballenpressen, Häcksler. Warum eigentlich – Fendt hätte doch Spezialist bleiben können?

RICHENHAGEN: Der Landwirt hat seinen Maschinenpark gern aus einer Hand. Dann hat er im Service- und Ersatzteilwesen einen Ansprechpartner, das ist einfacher. Der Häcksler übrigens ist eine Neuentwicklung, der nur unter der Marke Fendt in den Markt gehen wird, obwohl er so gut ist, dass ihn alle haben wollten.

Wer entscheidet das bei Agco?

RICHENHAGEN: Diese Entscheidungen fallen bei uns zentral. Wir entwickeln auf der anderen Seite einen ganz kleinen, preiswerten Schlepper für Märkte wie Afrika, Indien, China und für Hobby-Landwirte, den bekommt Fendt nicht.

Wer bekommt den?

RICHENHAGEN: Den bekommt Massey Ferguson.

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